Kopane.de 2025 02.12.2025 Hertha B.S.C. – 1. FC Kaiserslautern
02.12.2025, 18:00 Uhr
Hertha B.S.C. – 1. FC Kaiserslautern
Berlin, Olympiastadion
Pokal (DFB-Pokal) – 51193 Zs. – 6:1

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Statistik zu Teams und Spielort
Spiele zwischen diesen beiden Mannschaften bei Kopane.de 1
Anzahl Spiele Hertha, Berliner Sport-Club e. V. 26
Anzahl Spiele 1. Männerteam Hertha BSC GmbH & Co. KGaA 12
Anzahl Spiele 1. FC Kaiserslautern e.V. 14
Anzahl Spiele 1. Männerteam 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA 13
Einträge zum Olympiastadion in Berlin bei Kopane.de: 9
Kapazität: 74.064 Auslastung bei diesem Spiel: 69%
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Wisst ihr wann man alt wird? …….. wenn man von früher erzählt. Mein erstes Spiel im Olympiastadion im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf war am 09.05.1998. Ein damaliger Jugendfreund war MSV Duisburg Fan, warum auch immer. So kam er mit der Idee, um die Ecke zum Auswärtsspiel der Zebras in die Hauptstadt zu fahren. Ich war natürlich neugierig, da Berlin für unser damaliges Alter auch ein kleines Abenteuer war. Als mein Jugendfreund noch in Aussicht stellte, in den Gästeblock zu gehen, hatte er mich überzeugt. Viel war damals nicht los und ich kann mich auch nur daran erinnern, dass der riesige Gästeblock im noch riesiger wirkenden Olympiastadion nicht mal ansatzweise gefüllt war. Doch wenn ich so darüber nachdenke, kann ich schon behaupten, dass sich meine Leidenschaft für Reisen mit Fussball dort bereits zeigte. Na jedenfalls, das war mein erstes Spiel bei der Hertha. Mit Dy kamen dann noch ein paar mehr dazu und zusätzlich machte eine kleine Abordnung meiner Luis-Reisegruppe nach dem Spiel in Malmö gegen Kopenhagen nochmals beim Spiel des Hauptstadt-Clubs gegen die Fortuna aus Düsseldorf hier halt. Das war im Oktober 2019.
Da ich eine berufliche Schulung in Potsdam hatte und mein Kollege, der mich begleitete, auch von der Idee dieses Pokal-Achtelfinale an zuschauen angetan war, wurde dies in die Tat umgesetzt. Ich funkte zusätzliche bei meinen Redaktionskollegen Rainerkaesek durch und schwupps waren wir zu dritt. Am großen Marathontor angekommen, wurde der Einlass mit einer infantilen Berechtigung abgewickelt und so ein paar Groschen gespart. Nach einer schlechten Bratwurst trafen wir uns mit Rainerkaesek im Block. Er lotste uns zu einer Loge, vor welcher zwei Reihen gepolsterte und windgeschützte Sitzreihen frei waren. Nur gut, dass ich mir ein Sitzkissen gegen die Kälte mitgenommen hatte, welches ich nun im Rucksack lassen durfte. Für 18 €, beste Sicht und einen gepolsterten Sitz, es geht wahrlich schlechter. So konnten wir uns auf die vorbereitete Choreo der Ostkurve konzentrieren und auf den Anpfiff des Spieles freuen. Doch bevor es so weit war schwieg das Stadion aus Protest gegen die Pläne der Innenministerkonferenz die ersten 12 Minuten. Ich denke jeder oder jede weiß Bescheid, was da wieder für sogenannte Sicherheitsfantastereien im Raum standen, aber trotzdem ein kurzer Abriss dazu. Die Innenminister der deutschen Bundesländer hatten bei der IMK im Dezember 2025 geplant, personalisierte Tickets, dadurch flächendeckende Ausweiskontrollen, Gesichtserkennung durch Gesichtsscanner oder die Verschärfung der Stadionverbotsrichtlinien einzuführen. Die Zahlen der ZIS (Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze) sprechen zwar eine andere Sprache, da die Zuschauerzahlen gestiegen sind und konträr dazu die Zahlen von eingeleiteten Ermittlungsverfahren und Verletztenzahlen sanken.
Na ja, der Fussball ist halt vieles, leider auch ein Versuchsfeld für Sicherheitsfanatiker bzw. Menschen denen die Unschuldsvermutung und Datenschutz schnuppe sind. Das Bündnis Fanszenen Deutschland rief zum Protest auf. Welcher dadurch bestand, dass die Fanszenen lokal mit ihren Vereinen sprachen, Spruchbänder und Choreografien zeigten und eine der stärksten Werkzeuge, nach Spielunterbrechungen, Stimmungsboykotte für die ersten 12 Minuten der Spiele durchführten.
Um den Kreis zu unserem heutigen Spiel zu schließen, das Olympiastadion, Heim- wie Gästeblock, harrte routiniert die 12 Minuten Protest aus.
In der Ostkurve wurde das Spruchband -Keine Wahrheiten – Keine Kompromisse! Hertha BSC sagt „Nein“ zu jeder Änderung der Stadionverbotsrichtlinie!- gezeigt. Als Pendant bei Lautern hing an der Balustrade
-Keine Wahrheiten, keine Kompromisse ihr zieht aus euren eigenen Zahlen die falschen Erkenntnisse-.
Was mir allgemein bei diesen Protesten wieder aufgefallen ist, ebenso bei denen gegen den Investoren-Einstieg bei der DFL 2024, die Zuschauer in den Stadien tragen diese uneingeschränkt mit, viele Vereinsverantwortliche stehen ihnen mindestens neutral gegenüber und die Medien zeigen oft Verständnis. Der Verein Hertha B.S.C. bezog als Beispiel Stellung zum Thema Mitsprache und Mitgestaltung der Fans über Themen, welche sie betreffen und formulierte den Satz -Sicherheit entsteht durch Dialog, nicht durch Entscheidungen über die Köpfe der Beteiligten hinweg-. Es ist schon erstaunlich, welche Macht und Reichweite mit Stimmungsprotesten erzeugt werden kann. Die Fanszenen sind sich dieser Macht auch absolut bewusst und spielen diese Karte perfekt aus. Ich denke, wir können alle stolz auf diese Art Fankultur sein, welche sich so stark für ihre Interessen ein- und auch durchsetzt.
Die 12 Minuten waren rum und in der Ostkurve startete die Choreografie. Es wurde eine Heilige Maria im blau-weißen Gewand empor gezogen. Anstatt des Kreuzes hielt sie eine Hertha-Fahne und einen Rosenkranz in den Händen. In ihren Heiligenschein stand in großen Lettern -OSTKURVE- geschrieben. Die Optik machte schon was her. Was ich aber absolut nicht im Stadion erkennen konnte, waren die sechs Kerzen, welche auf Doppelhaltern dargestellt waren und durch Bengalen entzündet wurden. Dafür ist das Olympiastadion wahrscheinlich zu groß, um solche Details auf Anhieb zu entdecken. Im Unterrang wurden noch silberne und im Oberrang blaue Folienschals gezeigt. Auf zwei Banderolen stand geschrieben
-Sehet die Fahnen der Alten Dame- (Oberrang) und – Fliehet, ihr feindlichen Dämonen- (Unterrang). Als i-Tüpfelchen wurden nun noch Blinkfackeln gezeigt. Schon während der Aktion dachte ich mir, dass die Choreografie thematisch auf den heutigen Gegner aus Lautern passt. Und tatsächlich gibt es einen geschichtlichen Hintergrund dazu, den die Fanszene von Hertha dafür nutzte. Vom mittelalterlichen Exorzismus wurde der Satz -Ecce crucem domini- des Heiligen Antonius benutzt. Worin die Verse zur Teufelsaustreibung -Seht das Kreuz des Herrn! Fliehet, ihr feindlichen Mächte- enthalten sind und sich so der Kreis zu den roten Teufeln des FCK schließt.
Die Choreo war noch nicht zu Ende, da stand es schon 1:0 für Hertha. Dies sollte der Wegweiser auf dem Platz für die nächsten 90 Minuten werden. Die Berliner überrollten die Lautrer förmlich. Am Ende stand ein 6:1 zu Buche. Drei Aluminiumtreffer für die Hausherren waren auch noch dabei. Krass, wie Hertha hier ackerte. Das 3:0 schoss der erst 16-jährige Kennet Eichhorn. Er ist damit der jüngste Torschütze der Hertha-Geschichte. Darauf machte uns mein Redaktionskollege Rainerkaesek aufmerksam. Ich war leicht überrascht, bei soviel Fussballfachkenntnis. Meiner Meinung nach ist die Ostkurve Hertha B.S.C. eine große Nummer in Deutschland. Die führende und älteste Gruppe sind die -Harlekins Berlin 98-. Bei ihrer Gründung nannten man sich noch -Hertha B.S.C. Harlekins-. Ende 1999 wechselte man zum heutigen Namen. Die zweite große Gruppe, wenn ich sie mal so nenne, ist die Hauptstadtmafia. Gegründet 2003. Weiter die -Ragazzi Della Curva- gegründet 2012, Kaliber 030- Die Zahlenkombination steht für die Vorwahl Berlin. Die Gruppe ist eher dem sportlichen Spektrum zuzuordnen, genauso wie -Young & Free-. Beide flaggen in der Ostkurve und auch sehr oft auswärts nebeneinander an. Oft hängt zusätzlich eine Hertha B.S.C. Hooligans-Fahne dabei. Weiter die -Gruppa Süd Berlin-. Diese betreiben eine eigene Homepage und haben das Fanzine -Das letzte Heft- herausgebracht, was mir bis zu meinen Recherchen für diesen Spielbericht noch nicht bekannt war. Die Gruppe ist sozial aktiv. Z.B. bei der Ukraine-Hilfe oder bei der Aufklärung der ME/CFS-Krankheit. Hier kommt ihr zur HOMEPAGE.
Die Crew 2008 steht zwischen der GSB und der Hauptstadtmafia in der Ostkurve. Interessant ist noch der Name von der Gruppe -1898-, welche lediglich das Gründungsjahr Herthas als Name nutzt. Hertha B.S.C. ist somit einer der ältesten Fußballklubs in Deutschland, davon leitet sich auch der Spitzname -die alte Dame- ab. Als aufmerksame Leser fragt ihr euch bestimmt ebenfalls, was es eigentlich mit dem Namen Hertha auf sich hat. Nun, einer der Vereinsgründer, der werte Herr Fritz Lindner, unternahm mit seinem Vater eine Dampfschifffahrt und der Name des Schiffes war, ihr könnt es euch denken -Hertha-. Schon eine ulkige Geschichte der Namensfindung.
Die Fanszene der Blau-Weißen hat auch einige soziale Aktionen, welche kontinuierlich durchgeführt werden. Wie die -Spendet Becher – Rettet Leben!- Aktion. Gestartet wurde diese durch die Leukämieerkrankung des Hertha-Fan Benny. Es wurden damals Knochenmarkspender gesucht, leider verstarb Benny 2005, doch die Spendenaktion wurde und wird weiter durch die Hertha-Szene durch geführt. -Hertha wärmt!- ist eine weitere soziale Aktion. Seit 2012 werden dafür für Obdachlose oder bedürftige Menschen in Berlin Wintersachen oder Lebensmittel gesammelt. Fanpolitisch ist oder war man bei den -Fanszenen Deutschland- bzw. bei -ProFans- aktiv. Im und um den Verein ist man seit 2010 mit der Initiative -Fahne pur- am machen. Das Ziel war, das traditionelle Vereinswappen mit der frei stehenden Hertha-Fahne in der Satzung zu etablieren. Was letztendlich 2014 gelang. Die Initiative setzt sich ebenfalls dafür ein, dass keine vereinsfremden Farben für das Hertha-Trikot verwendet werden. Die Fanszene von Hertha gründete als Dachverband aller Fans am 22. November 1998 den Förderkreis Ostkurve. Der FKO ist eine Gemeinschaft von Herthanerinnen und Herthanern aus unterschiedlichsten Fangruppierungen. In ihm werden im speziellen Choreografien finanziert und allgemein Fanthemen, welche die Ostkurve betreffen, unterstützt.
Zum Thema Freundschaften: eine der Ältesten ist die zum KSC. Ein starkes Bündnis, seit über 40 Jahren, welches von beiden Fanlagern gelebt wird. Die großflächigen Choreografien zeigen auch dieses Selbstverständnis. Zu den Ultra Boys 90 vom Racing Club de Strasbourg besteht ebenfalls eine Freundschaft. Entstanden über Karlsruhe, welche auch seit Jahren eng mit den Strasbourgern verbunden sind. Diese amitié hat schon einige Krisen hinter sich. Als die Strasbourgeois bei einen Freundschaftsbesuch zum Auswärtsspiel in Nürnberg einiges an Material verlieren, beenden die Harlekins die Freundschaft. Andere Gruppen der Ostkurve halten aber daran fest und aktuell scheint sie auch wieder frischen Wind zu bekommen. Eine Vereinsfahne der Elsässer hing heute zentral über der Harlekins Berlin Fahne.
Die HB98 pflegen schon seit einigen Jahren sehr gute Kontakte, jedoch keine offizielle Freundschaft, zu der Gruppe -Via Armenia 5r- vom CFC Genua. Ein solches Verhältnis unterhalten Einzelpersonen auch zu beiden Kurven, der Curva A und Curva B, vom SSC Napoli. Als die Süditaliener 2023 in der Champions-League bei Union spielten, präsentierten diese das Spruchband -Berlin ist blau-weiß-.
Wenn ich schon bei Freundschaften bin. Auf der Seite der Lautrer konnte ich heute keine Freunde aus Metz bzw. Stuttgart erkennen. Der Gästeblock war aber mit sehr guten 4500 Pfälzern gefüllt und konnte heute logischerweise machen, was er wollte. Das Olympiastadion hatte leichtes Spiel. Sei es auf dem Rasen oder den Rängen. Ich hatte es schon erwähnt, die alte Dame überrollte die roten Teufel förmlich. Da kannst du als Gästeblock entweder deine Ultra-Show abspielen oder Kutten-Like in den Bierbecher glotzen. Ich finde, die FCK-Fans haben das Beste am heutigen Abend versucht. Nach einer größeren Pyro-Aktion ließen einige Fackeln den Gäste-Sektor immer mal wieder aufleuchten und nie richtig verstummen. Nur unterm Strich ging da heute natürlich nicht viel. Die drei großen Ultra-Gruppen, Generation Luzifer, Pfalz Inferno und Frenetic Youth im Unterrang. Dabei auch die sportliche Bande um die K-Town Reds, welche vorherige Woche beim Auswärtsspiel des FCK in Braunschweig ihren 15. Geburtstag feierte. Sie sind eine Abspaltung der FY. Beide Gruppen stehen aber in der Westkurve nebeneinander. Die Devil Corps und die Kerberos (gegründet 2008, haben ihren Standort in der Westkurve im Oberrang Block 7.2, Kerberos bedeutet im Übrigen in der griechischen Mythologie Höllenhund) standen ebenfalls im Unterrang. Die Fangruppe/Fanclub Südpfalz ist mir heute zum ersten Mal richtig beim FCK aufgefallen. Beim späteren Betrachten meiner Fotos konnte ich auch eine Schwenkfahne und ein Doppelhalter von ihnen erkennen. Wahrscheinlich deshalb, da die Sachen einen Wiedererkennungswert haben und aufeinander abgestimmt sind. Der FCK hat bekannterweise eine große und treue Fanbasis. Die vielen Fanclubs haben dementsprechend auch ihr Merch, wobei nach meinem Geschmack da nicht immer die kreativsten Sachen dabei sind.
Im Oberrang hingen mittig 16 Fanclub-Zaunfahnen und die dahinter stehenden FCK-Fans stiegen sporadisch in die Gesänge des Unterranges ein. Was im weiteren Spielverlauf natürlich stetig abnahm. Die Lautern-Fans positionierten sich mit dem Spruchband – Scheiss Print @Home!- für den Erhalt der traditionellen Eintrittskarte. Erstmal unterstützenswert! Jetzt könnte man aber denken, dass der Verein Hertha B.S.C. keine richtigen Tickets angeboten hätte, doch im Kurvenecho (das Spieltagsheft der Harlekins Berlin 98) wird erklärt, dass Hertha B.S.C. grundsätzlich jeden Gastverein klassische Eintrittskarten anbietet, aber der Verein 1. FC Kaiserslautern dies abgelehnt hatte. Symbolisch wurde hinter dem Spruchband die -Für den Erhalt der Fankultur-Schwenkfahne im Gästeblock geschwenkt.
Wir waren schon beeindruckt, wie das Olympiastadion nach den Toren kollektiv die Schals wedelte und in die Gesänge einstimmte. Bei diesem Ergebnis nicht ganz verwunderlich, aber trotzdem beeindruckend. Für uns hieß es nach dem Spiel Abmarsch, es wurde langsam kalt. (Der Kulturbeauftragte)




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