Hola Perú y Bolivia. Unsere Reisegruppe hatte sich diesmal zwei Länder herausgesucht, welche fantechnisch zwar nicht ganz oben mitspielen, aber auf alle Fälle eine ganze Menge zu bieten und uns im Gesamtpaket sehr begeistert haben.
Bevor wir final in der Hauptstadt Perus landen konnten, gab es einen Zwischenhalt in Paris. Dort trafen sich Reisegruppe Ost und West, um gemeinsam den 12,5-Stunden-Flug nach Südamerika anzutreten. Dabei waren der Südbrandenburger, der stille Teilhaber, der Sportliche, M, der Jungspund, Mutz-Junior und euer Kulturbeauftragter. Die -Luis uff Achse- machten wieder los und ihr dürft dabei sein. Euch unsere Erlebnisse, Albernheiten, Suffabende, aber auch Diskussionen und den selbstgemachten Stress geben. Ich kann euch ruhigen Gewissens sagen: Langweilig wird’s mit der Meute nie. Der Flug war jetzt keine Rutsche auf einer Arschbacke, ging aber recht kurzweilig rum. Anerkennend musste ich beim Jungspund, welcher neben mir saß, lachen, als er eine Rätselzeitung auspackte und die darin enthaltenen Kreuzworträtsel bearbeitete. Es lebe Oldschool. In Lima angekommen, wurden zwei Uber bestellt und 50 Minuten zu unserem Apartment gefahren. Natürlich wurde versucht, einen ersten Eindruck von der Stadt zu bekommen. Die Luft war jetzt nicht die beste und es lag eine ganz ordentliche Dunstglocke über den Häusern. Hupen und Drängeln ist wahrscheinlich kein Kapitel in der peruanischen Führerscheinausbildung, wird aber mit einer vehementen Professionalität fabriziert. Da mussten die drei Fahrer der Reisegruppe, der Sportliche, der Jungspund und ich, schon auf die Zähne beißen, um hier ruhig mitzuschwimmen. Klappte mal mehr, mal weniger. „Was hupt der Bastard hinter mir, die Ampel ist eine halbe Sekunde grün?“ Das Hupen ist nicht wie in Deutschland zu verstehen, es wird einfach immer gehupt, egal wann, egal warum, egal wo.
Ein Stück ging es dann am Pazifik entlang. Die Sonne ging langsam unter und einige Surfer konnten beobachtet werden. In einem Hochhaus, in welchem wir zwei Apartments gebucht hatten, wurde sich schnell aufgeteilt. Die Frage, ob wir noch mal losmachen, war selbstredend nur von rhetorischer Natur. Der Sportliche suchte uns ein lokales Restaurant im Distrikt Miraflores heraus, wohin wir auch in gut 20 Minuten laufen konnten. Der Stadtteil wird als Künstlerviertel beschrieben. Mit zahlreichen Galerien, Cafés, Bars und Streetart. In unserem Restaurant spielte auch gleich eine Zweiercombo Livemusik und die Stimmung unter uns und den Einheimischen war zwischen locker und gelöst einzuordnen. Es gab die ersten peruanischen Getränke. Wir wollten eigentlich das Nationalgetränk, einen „Pisco Sour“ trinken, bestellten aber den „Chilcano de Pisco“. Ein Longdrink, in welchem der Pisco verwendet wird. Den berühmten echten „Pisco Sour“ kosteten wir selbstverständlich auch noch reichlich. Er wird aus Traubenbrand, frischem Limettensaft und Zuckersirup gemixt. Das Besondere ist die Schaumkrone, die aus rohem Eiweiß besteht. Durch die Happy-Hour mussten wir auch nicht lange überlegen, ob wir die halbe Getränkekarte durchprobieren. Auf der Reise stellte man fest, dass der Peruaner diese Happy Hour sehr inflationär benutzt. Man bekam den Eindruck, die geht eigentlich 24 Stunden am Tag. Na jedenfalls gab es den „Chilcano de Pisco“ in vielen Geschmacksrichtungen. Ist schon ein Top-Getränk, das muss ich sagen. Zwei für 28 Sol, umgerechnet sind dies 7 Euro. Ich denke, ich brauche nicht erwähnen, dass es mehrere Runden gab. Zu essen hatte ich Enrollado de Pollo Andino eine Anden-Hähnchenrolle. Saulecker. Der Preis von 44 Sol zeigte uns gleich, wo die Reise hinging. Es war für die Alemanes sehr preiswert. In Bolivien, welches wir in sechs Tagen bereisen wollten, war es sogar noch billiger und wir konnten jeden Tag für wenig Geld gut essen gehen. Ein schöner Start in die Tour. Die alte Garde und M machten dann gut gesättigt zurück zum Apartment. Die Jugend zog mit ein paar Mädels aus dem Restaurant nochmal los, um beim Salza das Tanzbein zu schwingen. Allzu spät trudelten die Lebemänner aber dann doch nicht bei uns ein. Buenas noches. Die Tour geht jetzt los.
Peru. Was verbindet man mit diesem Land, welches im Westen Südamerikas liegt? Überwältigende geografische Kontraste? Natürlich. Die gewaltigen Gebirgszüge der Anden, die Pazifikküste im Westen oder das Amazonasbecken im Osten. Klar. Atemberaubende Natur. Logo. Doch mein erster Gedanke waren natürlich die Inkas. Mit ihrer beeindruckenden Ruinenstadt Machu Picchu. Auf einem Bergrücken, im Nebelwald der Anden gelegen. Doch die Inka-Kultur, welche im Jahr 1197 große Macht erlangte und sich im Cusco-Tal, im Südosten des Andenhochlandes, entwickelte, war nicht die erste Zivilisation in dieser Gegend. Die ältesten menschlichen Spuren datiert die Forschung auf über 12.000 Jahre. Eine der frühen Hauptkulturen war die Chavín-Zivilisation (1000 v. Chr.). Nach ihnen entwickelten sich regionale Kulturen, wie die der Nazca (ca. 200 v. Chr. – 800 n. Chr.) und der Wari (ca. 600–1000/1100 n. Chr.). Nach diesen entwickelte sich das Inka-Imperium. Doch ab 1529 ereilte Peru das gleiche Schicksal, welches alle Länder in der damaligen Neuen Welt überkam. Die Kolonialisierung. In diesem Jahr erhielt der Conquistador Francisco Pizarro die Erlaubnis der spanischen Krone, Peru zu erobern. Was er auch tat. Am Ende dieser stand die vollständige Unterwerfung bzw. der Genozid der indigenen Bevölkerung und eine 300-jährige Kolonialzeit der Spanier. José de San Martín konnte sie 1821 nach langen Unabhängigkeitskriegen beenden. Sénior José de San Martín war ein argentinischer General, welcher auch maßgeblich in den Unabhängigkeitskriegen von Argentinien und Chile involviert war. Auch nach der Kolonialzeit kam Peru nicht zur Ruhe. Im Salpeterkrieg (1879 - 1884) kämpfte Chile gegen Bolivien. Durch den Beistandspakt von 1873 musste Peru Bolivien militärisch beistehen und wurde so in den Konflikt hineingezogen. Chile konnte den Krieg, welcher größtenteils zur See geführt wurde, gewinnen. Peru verlor dadurch große Gebiete und Bolivien seinen Zugang zum Pazifik. Nach dem Krieg erlebte das Land Demokratie und Diktatur. Es gab mehrere Putsche und man könnte den Eindruck erlangen, dass jeder Präsident irgendwie Dreck am Stecken hatte. Über Korruption, Veruntreuung oder Menschenrechtsverletzungen ist da alles dabei. Dienstagmorgen. Der Jetlag ließ alle zeitig auf der Matte stehen. Frühstück gab es wieder in dem Viertel Miraflores, in welchem wir gestern Abend schon essen waren. Danach wurde der Pool im 21. Stockwerk unseres Apartment-Hauses getestet. Doch davor schaffte unser stiller Teilhaber das Kunststück, seinen gekauften peruanischen Rotwein und lokales Cusqueña Cerveza nach einem kurzen Fotostopp am Meer stehen zu lassen. Ist ja nicht so, dass er sich dafür im Supermarkt ein 10-minütiges Verkaufs- und Beratungsgespräch gab. Seine erste Schote. Nach gut 2 Stunden Baden, machten wir uns auf den Weg Richtung Distritos Miraflores und der Strandpromenade. Dort gab es teilweise schöne, grüne und ruhige Parks. Die Küste ist überwiegend mit steilen Hängen versehen und diese werden Stück für Stück begrünt. Wo dies aber noch nicht geschehen ist, lächeln einen schwarze Felsen an. Es wird aber auf alle Fälle einmal ein schöner Küstenabschnitt entstehen. Erstaunlich, wie lange wir am Nachmittag brauchten, um mal eine Bar zu finden, in welcher wir ein kühles Cusqueña trinken konnten. Lustig war dann, als wir in einem geöffneten Restaurant saßen und warteten, dass die Servicekraft ihren Dienst nachkam, diese erst das Cerveza im benachbarten Bodegas einkaufen musste. Das sind kleine Lebensmittelläden in den Erdgeschossen der verschiedenen Wohnhäuser. Doch der gute Mann holte zum Erstaunen aller alkoholfreies Bier. Aber sowas klärt der stille Teilhaber. Es wurde langsam Abend. So suchten wir uns vor dem Match ein Fischrestaurant am Meer heraus und konnten mit Blick auf die Palmen und die Bucht das Abendessen genießen. Das Restaurant war schon in der Stadt Callao. Diese gehört zwar zur Metropolregion Lima, ist aber eigenständig. Unser heutiges Copa-Spiel fand hier statt. Der Club Alianza Atlético Sullana ist aber nicht der lokale Verein, dies sind die Sport Boys. Alianza musste das schlichte Estadio Miguel Grau als Ausweichspielstätte nutzen. Callao gilt als einer der gefährlichsten Bezirke in der Region Lima. Insbesondere in Flughafennähe. Also auch das Stadionumfeld. Es gibt mehrere Reisewarnungen dafür. Wir entschieden uns, da auch noch Leben auf der Straße war, ein Stück zu laufen. War auch alles kein Problem. Am Plaza Miguel Grau holten wir uns noch ein Bier und da es immer noch 50 Minuten Fußweg waren, entschieden wir uns für den restlichen Weg, zwei Uber zu rufen. Der Plaza wurde übrigens dem Nationalhelden Admiral Miguel Grau Seminario gewidmet. Er führte während des Salpeterkrieges die peruanische Marine an. Komisch wurde es kurz, als ein älterer Herr zu uns kam und Krimskram verkaufen wollte. Nachdem wir dies verneinten, machte er kurz darauf mit seinem Handy ein Foto von uns und verschickte es gleich. Wir beachteten ihn aber erstmal nicht weiter. Nachdem die Uber bestellt waren, liefen wir etwas in Richtung Hauptstraße. Der Opa kam in einigem Abstand hinterher und beobachtete uns die ganze Zeit. Merkwürdiger Kauz. Jedenfalls kamen die Uber pünktlich und wir trafen uns in Stadionnähe wieder. Der „Heimverein“ Club Alianza Atlético Sullana musste, wie schon geschrieben, nach Callao ausweichen, da sein Heimstadion, das Estadio Campeones del 36, umgebaut wird. Es erfüllt derzeit keine internationalen Standards. Das ist jetzt nichts Besonderes, aber dass die Stadt Sullana 1040 km im Norden Perus liegt, ist schon speziell. Da zollten wir den angereisten Anhängern der Blau-Weißen schon Respekt. Nachdem der Südbrandenburger einen Schal für seine Sammlung ergattern konnte, mussten wir noch für ein Foto damit herhalten. Gern geschehen. Da der Heim- und Gästeeingang in derselben Straße keine 50 Meter auseinander in Sichtweite lagen, wollte M den Haufen um die „La Barra del Matador“ mal von Nahem sehen. So schob er als Ausrede hervor, dass wir sie ja mal ansprechen könnten und ein paar Fragen für den Bericht stellen könnten. Z. B. wie sie angereist wären usw. Naja, kann man ja mal probieren. So sind der Sportliche, M und ich rübergelaufen. Nachdem wir freundlich grüßten, wussten die Jungs, die Gringos sind harmlos. Nach anfänglicher Skepsis wurden auf Englisch mehr schlecht als recht ein paar Fragen und Antworten ausgetauscht. Die teilweise verlebten Gestalten konnten zwar nicht richtig Englisch, aber wir verstanden, dass sie geflogen sind und sie um die 60 Barra-Leute wären. War jetzt kein großer Mehrwert. Was ich noch erwähnen wollte: Bevor wir unsere kleine Fragerunde starten konnten, schlich eine Gruppe Kriebl am Gästesektor entlang und als die Argentinier sie wahrnahmen, lösten sich logischerweise ein paar Gestalten aus dem Pulk am Gästeeingang. Die herumstehende Polizei erkannte diese selbstredend sofort und stellte sich entspannt dazwischen. Was für beide Seiten bedeutete, dass hier nichts weiter ging. Wir denken, für die Kriebl-Bande war das auch besser so. Die Barra-Leute hätten die wahrscheinlich aufgefressen. Wahrscheinlich waren die Rumschleicher dem örtlichen Verein Sport Boys und ihrer Barra brava „Popular Juventud Rosada“ zuzuordnen. Da vom temporären Gastgeber nur normale Fans angereist waren. Im Estadio Miguel Grau del Callao war nur die Haupttribüne für Zuschauer geöffnet. Die Gegengerade und beide Kurven waren gesperrt, was für das geringe Zuschaueraufkommen absolut ausreichend war. In der Kurve der eigentlichen Heim-Barra konnte man so die schönen, in Rosa-Schwarz gehaltenen Graffiti sehen. Irgendwie ein amüsanter Kontrast, die Stadt Callao mit ihren gefährlichen Ecken, vor allem hier in Flughafennähe und der örtliche Fußballclub dribbelt in Rosa auf. Viel gibt es über unser Spiel nicht zu berichten. Wir standen im Sektor der Alianza-Fans, welche wie eine Art Fanclub wirkten. Wenn wir die Hälse in Richtung Gästeblock reckten, konnten wir die so typischen Armbewegungen sehen, welche argentinische Hinchas beim Singen machen. Der Sportliche und Mutz-Junior konnten sich noch auf die mittleren Plätze der Haupttribüne mogeln und konnten so ein paar coole Fotos mit den Barra-Leuten von vor dem Spiel machen. Da hat sich die kleine Fragerunde ja doch gelohnt, da die Argentinier die beiden natürlich erkannten. Das Spiel endete unspektakulär 1:1.
(Der Kulturbeauftragte)
07.04.2026 Club Alianza Atlético Sullana – Club Atlético Tigre
Club Alianza Atlético Sullana Club Atlético Tigre
- 07.04.2026, 21:00 Uhr
- Callao, Estadio Miguel Grau del Callao
- CONMEBOL Sudamericana (Group A)
- 800
- 1:1
Statistik anzeigen
| Spiele zwischen diesen beiden Mannschaften bei Kopane.de | 1 |
|---|---|
| Anzahl Spiele Club Alianza Atlético Sullana | 1 |
| Anzahl Spiele 1. Männerteam Club Alianza Atlético Sullana | 1 |
| Anzahl Spiele 1. FC Mühlhausen 1927 e.V. | 3 |
| Anzahl Spiele 1. Männerteam 1. FC Mühlhausen 1927 e.V. | 3 |
| Einträge zum Estadio Miguel Grau del Callao in Callao bei Kopane.de: 1 | |
| Kapazität: 17.000 | Auslastung bei diesem Spiel: 5 % |
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Geschätzte Lesezeit ca. 9 Minuten
Blick vom Apartment-Hochhaus auf den District Barranco
erster Abend, erster Pisco
Distrikt Miraflores



