FC Rot-Weiß Erfurt e.V. – Greifswalder FC e.V.
Erfurt, Steigerwaldstadion
4. Liga (Regionalliga Nordost) – 6462 Zs. – 3:2
Statistik anzeigen
| Spiele zwischen diesen beiden Mannschaften bei Kopane.de | 1 |
| Anzahl Spiele FC Rot-Weiß Erfurt e.V. | 28 |
| Anzahl Spiele 1. Mannschaft FC Rot-Weiß Erfurt e.V. | 24 |
| Anzahl Spiele Greifswalder FC e.V. | 1 |
| Anzahl Spiele 1. Mannschaft Greifswalder FC e.V. | 1 |
| Einträge zum Steigerwaldstadion in Erfurt bei Kopane.de: 11 | |
| Kapazität: 21.000 | Auslastung bei diesem Spiel: 31% |
Klick um den Bericht zu sehen. Oder warte auf das nächste "Abhaun!" Vielleicht reichen dir ja auch erstmal die Bilder ;-)
Nach unserem Spiel gegen die Maggis und ich schreibe explizit nicht die Pressebezeichnung Elb-Clásico, starteten der stille Teilhaber, Serge und ich ins Bundesland ohne Prominente. Vor der Abfahrt ging es aber erstmal zum Chefredakteur goju. Grund, der Gute hatte noch einen Schwung Fanzines für mich rumliegen bzw. ich brachte ihn eine große Tüte Fanliteratur mit und weiter holte ich Briefumschläge für den Versand des neuen Abhaun #7 ab, die er noch von der Nummer 6 übrig hatte. Wir überlegten im Vorfeld, was wir an diesen sonnigen Sonntag unternehmen könnten und entschieden uns, nach dem Wunsch von Serge, für das Spiel beim FC Rot-Weiß Erfurt. Zwar nur gegen den Greifswalder FC, aber ich erinnere mich mal gelesen zu haben, dass man eine gute Kurve daran erkennt, wie sie sich bei vermeintlich uninteressanten Spielen präsentiert. Bei Highlight-Spielen kann jeder glänzen. Außerdem passte uns alles organisatorisch in den Kram. Greifswalder FC also, ein 2015 entstandener Club, ohne große Anhängerschaft. Der Verein ist so interessant wie Born Senf, sagt der Sachse und träumt vom Bautz‘ner. Der stille Teilhaber pries uns schon im Voraus, im Stadion die Boulette anstatt die Thüringer Roster an. Beides mit lokalen Moutarde d'Erfurt, also Born Senf. Was im Prinzip gut ist, aber am Bautz‘ner kommt in Fragen Mostrich keiner vorbei. Da der stille Teilhaber vor einiger Zeit, sich auf der Durchreise befindend, schon einmal im renovierten Steigerwaldstadion war, konnte er uns die Empfehlung an den Fressbuden geben. Mein letzter Besuch dagegen datiert aus dem Jahre 2017 zum Auswärtsspiel mit Dy. Bevor wir uns aber durch das Caterer-Angebot futtern durften, ging es noch schnell in die Stadt. Die Krämerbrücke und der Erfurter Dom wurden abgelaufen. Bei letztgenannten leider alles verbaut, da auf einer Open-Air-Bühne „La Bohème“ gespielt wurde. Der stille Teilhaber gut am Jammern. Wieder am Auto noch schnell zum Juri-Gagarin-Denkmal gefahren. Serge feiert ja sowas immer ab. Leider verwechselte ich die Lebenswerke von Sigmund Jähn und Juri Gagarin und war so minutenlang Spitzen meiner beiden Freunde ausgesetzt. Das schmerzte. Am Stadion lotste uns der stille Teilhaber erstmal an den falschen Eingang, obwohl er uns mantraartig hier alles im Voraus vor knusperte. Drinnen gute Plätze ergattert und das Spiel mit geilem Wetter angeschaut. Der Gästeblock mit 20 Leuten besetzt. Ein paar Zaunfahnen, aber keine schönen, waren drapiert und das mitgebrachte Megaphon wurde nur benutzt, um die eigenen Kicker mit der Sirene zu unterstützen bzw. zu nerven. Zwei Gäste-Spielerfrauen, welche eine Reihe vor uns saßen, vertrieben den Thüringer Bratwurst-Duft mit ihrem aufdringlichen Parfumgeruch. Wie mussten fast durch den Mund atmen. Ihnen war ihr eigenes Insta-Profil wichtiger, als die fußballerischen Darbietungen ihrer temporären Männer. Die Geschichte des höherklassigen Fussball in der Boddenstadt Greifswald ist ein Kuddelmuddel zwischen Umbenennungen, Konkurs und Fusion. Im Jahr 1912 gründete sich der erste reine Fußballverein der Stadt. Der Sportverein „Greif“ Greifswald von 1912. Von diesem Club erhielt 1926 der Greifswalder SC sein Gründungsjahr. Nach Gründung der DDR erließ die Obrigkeit den Beschluss, dass die meisten Sportgemeinschaften in Betriebssportgemeinschaften umgewandelt werden und ihnen jeweils ein Betrieb aus einem bestimmten Produktionsbereich als Trägerbetrieb zugewiesen werden soll. Es entstand die BSG Einheit Greifswald. Der Träger war somit die Stadtverwaltung, diese konnte aber den Verein 1968 nicht mehr finanziell unterstützen und so wechselte man zum Trägerbetrieb VEB Kombinat Kraftwerksanlagenbau, die BSG KernKraftwerk Nord Greifswald war geboren. Klasse, oder? Der Zusatz -Nord- wurde 1975 gestrichen. Nach der Wende ging die BSG in den wieder gegründeten Greifswalder SC auf. Insolvenz 2002, die Auflösung dann ein Jahr später. 2004 entschloss man sich zur Gründung eines neuen Großvereins, den Greifswalder SV 04. Mit dabei der SSV Grün-Schwarz Greifswald, der ESV/Empor Greifswald und der Greifswalder SV 98. Zur all dem Hickhack entschlossen sich Sponsoren 2010 den FC Pommern Greifswald zu gründen. Nach kurzer Hochphase, nur die Oberliga Nordost, war dieses Thema 2015 schon wieder Geschichte. Die Mitglieder traten nun den Greifswalder SV 04 bei und dieser nannte sich nun Greifswalder FC. Womit wir in diesen Wirrwarr in der Gegenwart angekommen sind. Ich kann der Greifswalder Fischkopp-Brigade, so der Name der Fangruppe, nur viel Spaß bei der Unterstützung ihres Vereins wünschen.
Rot-Weiß Erfurt erarbeitete sich hier in zeitweiser zweifachen Unterzahl einen Heimsieg und das Steigerwaldstadion dankte es ihnen mit Hingabe und Emotionen. Die Steigerwaldkurve mit ihrer Rot-Weißen Republik, den Erfordia Ultras, ihren Fanzine -Des Wahnsinns fette Beute- ihren sehr unterschiedlichen Freundschaften, den feinen Zaunfahnen-Bild und dem ewigen ringen um Thüringens Nummer eins strahlt schon was aus. Ich war wie schon geschrieben bei Rot-Weiß im Stadion bzw. verfolgte die Entwicklung als Außenstehender und so wie die EFU's es selbst im großen BFU-Interview schreiben, es hat sich im Steigerwald etwas getan.
Die älteste Freundschaft besteht zu Fans des Halleschen FC aus der Händelstadt. In der letzten Saison feierten Erfurt und Halle ihr 20-jähriges Jubiläum und auch heute waren wieder einige Schals und Nickis aus der Saalestadt erkennbar. Zwei weitere Freundschaften pflegen die EFU 96 noch. Eine zu den Italiener der US Massese, in der Toskana gelegen. Dieses Gamelaggio zu den Gruppen der Curva Alessandro Balloni hat auch schon über 10 Jahre bestand. Die jüngste besteht zu den Ultras Cruoninga, vom FC Groningen in den Niederlanden. Diese Kontakte und spätere Freundschaft entstand über das Spiel zu Ehren des alten Steigerwaldstadions 2014. Dafür wurde der FC Groningen eingeladen. Dies hat den Hintergrund, dass RWE sich in der Saison 1990/91 für den UEFA-Cup qualifizierte und dort in der ersten Runde gegen Groningen spielte. Die Groningen Fanatics waren dabei ebenfalls involviert und durch jahrelange Kontakte entstand letztendlich die Freundschaft. Auch als sich 2017 die GF auflösten und später die Ultras Cruoninga gründeten, blieben die Kontakte bestehen. Seit 2023 ist die Freundschaft nun offiziell. Finde ich interessant, als ostdeutsche Fanszene Freunde in den Niederlanden zu haben. Dass der FC Rot-Weiß Erfurt nach der 2018 gestellten Insolvenz, welche 2023 abgeschlossen werden konnte, hier und heute gegen den Greifswalder FC spielt bzw. spielen darf, ist schon ein Grund zu Freude. Egal ob Rivale oder nicht es wäre doch sehr traurig gewesen, wenn der RWE aus dem Vereinsregister gestrichen worden wäre. Denn diese Gefahr bestand. So war aber ein Neustart in der fünftklassigen Oberliga möglich und man konnte nach zwei Jahren den Aufstieg in die Regionalliga Nordost feiern. Die Rot-Weißen-Fans danken dies mit guten Zuschauerzahlen und einer vollen Steigerwaldkurve. Nach Abpfiff bestaunten wir noch kurz die klasse Flutlichtmasten und machten uns auf den Heimweg. Einig waren wir uns, dass der stille Teilhaber definitiv damit recht hatte, dass die Boulette wirklich top war!
(Der Kulturbeauftragte)



Krämerbrücke 


