Nach unserem Abenteuer in der Salzwüste kehrten wir in Uyuni noch zusammen mit dem deutschen Pärchen von der Tour in einem Schuppen ein, um auf Empfehlung unseres Guides Lama zu probieren. Sehr zart und schmackhaft, besser als das Meerschweinchen in Peru! Die Happy Hour wurde mit einer Hand voll Cocktails ebenfalls ausgenutzt, wir hatten nun schließlich eine 8-9 stündige Nachtfahrt zurück nach La Paz vor uns und wollten uns ins Land der Träume berauschen lassen. Das klappte nur so halb, die Strecke war sehr holprig und lässt einen nicht vernünftig pennen. Hinzu kommen Halte mitten in der Prärie, bei denen immer ein kleines Gewusel im Bus war, vor allem wieder in Oruro, dem Ort des gestrigen Spiels. Die Busfahrer grölten eine Stunde lang am Straßenrand, dass sie noch freie Plätze nach La Paz haben, bis der Bus letztlich voll war. Als wir dann in den frühen Morgenstunden im Verkehrschaos von El Alto die letzten Meter bis zum Busbahnhof zurücklegten, gab es noch ein Hupkonzert der Superlative. Erholsam geht anders, aber wir konnten gegen 8:30 in unserer Unterkunft einkehren und holten uns die verdiente Dusche ab. Ausruhen war dennoch kein Programmpunkt heute, Mutz Junior und ich hatten schließlich fast noch nichts von La Paz und seiner faszinierenden Umgebung erkundet. Deshalb steuerten wir mit dem Rest, der in La Paz geblieben ist, das Valle de las Animas an - Ein durchaus imposantes Naturschutzgebiet mit außergewöhnlichen Felsformationen. Die Fahrt war schon sehr steil nach oben, unser Fahrer musste sein rostiges Gefährt auf Hochtouren bringen, um uns bis zum Startpunkt zu bringen. Sein Unterboden hat zudem ordentlich gelitten, die letzten Meter ersparten wir dem guten Mann und marschierten zu Fuß los. Einen richtigen Wanderweg haben wir allerdings nicht ausfindig machen können, weshalb es mehr ein "Rein - Raus" war. Auf der Höhe fällt das Wandern auch nicht gerade leicht, trotzdem hat es gereicht, um ein paar coole Eindrücke zu sammeln. Mittags wurde ein Hähnchenrestaurant in der Umgebung aufgesucht, um nochmal Kräfte zu tanken, ehe sich unsere Gruppe wieder trennte. Ein Teil machte schon zur Unterkunft, während der Rest noch das Valle de la Luna ansteuerte, was zwar deutlich kleiner war, aber mit ähnlichen Gesteinen und vor allem einem roten Bergpanorama im Hintergrund punkten konnte. Es ist schon erstaunlich, man hat eine Großstadt mit knapp 750.000 Einwohnern auf fast 4.000 Metern Höhe, umgeben von Gebirgsketten, und nach einer Viertelstunde Fahrt ist man in angrenzenden Nationalparks.
Am Nachmittag in der Bude waren wir schließlich wieder alle beisammen, der Sportliche und der Rumtreiber waren auch von ihrer Wanderung wieder da. Ein letztes Spiel sollte es für uns heute Abend noch geben, also machte sich der Trupp zu Fuß durch diese verwinkelte Großstadt auf zu einer Kneipe in Stadionnähe, die die ältere Generation bereits am Vortag getestet hatte. Die Gerstenraketen wurden uns säulenweise an den Tisch geliefert, so kann man sich die Zeit bis zum Anpfiff natürlich auch vertreiben. Da wir schon Experten für südamerikanische Stadionbesuche waren, wussten wir auch, dass es in der Schüssel nichts außer Softdrinks geben wird, weshalb wir uns noch mit kleinen Seelenwärmern im Unterhosen-Format eindeckten, bevor es ins große Rund ging. Wir hatten einiges mehr als sonst erhofft, nachdem sich der Zuschauerandrang in Bolivien bisher eher mau gestaltet hat. Immerhin gute 7.000 Fußballbegeisterte fanden zu diesem Copa Spiel den Weg ins Stadion, allerdings nur auf der Heimseite. Der Gästeblock zählte lediglich ein paar wenige Hände voll mitgereister Anhänger aus Venezuela. Die Heimseite gab ein solides Zaunfahnenbild her, sowohl über als auch unter dem Ober- und Unterrang war kaum eine Lücke zu erkennen, selbst über der Anzeigetafel ragten zwei große Lappen mit den Abkürzungen für den Club Bolivar (CB 1925) sowie der Haupt Barra "La Vieja Escular" (LVE 2012), was auf deutsch so viel wie "Die alte Schule" bedeutet. Passend zum Anpfiff lieferte sie uns auch noch eine Blockfahne vom Vereinswappen, was mit einem ansehnlichen Feuerwerk hinter der Tribüne abgerundet wurde. Schönes Ding, kann los gehen!
So richtig ins Spiel fand die Heimseite allerdings erstmal nicht und vergab einige gute Chancen, weshalb man nach etwa einer halben Stunde vorerst in Rückstand geriet. Erst in Durchgang zwei nach einer glatt roten Karte für Guaira wachte Bolivar auf und traf kurz hintereinander gleich doppelt - Bedauerlicherweise war eines der beiden Tore Abseits, wodurch es nur beim 1:1 Unentschieden blieb. Alles in Allem konnte man sich den Kick gut anschauen, dazu kommt die durchgehende musikalische Begleitung der alten Schule im Hintergrund, die uns auch heute ab und zu mitwippen lies. Das einzig blöde: Unsere Vorräte an Spaßgetränken hielten sich nur bis kurz nach dem Anpfiff. Das ist in etwa vergleichbar mit der Situation, wenn man im Kino sein Popcorn schon zur Werbung vor dem Film vertilgt hat, da war die Gruppe mal wieder zu gierig. Auch der Versuch, die Ordner in der Halbzeit zu belöffeln, dass wir nur kurz etwas holen und wieder reinkommen möchten, scheiterte kläglich.
Nach Abpfiff kehrten wir gemütlich zur Unterkunft zurück, als wir nichtsahnend an einem Typen vorbeiliefen, der sich einfach mal entspannt auf dem Gehweg die Hosen runterzog und die Nougatschleuse öffnete. Einfach einen auf die Straße gefeuert, was es nicht alles gibt... Ein interessanter letzter Eindruck für den Abschluss-Tag in Bolivien!
Wir waren uns alle einig, dass uns das Land definitiv gefallen hat. Zum Teil atemberaubende Natur, ein wuseliges Treiben in den Straßen von La Paz und El Alto, gutes Essen (wenn auch nicht immer förderlich für die Darmgesundheit), verrückte Bus- und Autofahrten sowie herzliche Menschen holten uns hier besonders ab! Auch wenn die Zeit kurz war, haben wir das Beste rausgeholt und konnten somit am nächsten Morgen zufrieden zurück nach Peru fliegen.
(Der Jungspund)










