Nach dem Ausschlafen wurden die Reste der letzten Nacht aufgeräumt und ein wenig geputzt. Bevor es die 2 Stunden in Richtung Sanddünen von Huacachina ging, las ich mit Kaffee auf der Dachterrasse ein wenig Fanzines und genoss den ruhigen Vormittag. Ich übernahm das Steuer und wenn man sich nach ein paar Minuten an die Fahrweise der Einheimischen gewöhnt hatte, machte es auch Spaß im Verkehr mitzuschwimmen. So richtig wussten wir nicht, was wir von der heutigen Nachmittagsveranstaltung halten sollten. Skifahren in der Wüste. In unseren Reihen hatten wir alles dabei erfahrene Wintersportler, wie den Südbrandenburger, Mutz-Junior und den Sportlichen. Aber auch absolute Nichtskönner, wie ich einer bin. Der Jungspund und M waren ebenfalls wahre Rookies. Der stille Teilhaber hat es gleich bleiben gelassen und bediente lieber die Handykamera, anstatt sich wie wir im Sand zu kieseln. Am Büro des Veranstalters angekommen, wurde schnell klar, eine absolute Touri-Zone erwartete uns. Aber unsere Reisegruppe ist bekannt dafür, damit umzugehen und sich ihre eigenen Highlights zu setzen. Haben wir auch wieder hinbekommen. Die Dünen um die Oase Huacachina sind ein Teil der Ica-Wüste, welche ein Ausläufer der Atacama Wüste sind. Sie verläuft entlang der Pazifikküste. Die Atacama-Wüste ist eine der trockensten Wüstenlandschaften der Welt. Es gibt Abschnitte, an denen jahrzehntelang kein Regen fällt. Unsere Tour startete mit einer Buggy-Fahrt, bei welcher uns der Fahrer doch einige Lacher bescherte. Der bretterte übelst durch die hohen Dünen. Den Anfängern unter uns wurde empfohlen, lieber mit dem Board zu fahren und nicht mit dem Ski. Nach dem ersten Herantasten an einer kleineren Düne, ging es nach der Abfahrt zum nächsten Sandhügel. Und da ging es wirklich gut nach oben und dementsprechend auch wieder gut nach unten. Ich behaupte aber mal über mich selbst, dass ich nicht die schlechteste Figur abgegeben habe. Ein wahrer „Lord Of The Board“. Ok, ok nur einmal fiel ich wie ein Brett um, kieselte mich mehrmals und lag mit dem Gesicht im Wüstensand. Unser Guide musste selbst lachen. Herrlich. Ich konnte mir noch Tage später den feinen Sand aus den Ohren pulen. Den Sonnenuntergang nahmen wir noch mit einem Fotoshooting hoch oben auf einer Düne mit, bevor es kaputt, aber zufrieden zurück zum Haus am Strand ging. Der stille Teilhaber warf den Grill noch einmal an. Und man hockte wieder zusammen auf der Dachterrasse. Doch nach ein paar Bierchen und ein, zwei Pisco war Ruhe im Haus. Der letzte Tag in Wakama startete für uns, mit dem 2:0-Sieg von Dy gegen die Castroper Straße. Zeitverschiebung und so. Als ich um 8:00 Uhr aufstand, fragte mich der stille Teilhaber von oben aus dem Doppelstockbett, zuerst nach der Uhrzeit und dann, wie es bei unserer SGD steht. Nach meiner Antwort hörte ich einen zufriedenen Seufzer. Frühstück, nochmal in den Pazifik springen, aufräumen und Abfahrt nach Lima. Die Parkplatzsuche gestaltete sich ein wenig zeitintensiv. De facto gab es im Zentrum, wir hatten unser Apartment am schönen „Plaza de Armas“, keine öffentlichen bzw. bezahlbaren Parkplätze. So griffen wir auf einen privaten Anbieter zurück, bei welchem wir auf den Hof fuhren und unser Auto bis zur Abreise parkten. Das Ganze ist nicht wirklich preiswert, aber bei uns geht dies zum Glück immer durch sieben Leute. Also mit Sack und Pack noch gut 20 Minuten zur Unterkunft gelaufen und gestaunt, was wir dort für einen grandiosen Ausblick auf den historischen Platz hatten. Der „Plaza de Armas“ ist der Ort, an dem Francisco Pizarro, derjenige welcher auch die Inkas ausrottete, Lima gründete. Auch wurde hier 1821 die Unabhängigkeit Perus ausgerufen. Der Blickfang ist die schöne und große „Catedral Basílica de Lima“ mit ihren zwei imposanten Zwillingstürmen. Wie gesagt, Francisco Pizarro gründete Lima am 18. Januar 1535 und er hat auch den Grundstein für den Bau dieses Gotteshauses gelegt. Seine Gebeine ruhen auf dem Gelände in einer Kapelle. Weiter befindet sich am Platz der prächtige Sitz der peruanischen Regierung, der „Palacio de Gobierno“. Auffällig sind die vielen und an jeder Kreuzung präparierten Straßensperren und Polizisten. Diese können ruckzuck weitläufig das komplette Regierungsviertel absperren. Überall stehen schwer bewaffnete Polizei- und Militäreinheiten herum. Man möchte so politische Demonstrationen daran hindern, an den Regierungspalast und den Kongress zu gelangen. Diese Proteste sind nicht selten. Durch politische Spannungen (wie den Nachwirkungen der Präsidentschaftswahlen, diese waren am 12.04.2026, wir befanden uns da gerade in Bolivien), Proteste gegen Kriminalität oder soziale Ungleichheiten kommt es oft im gesamten Stadtzentrum zu Kundgebungen und Demonstrationen. Bei unserem Aufenthalt war aber Ruhe. Wäre auch ungünstig gewesen, da das Zentrum teilweise tagelang abgeriegelt wird. Der schöne Springbrunnen „Pileta de la Plaza Mayor“ entstand im Jahre 1650 und ist bestimmt auf vielen Fotos der rund 3 Millionen Touristen, welche jährlich nach Lima kommen, enthalten. Wir sind dementsprechend auch ein Teil dieser Statistik. Leider war die „Basílica y Convento de San Francisco“ in der Nähe des „Plaza de Armas“ mit Bauzäunen verbaut. Man erkannte zwar, dass es sich um ein sehr schönes Gebäude handelt, ein Rankommen war jedoch nicht möglich. Fertiggestellt 1672 umfasst die Anlage eine Kirche, ein Kloster, zwei Kapellen und Katakomben. Man geht davon aus, dass in ihnen vermutlich 70.000 Menschen bestattet sind.
Wir liefen dann die 45 Minuten zum Estadio Alejandro Villanueva. Auf den Straßen war ganz schön Wuling. Die Straßenhändler boten Nützliches und augenscheinlich Nutzloses an. Viele Imbisse oder Streetfood-Stände gab es und die Menschenmassen in Verbindung mit dem dichten Verkehr ließen uns nicht zügig vorankommen. Doch wir hatten keinen Zeitdruck. Tickets mussten zwar noch organisiert werden, aber alles ohne Stress. Alianza Lima ist neben Universitario de Deportes und mit etwas Abstand Sporting Cristal der beliebteste Verein in Peru. Alianza ist einer der ältesten Clubs des Landes und spielt ununterbrochen in der höchsten peruanischen Liga. Man beansprucht für sich als einziger Verein in Peru, viermal hintereinander Meister, ein Tetracampeón, geworden zu sein (1931, 1932, 1933 und 1934). Zu dem Thema hing auch eine Zaunfahne an der Haupttribüne. „Vino, el tetracampeón es el Alianza puro corazón“. Jugendliche der Arbeiterklasse gründeten 1901 den Club. Der Verein entstand im Barrio „La Victoria“. Dieser Stadtteil hat einen großen Stellenwert für den Club und die Fans. Hier hat er seine Wurzeln und seine Identität ist tief im Viertel verwurzelt. Die Barra Brava ist das „Comando Svr“. Eine Untergruppe ist die „Todas Las Sangres 1901“. Sie ist verantwortlich für viele Graffiti am und um das „Matute“, so der Spitzname des „Estadio Alejandro Villanueva“. Leider konnten wir am Spieltag, da es ein Abendspiel war, nicht viel davon wahrnehmen. Tagsüber und mit etwas mehr Zeit, wirkt es bestimmt spannend. Kurz hatten wir etwas Kribbeln auf unserem Fußweg zum Estadio. Wir waren im Viertel „La Victoria“ schon durch ein paar dunkle Gassen gelaufen und kamen an einer Sede von Alianza-Hinchas vorbei. Die verlebten Gestalten, welche davorstanden, riefen uns auch etwas entgegen, doch wir sind zügig weiter Richtung Hauptstraße. Es wurde sich nun um die Entradas gekümmert. Richtige Kassenhäuschen fanden wir nicht und irgendwelche Ordner konnten uns auch nicht weiterhelfen. Da wir natürlich wie bunte Hunde auffielen, wurden wir von diversen Schwarzmarkthändlerinnen angequatscht. Wir sondierten erstmal die Lage, denn zu viel wollten wir natürlich auch nicht bezahlen. So langsam kamen dann die Schwarzmarkthändlerinnen untereinander ins Gerede und motzten sich irgendwann an. Nach einer Weile hatten wir alle Karten organisiert. Die Prozedur dahinter war aber interessant. So mussten erstmal die Tickets bezahlt werden. So weit, so normal. Dann tippte die Frau unsere persönlichen Daten in ihr Handy ein, brauchte nun unsere Handynummer und schickte uns dann die Eintrittskarten per WhatsApp. Vamos Datenschutz. Egal, rein in die gute Stube. Wir standen auf der Gegengerade. Das „Comando Svr“ links von uns. Der Gästeblock rechts. Gefüllt war er jedoch mit Alianza-Fans. Anhänger aus Cusco konnten nicht ausgemacht werden. Wir gönnten uns zu Beginn des Spieles einen Hamburger, bei welchem es obendrauf noch eine Chorizo gab. Geile Kombination. Zum Intro gab es im Innenraum eine offizielle Pyro-Show. Blauer Rauch vor den Hintertortribünen und emporsteigende Flammen vor unserer Gegengerade. Jeder Nadelstreifenanzugsträger würde sich so einen Nonsens wohl für Deutschland wünschen. Nach 15 Minuten nahm das Torfestival seinen Lauf. An dessen Ende Alianza Cusco mal geschmeidig mit 8:0 abgefrühstückt hat. Das war natürlich stimmungsfördernd und die Alianza-Fans wurden ihrem guten Ruf gerecht. Wie erwähnt, wird die Fanszene vom “Comando Svr” geführt. Das Comando wurde 1972 unter dem Namen “Barra Aliancista” gegründet und erhielt seinen heutigen Namen 1986. Das “Comando Svr” ist ein Konglomerat, das aus etwa 50 Gruppen besteht. Das Netzwerk setzt sich aus historischen Gruppierungen und regionalen Gruppen zusammen (intern „Fraktionen“ oder „Cones“ (auf Deutsch Kegel) genannt). Das “Comando Svr” heißt eigentlich Comando Sur. Doch die Fans von Alianza vermeiden die Verwendung des Buchstabens U. Ein rotes U bildet nämlich das Wappen des großen Rivalen Universitario. Das Derby, das größte Spiel des Landes, nennt sich „Clásico de los Clásicos“. Ich schreib ja gerne über Freundschaften der Fanszenen, die ich sehe und hier bei Alianza gibt es eine, wenn auch einem traurigen Umstand geschuldet, welche wieder interessant daherkommt. Die Blau-Weißen sind verbunden mit den Fans des chilenischen Vereins Colo-Colo. Der traurige Ursprung rührt daher, dass 1987 das Alianza-Team, welches sich mit dem Flugzeug auf der Rückreise des Auswärtsspiels bei Deportivo Pucallpa befand, kurz vor Lima abstürzte. Das gesamte Team verlor dabei sein Leben. Der Verein aus Santiago half Alianza damals mit Leihspielern aus und die Freundschaft zwischen den Clubs und Fans nahm ihren Lauf. Es heißt, es wäre die berühmteste Fanfreundschaft Lateinamerikas. Die Tribuna Svr war interessant zu beobachten. Vorn, mittig hing die Gruppenfahne “COMANDO SVR”. An ihren Rändern befanden sich das Clubwappen und Túpac Amaru der II. Er war ein indigener Anführer der Inkas und führte den größten antikolonialen Aufstand des 18. Jahrhunderts gegen die Konquistadoren. Er wurde 1781 in Cusco brutal hingerichtet. Links hing die Zaunfahne “LA BARRA DE ALIANZA LIMA”. Zaunfahnen werden übrigens Trapos (auf Deutsch wörtlich: Lappen oder Tücher) genannt. Komplettiert wird das Ganze mit “LA HISTORIA SOMOS NOSOTROS” - Wir sind die Geschichte. Wenn man die drei Fahnen von links nach rechts liest, bemerkt der aufmerksame Betrachter, dass die Reihenfolge bewusst gewählt wurde. Ich überlasse es euch, kurz darüber nachzudenken. Oben an der Balustrade hing oder es war an die Mauer gemalt, ich konnte es nicht richtig erkennen “CONO OESTE – CONO SVR – CONO ESTE – COMANDO SVR“ unterbrochen von “LA VICTORIA” und weiter “CONO NORTE – ZONA CENTRO” Ein absolut stimmiges Bild. In der ersten Reihe standen auch keine Frauen. Ok, es standen dort auch keine männlichen Fans. Dafür waren dort Cops mit Helm und Schild und gingen den Hinchas auf die Ketten. Die Hunde müssen auch in der Halbzeit mit Tränengas hantiert haben. Da auf einmal Bewegung im Block zu erkennen war. Die Leute wedelten auch mit ihren Nickis und hinter unserer Gegengerade kamen immer mehr Fans angerannt, um entweder frische Luft zu bekommen oder sich die Augen auszuspülen. Auch bei uns spürte man kurz darauf ein Brennen. Mit einem Schal, wie wir ihn kennen, rennt hier natürlich keiner rum. Die Fans auf der Tribuna Svr hielten aber oft große und breite Stofftücher nach oben. Auf einigen konnte ich exemplarisch erkennen: “San Lvis Grone” - San Luis Gruppe”. San Luis ist ein Nachbarstadtteil von „La Victoria“. Oder “ADN blanqviazvl - blau-weiße DNA und weiter “Distintos barrios vn solo sentimiento” - Verschiedene Viertel, ein einziges Gefühl. “Ventanilla” - Ventanilla Cono Norte ist eine Sektion aus den Gebieten um Callao. „LOS INKIETHOS“ leitet sich vom spanischen Wort „Los Inquietos“ ab, was man mit die Unruhigen oder die Unermüdlichen übersetzen kann. Auch konnte man bei den Hinchas, da sie oft mit dem Rücken zum Spielfeld standen, auf den Nickis erkennen, welcher Gruppierung sie angehören. Ein schlichtes “CONO ESTE - COMANDO SVR” mit stylischem Totenkopf, “32 anos expansion” oder „LA FALSA SAN BORJA“ - DAS FALSCHE SAN BORJA, sowie den Text „SI LA MVERTE NOS SEPARA DE ESTOS COLORES” - Wenn der Tod uns von diesen Farben trennt. San Borja ist einer der 43 Stadtbezirke der Provinz Lima. Das Prinzip ist erkennbar. Alle formieren sich unter dem “Comando SVR” und auf Gruppen-Klamotten wird die eigene Herkunft zur Schau gestellt. Am 3. April 2026, also kurz vor unserer Reise, war im Estadio Alejandro Villanueva eine sogenannte „Banderazo“ (Fahnen-Aktion). Diese wurden durchgeführt, da am nächsten Tag das „Clásico de los Clásicos“ bei Universitario stattfand. Gästefans sind dabei leider nicht erlaubt. So veranstaltete die Fanszene von Alianza ein gemeinsames Einsingen und Einstimmen im Heimstadion. Der Eintritt dazu war gratis und als die Tore geöffnet wurden, gab es einen unkontrollierten Massenansturm. Bei den mehrere Fans im Gedränge stürzten. Es gab fast 50 Verletzte und leider starb der Fan Freddy Rony Cornetero. Kurz nach der Tragödie waren Meldungen im Umlauf, dass im Estadio Alejandro Villanueva eine Mauer einstürzte und es deshalb zu dem Unglück kam. Dies bestätigte sich aber nicht. Während unseres Spiels konnte ich durch meine Bilder erkennen, dass eine kleine Fahne im mittleren Bereich des Fanblocks mit dem Konterfei von dem Verstorbenen hochgehalten wurde. “Rony Cornetero - Jamás te olvidaremos“ - Wir werden dich nie vergessen. Wir hatten unsere Plätze auf der Tribuna Oriente. Seit dem 06. März 1999 steht dort die “Los de Oriente”. Die LDO steht für eine familienfreundlichere Fankultur und war bei unserem Spiel 90 Minuten am Machen. Die zweite Hälfte schauten wir temporär an verschiedenen Stellen im Stadion. Der Sportliche und ich kamen dabei mit einem jungen Alianza-Ehepaar ins Gespräch. So wurden noch einige gegenseitige Fotos gemacht und sich mit ihnen über das 8:0 gefreut. Zum Abpfiff trafen wir uns alle im eigentlichen Gästeblock wieder. Danach liefen wir die 45 Minuten zurück ins Zentrum. Die Straßen waren noch voller Leute und es lagen Unmengen an Müll von den Verkaufsständen, welche wir auf dem Hinweg sahen, herum. Im Zentrum gab es noch in einer kleinen Bar ein Abschlussgetränk, um letztendlich zufrieden mit dem Gesehenen ins Apartment zu gehen.
(Der Kulturbeauftragte)


