19.12.2007 Petrojet Suez – Zamalek Club

19.12.2007, 14:30 Uhr
Petrojet Suez – Zamalek Club
Suez, As Suawys Stadium
1. Liga – 12.000 Zs. – 1:0

Eine Busfahrt nach Suez (ca. 120 Kilometer von Kairo entfernt) kostete uns pro Person 8 Pfund und 50 Piaster. 10 Uhr war Abfahrt und 11:45 Ankunft in Suez. Der Busfahrer verwandelte dann den Überlandbus in ein wahres Geschoss. Wenn die Autos auf der linken Spur zu langsam waren wurden sie halt rechts überholt. Einmal kurz anhupen und vorbei. Bei der Anfahrt auf Suez fiel sofort das Neubaugebiet rechts der Straße auf, welches komplett neu war, aber total unbewohnt. Daneben die alten Häuser komplett gefüllt. Vielleicht ist das Neubaugebiet auch für den Fall, das es Israel mal wieder hackt und halt die Stadt nach 1967 und 1973 ein Drittes mal zerbombt. Was sagt der Reiseführer zu Suez: „Suez. Eine Stadt, die zweimal zerbombt und wieder aufgebaut wurde. Infolge dessen hat sie aber nichts zu bieten. Ihre Bewohner sind freundlich und hilfsbereit und versuchen dem Besucher den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Daran ändern, dass diese Stadt aber nichts zu bieten hat, können sie auch nichts.“

Ja, und diese Stadt hat wirklich nicht zu bieten. Nicht mal den Autoverkehr, wie er in Kairo oder Alex an der Tagesordnung war.

Circa 500.000 Menschen sollen hier leben. Merken tut man das nicht. Hier sieht alles wie ausgestorben aus. Und auch wieder gilt: „Das ist ein Ort, an dem uns Mubarak nicht haben möchte.“ Was eine Einöde. Am Stadion angekommen bewegten wir uns erst mal zur HT. An einer Absperrung mussten wir allerdings stehen bleiben und erklärten dem Polizisten unser anliegen des Kartenerwerbes. Dieser musste erst einmal bei seinen Vorgesetzten nachfragen und horchte uns dann ein bisschen aus. Woher? Lieblingsklub? Ob wir ägyptische Spieler kennen? Warum wir keine Bayern-Fans sind? Das übliche halt. Aber er kennt Dynamo. Oder besser gesagt Dinamo Bukarest. Kurze Zeit später kam ein andere Cop und sagte, dass er uns in seinem Auto mitnimmt. Wir drei müssen auf der Rückbank des Zivilgefährtes Platz nehmen.

Der Cop setzte sich ans Steuer und neben ihn ein in zivilen Sachen gehüllter, dafür aber dicke Wumme tragender. Ja toll, wollen die uns jetzt ausrauben, oder was? Der Cop tritt aufs Gaspedal, lässt den Motor aufheulen. Fährt mit ca. 4000 Umdrehungen ungefähr 250 m ums Stadion vor den Eingang des Gästeblockes und bat uns auszusteigen. Nun kommt es ganz hart. Ein kleines Kind, im Zamalek-Trikot, wurde angewiesen uns zum Kartenverkäufer zu bringen. Dies tat, wie ihm befohlen. Der Kartenverkäufer forderte von jedem 10 Pfund ein und schon waren wir im Besitz von Gästeblockkarten. Danach dann kurz zum „Golf von Suez“ gegangen und dann noch mal in die Innenstadt begeben. Denn der fuxx verspürte Hunger auf Fleisch. Das Restaurant in Stadionnähe lehnte er noch ab. Aber nach dem in der Stadt keine Brutzelbude gefunden wurde, fanden wir uns dann doch im Restaurant wieder. Hier wurde dann für unglaubliche 22€ für drei Personen gespeist. War aber lecker. 15 Minuten vor Anpfiff dann die 250 Meter zum Gästeblock gegangen und gesehen, dass Massen an Menschen davor standen. Also an der Schlange vorbei nach vorn zu den Polizisten und Kartenabreißern, welche uns dann vor allen anderen Wartenden ins Stadion ließen. Danke. Der Kampf ums unversehrte Ticket wurde natürlich wieder verloren, aber wenigsten konnte man die zweigeteilte Eintrittskarte behalten. Das Stadion in Suez ist ein Duplikat des Arab Constructors Stadion. Nur eine Nummer kleiner. Und einen netten Blick auf den Golf und den Hafen hat man von ganz oben aus den Blöcken. Support von beiden Seiten okay, aber nichts besonders. Aufgefallen sind bei Petrojet noch die vielen Ahly-Trikots und eine Art Petrojet – Al-Ahly –Freundschaftsfahne. Das Spiel gewann Suez mit nur 10 Mann durch einen Sonntagschuss aus 25 Metern ins Dreiangel. Nach Spielende dann Blocksperre am Ausgang und alle Blicke fielen auf uns. Viele Menschen redeten auf uns ein. Der fuxx wurde gar auf Russisch gefragt, ob er Russe sei. Binnen Minuten wurden wir die Attraktion des Tages. Immer wieder „Hello“ und „Welcome to Egypt“. Dann wurden wir gefragt, ob wir Zamalek-Fans seien und die anderen schon bekannten Fragen wurden auch noch gestellt. Was die Leute aber teilweise für ein leuchten im Auge hatten, weil mal ein Ausländer vor ihnen stand, kann man nur schwer erklären. Auf der Straße nach Öffnung der Tore dann das gleiche Bild. Viele guckten nur ungläubig. Andere werden sicher zu Hause erzählt haben, das Fremde in Suez zu Gast waren. Teilweise ist diese Gastfreundschaft schon peinlich, weil man nicht weis wie man ihr entgegnen soll. Soviel Interesse an meiner Person, war mir mehr als unheimlich.

Dann mit Minibus wieder raus aus der Stadt zum Busbahnhof. Dort wollten wir eigentlich wieder den Überlandbus gen Kairo nehmen, doch war der schon abgefahren und der nächste fuhr erst eine Stunde später. Folglich wurde der benachbarte Minibusbahnhof aufgesucht. Mit dem Minibus erreichte man dann knapp eine Stunde später Kairo zur besten Abendbrotzeit. Nach dem Essen dann noch mal ins Internet beim Hany. 1 Stunde für 2 Pfund ist mehr als fair. Und was ließt man da so? Der Trainer von Alex wurde nach der gestrigen Niederlage entlassen.

20.12.2007

Gegen 10 Uhr wurde an diesem fußballfreien Tag das Bett verlassen. Dann sollte es eigentlich mit den Kulturpunkten weitergehen, da es aber regnete, wurde wieder dem Hany in seiner I-Net-Bude Gesellschaft geleistet. Nach Ende des Regens dann Stadtrundgang, was da hieß: ein Querschnitt vieler Stadtteile; Cittadelle; koptisches Viertel; etwas Totenstadt; Cairo-Land (Vergnügungspark) und viele Moscheen. Nähe des ägyptischen Museum zählte ich mal aus Langeweile die Spuren einer Fahrtrichtung. Gezählt wurden 4 Spuren, aber 8 Reihen Autos. Fetzt. Am Abend wieder auf unsere Lieblingseinkaufsstraße begeben, war hier mehr los als normal. Selbst Polizisten regelten den Verkehr und an bestimmten Stellen standen Absperrgitter. Diese Stellen waren dann Kinos. Und der Grund für den Andrang war ein Film der gerade anlief und somit einen waren Ansturm auslöste. Hab ich in Deutschland auch noch nicht gesehen so einen Andrang. Zumal das die nächsten Tage nicht weniger wurde. Ist eben eine 15 Millionen Stadt

 


21.12.2007

Was bei uns der Sonntag, ist in islamischen Ländern der Freitag.

Zum Tagesbeginn eine kleine Nilbootsfahrt eingelegt und noch mal ins Koptische Viertel mit der U-Bahn gefahren. Die koptische Kirche ist eine christlich altorientalische Kirche in Ägypten.

Mit der griechischen Fahne wird sich hier anscheinend aus dem Grund geschmückt, da die Kopten auch das griechische Alphabet bei Bibellesungen, Predigt und Gebet benutzen.

Schöne Kirche und mal richtig schöne Gräber (sehen alle so aus, als währen die Särge über der Erde platziert wurden; oder kleinen Mausoleen nachempfunden).

Eine Familie will auch gleich wieder ihre Nudeln mit uns teilen. Dann noch eine Weile durch das Viertel gelaufen, unzählige Kirchen angeschaut und mal diese ruhige Ecke von Kairo genossen.

Das nächste Ziel war dann das islamische Viertel, wo als erstes der Goldbazar (richtig sauber; gepflegt) besucht wurde, welcher von Touristen nur so überlaufen ist. All möglicher Ramsch und Tand wird angeboten, gekauft haben wir letztendlich aber nichts. Dann ging es über die Straße zu einem anderen Bazar (eher für Einheimische) und siehe da: Dreck und keine Touristen. Eben das wahre Kairo. In diesem Viertel besuchten dann der scooby und ich noch die „Rote Moschee“. Was mir da besonders gefiel, war der große Innenhof und die nüchterne Bauweise. Nicht soviel Glanz und Schmuck und überladen an irgendwelchen Ikonen wie in christlichen Kirchen. Alle schön einfach gehalten. Und wie wir da so stehen, beginnt plötzlich der Muezzin zum Gebet zu rufen. War auch mal interessant so einen „Schreihals“ nicht nur durch die Lautsprecher zu hören, sonder es mal live zu sehen wie das da so abläuft.
Abends dann abermals zum Hany. Fuxx schnappt nach Luft, da muss doch schon wieder was sein. Sein grinsen wird größer

und dann plätschert es aus ihm heraus: „Laut den Ansetzungen soll morgen 14:30 Al Jaish ein Heimspiel haben. Müssen wir morgen gleich noch zum Verband und das abchecken.“

Ahoj, du hast das Wort.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.