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20.04.2019, 15:00 Uhr
ESV Forst 1990 e.V. – SV Adler Klinge e.V.
Forst (Lausitz), Stadion am Wasserturm
Kreisliga Niederlausitz – 130 Zs. (ca. 2/3 Gäste) – 2:1

„Tritt einfach mal fest auf und dann geht das wieder mit deinem Fuß!” – fester Tritt – „Alter, ich sterbe! ICH STERBE!!eins11!!!” „Du hattest deine Chance!”

Bevor es jetzt aber weiter im Text geht, muss ich erst mal zum wichtigsten Punkt des Tages kommen. Beavis listen! Der Tag erforderte es einfach:

Nicht die übliche Truppe machte sich heute auf den Weg, so dass endlich mal neue Themen auf dem Plan standen. Auswertungen von vergangen Touren und Ausflügen, Bierkonsum („Ich hatte ne perfekte Woche geschafft. Jeden Tag ein Bier!” „Aha.” „Wie heißt das bei dir?” „Woche.”), die eino der andere Nachbarin samt Nachbarn aka „Debil Tag und Nacht” und was weiß ihc noch. Zum Glück hatte ich irgendwann die Kamera im Videomodus mitlaufen. Zwar nichts für die akutelle Öffentlichkeit. Aber die Nachwelt wird uns eines Tages verstehen.

Joar...und dann standen wir auf einmal in Forst in der Lausitz. Über 18.000 Menschen sollen hier noch leben. Merken taten wir das nicht wirklich. Denn die Stadt wirkte wie ausgestorbe.. Komischerweise sahen wir aber Menschen in Dortmund-Fan-Utensilien. Da wohnen Menschen als oin der einen Stdat mit nichts und werden Fan von einem Verein aus einer anderen Stadt mit nichts dazu. Da scheint die Integration dann wohl zu klappen. Wobei ich meine, wenn die Forster mal nach Dortmund kommen, schlagen sie ihre Häned über den Kopf zusammen und fragen sich, wo sie denn nun gelandet sind: „Ey Czimczik, komma bei mich bei und hö ma gehts: Dortmund, dat is nich dat Perle unter die Städte.” Denn das ist immer noch Wanne-Eickel!

Um uns aber ein Bild von dieser Stadt zu machen, pilgerten wir ein wenig herum. Und versackten letztendlich bie Bier und Wasser in einem Hinterhofbiergarten. Ich als alter Balkonflorist hätte mir auch gern den über die Landesgrenzen hinaus bekannten (wirklich?) Ostdeutschen Rosengarten mit seinen 800 Rosenarten aus dem Jahre 1913 angeschaut. Nicht. Auch schauten wir uns nicht die religösen Gebäude bzw. die Denkmäler an. Da kräht der Svenko immer nach Kultur und dann schafft er es nicht mal, sich für das Brandenburgische Textilmuseum Forst aufzuraffen und füttert lieber weiter seine Blautze mit Kalorien. Dabei verliert der Mensch mit Ü40 doch jedes Jahr 8% seiner Muskelmasse. Kein Wunder, dass Männer mit dem Alter teilweise so aus dem Leim gehen. Die Kalorienzufuhr bleibt gleich, aber der Umsatz dessen verringert sich. Da muss er irgendwann wohl mal mit Nordic-Walking-Stöcken vor einem Heimspiel durch den Großen Garten spazieren/humpeln/kriechen.

Der große und weltbekannte ESV Forst e.V. (aktuell besitzt dieser nur eine Herrenmannschaft) empfing zum ersten Endspiel bis Saisonende die Gäste aus dem neun Kilometer entfernten Klinge. Endspiel deswegen, weil die Forster aktuell auf dem letzten Tabellenplatz stehen und ein Abstieg in die 11. Liga sehr nahe ist. Findige Füchse haben aber natürlich das Endergebnis des Spieles bereits gesehen und wissen nun, dass in der Tabelle zu den Nichtabstiegsplätzen aufgeschlossen wurde. Dennoch bleibt die rote Laterne erhalten.

In der ersten Halbzeit bot das Spiel auf ein paar Konflikte. Vom Anspucken über rabiates Einsteigen bis zur Rudelbildung war alles dabei. Dies kaschierte zwar nicht diesen Antifußball, aber was wollen wir in der 10. Liga auch anderes erwarten. Der Star war eh das Stadion, welches 1921 eröffnet wurde. In der Saison 1924/25 kam es hier zum Achtelfinale der deutschen Meisterschaft vor 7.000 Zuschauern zwischen dem FC Viktoria Forst und Schwarz-Weiß Essen. Auch ein Dresdner Verein durfte hier schon auflaufen. Im Jahr 1934 kam der Dresdner Sportclub zu einem Freundschaftsspiel gegen eine Kreisauswahl hier her und gewann mit 7:1 Toren vor 4.000 Zuschauern. Der absolute Rekord liegt aber bei 14.000 Zuschauern zum Finale der Landesklasse Brandenburg in der Saison 1947/48 zwischen der SG Cottbus-Ost und der SG Babelsberg. Zuschauerzahlen, von welchen heutzutage in Forst geträumt werden. Denn von den 130 Zuschauern an diesem Tag waren gut 2/3 aus Klinge. Auch der Schankwirt quittierte die Zuschauerzahl mit „Ich habe heute schon mehr Bier vor dem Spiel verkauft, als zu einem anderen Heimspiel das ganze Spiel über.” Wer sich hier ordnetlich abschießen will, kann neben Potsdamer (Fassbrause mit Bier) und Bier an sich auch zum Schnaps greifen. Scheinbar wird das hier aber auch benötigt. Anders wird es wohl in Forst kaum auszuhalten sein. Da ist es auch kein Wunder, dass mir erst ein Schnaps und danach ein Joint angeboten wird. Nach dem Verweis auf mein drogenfreies Leben und der damit einhergenden Ablehnung ging dann überraschender Weise der Daumen der Beteiligten nach oben. Scheinbar würden die auch gern, aber schaffen es nicht den Teufel Alkohol, Kifferei und sonstige Drogen aus ihren Leben zu verbannen. Da ist die Borussia aus Dortmund wohl die einzige Identifikationsfigur, welche ein wenig vom großen Erfolg abgibt und ein wenig Sonnenschein ins Leben zaubert. Vielleicht braucht der ESV Forst aber auch nur den hier geborenen René Rydlewicz, damit es mal nach oben geht. Beim BFC Dynamo läuft es ja nicht so gut.

Die Rückfahrt via Cottbus bot auch wenig erheiterndes. Verlorene Städte halt. Da muss sich das Programm im Zug schon selber zusammengestellt und alle Mitreisenden unterhalten werden. Ich erinner noch ein Mal daran: Ich habe die Beweise auf Video! Ihr Säue! So groß wie ein Unterarm? Nunu, nunu, erzähl mehr.

Ein durchaus positiver Tag. Bis auf den Minuspunkt, dass ich Menschen beim Fahrkartenkauf helfe, den Svenko am benachbarten Automaten anweise mal die Verbindung auszudrucken und er dafür 60 Cent im Automaten findet. 60 CENT! Das war mein Lohn!!!!! Kurz vor Dresden stieg noch ein Rentnerpaar in den Zug, setzten sich neben zwei Kinder und der Mutter aus Damaskus und plauderten mit den Kindern und der Mutter. Herrlich, wie einfach alles sein kann. Gefühlt 99,7% aller Menschen wollen einfach nur in Ruhe leben und ihr Ding machen. Und 0,3% versauen die ganze Sache. Vorm Bahnhof noch die Frage des Rentners an uns, ob an diesem Tag Fußball in Dresden war. Auf die Antwort, dass erst am Sonntag gegen Köln gespielt werde, winkte er nur mit einem „Ach...” ab und als wir mal kurz nicht aufpassten, zischten beide über eine rote Ampel und waren weg. Die Gelassenheit des Alters! (goju)






Weitere Begegnungen zwischen diesen zwei Mannschaften:

2 thoughts on “20.04.2019 ESV Forst 1990 e.V. – SV Adler Klinge e.V.”

  1. “Gefühlt 99,7% aller Menschen wollen einfach nur in Ruhe leben und ihr Ding machen. Und 0,3% versauen die ganze Sache.”
    Widerspruch: laut BTW 2017 haben 27,4 % kein Problem mit einer rechtsradikalen und völkischen Partei.
    Quelle: http://www.forst-lausitz.de/mobile/wahl/btw2017.html

    Trotzdem eine schöne Begegnung im Zug, da stimme ich dir zu.
    Leider gibt es eine erfolgreiche Partei ,die das alles nicht will und dagegen hetzt.

  2. Dass diese 27,4% sich vorstellen können Parteien aus diesem Spektrum zu wählen und es auch tun, schließt ja dennoch nicht aus, dass sie in Ruhe leben wollen. Halt in Ruhe aus ihrer Sicht. Und ich bin mir gerade nicht sicher, ob 27,4% an Menschen aus der Stadt Forst die angesprochenen 0,3% der Menschheit signifikant erhöhen.

Ahoj, du hast das Wort.

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