Kopane.de 2025 25.04.2025 KF Liria Prizren – KF Trepça Mitrovicë
25.04.2025, 15:00Uhr
KF Liria – KF Trepça Mitrovicë
Prizren, Stadiumi Përparim Thaçi
2. Liga (Liga e Parë – Grupi A) – 800 Zs. – 1:0

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Unsere kleine Reisegruppe, war schon zu einigen Destinations unterwegs. Was aber jeden noch in seiner Liste fehlte, war der Kosovo. Die Kombination mit Albanien, einem Abstecher nach Montenegro und einer Reisezeit von 9 Tagen ließ die Vorfreude steigen diese Tour anzutreten. Was in Summe 8 Leute begeistern konnte. Der Jungspund bekam für den Tourstart jedoch keinen Urlaub und stieß erst zwei Tage später zu uns. Wir, das sind: die alte Garde um den Südbrandenburger, den stillen Teilhaber, Dr. Duvel und mir, den Kulturbeauftragten, weiter mit den Jungschen, der Sportliche, ich weiß gar nicht ob er noch unter Jugend läuft, Kièls, Schlordi, er war zum ersten Mal dabei und später noch der Jungspund. Eine illustre, heterogene Reisegruppe würde ich mal behaupten. Als ich mich mit dem Kosovo und der Geschichte dieses kleinen unscheinbaren Landes, inmitten des Balkans beschäftigte, merkte ich schnell, es ist wieder ein Staat, welcher hier entstanden ist, der uns mehr Fragen als Antworten gab. Aber später mehr dazu. Tirana, Hauptstadt Albaniens und unser Startpunkt der Tour. Viel planen ging im Voraus nicht. Der Fußballverband des Kosovo, der -Federata e Futbollit e Kosovës- erbarmte sich erst am Dienstag vor Abflug überhaupt Mal den Rahmenspielplan zu veröffentlichen und wie wir am Donnerstag im Zug Richtung Memmingen Airport saßen, sahen wir, dass nun auch die Wochentage inklusive Uhrzeiten aufploppten. Knapp 24 Stunden vor Anstoß wissen dann mal alle Beteiligten, wann sie wo zu sein haben. Wie sagen wir in der Luis-Reisegruppe immer, wenn ein Verbandschef auf dem Balkan Durchfall hat, wird erstmal der komplette Spieltag verschoben. Hieß für uns also, spontan und flexibel zu sein. Nun, Donnerstag, trafen sich Reisegruppe Ost und West nach Landung am Tirana International Airport. Auto geholt und entschieden doch gleich nach Prizren in den Kosovo zu fahren. Dies wollten wir zwar erst morgen, doch, wie gesagt, der Verbandschef des Kosovo meinte es gut mit uns und so sollte morgen schon der Ball rollen. Sogar am Montag war ein Spiel an der serbischen Grenze drin. Top würde ich sagen. Wie erwähnt, Flexibilität und Spontanität sollte man auf dem Balkan immer im Handgepäckrucksack haben. Den Wizz Air-Mitarbeitern waren dann aber, in Memmingen, die Taschen des Sportlichen, Kièls und von mir doch zu voll damit und sie gingen uns ziemlich auf den Zeiger. Ich konnte mit ausgepackten Klamotten über den Arm durch die Kontrolle dackeln, aber die Anderen beiden kloppten förmlich ihre Rucksäcke in die Prüfgestelle. Der Sportliche wurden seinen Namen mal wieder gerecht. Nachzahlen mussten wir zum Glück alle drei nichts. Also war unser erstes Spiel schon morgen in Prizren. Was natürlich alle freute, vor allem deshalb, da der Jungspund erst Samstag in Prishtina zu uns stieß und so um die Länderpunktrunde für den Rest nicht herumkam. Wir machen die Regeln nicht, mein Guter. Nach Prizren überquerten wir den Gebirgszug Pashtrik, welcher im albanisch-kosovarischen Grenzgebiet verläuft und mit einigen Wetterkapriolen und Temperaturunterschieden aufwartete. Doch im Zielort angekommen, war alles überstanden. Prishtina ist die Hauptstadt des Kosovo, doch Prizren kann ruhigen Gewissens die Kulturhauptstadt des kleinen Landes genannt werden. Im Apartment eingecheckt, hieß es erstmal im Kosovo ankommen. Also ab in ein Restaurant. Balkan typisch gab es wieder eine ordentliche Portion Fleisch und den einfachen aber geilen Schopska Salat. Der Südbrandenburger macht die Teile immer weg, als gäbe es kein morgen. Die gegrillten Peperoni, welche der Sportliche bestellte, waren auch reichlich vorhanden und er bot sie uns allen an. Bei sowas bin ich über die Jahre, vor allem beim Sportlichen, vorsichtig geworden. Das Schlitzohr hat sich mit mir schon öfters den Spaß gemacht und scharfes Essen angeboten. Ich bin da, sagen wir mal, zartbesaitet. Doch als die Anderen von den Peperoni aßen und meinten, harmlos, traute ich mich auch. Aber nee, ach du scheiße, das waren wieder Waffen. Der stille Teilhaber meinte, gleich geht’s wieder los und ich bekomme minutenlangen Schluckauf und jammere wegen der Schärfe rum. Das darf doch nicht wahr sein! Bin ich echt so schwach auf der Brust? Die Anderen hatten schon wieder ihren Spaß mit mir. Kièls sagte gib mal deine her und ich solle mich nicht so anstellen. Abgebissen, rot geworden und schnell einen Schluck Pivo hinterher. Hui, die ist ja wirklich krass. Wie viel Pech kann man eigentlich haben, um die eine übelst scharfe auf dem Teller zu erwischen. Na jedenfalls war ich ein wenig rehabilitiert. Wir wären nicht eure Luis uff Achse, wenn wir nicht noch in eine Bar einkehren und den Abend standesgemäß ausklingen lassen würden. Also rein in so ein Raucherloch, wie eigentlich jede Pivnice in welcher wir hier waren und ein paar Pivo, Cocktails und einen lokalen Raki probiert. Okay, den brauche ich nicht öfters. Am nächsten Morgen ging es in der Altstadt in Prizren frühstücken. Ein sehr angenehmes Flair hier. Das Prizren für die Kosovo-Albaner kulturell bedeutend ist, merkten wir daran, dass wenn wir im Café zum Frühstück saßen, oft ganze Schulklasse durch die Altstadt an uns vorbeiliefen oder dass Reisebusse Touristen herbrachten, damit sie einen Tagestrip in der sogenannten Stadt der Lilien verbringen können. Unaufgeregt, freundlich und ruhig, so würde ich Prizren und auch die Menschen beschreiben. Viele können Deutsch und der Euro ist offizielles Zahlungsmittel. Der Fluss Lumbardhi fließt ruhig unter alten Brücken hindurch. Eine davon, die bekannteste und wohl auch die Schönste ist die osmanische -Ura e gurit- in der Altstadt. Neben der Sinan-Pascha-Moschee ließen wir es uns gut gehen. Viele kleine Restaurants, Cafés und Shops schmiegen sich um den Shadërvan, den zentralen Platz der Altstadt oder sind versteckt in den kleinen Gassen und Gässchen. Alles fußläufig erkundbar, sodass wir unser Auto den ganzen Aufenthalt nicht brauchten. Der Weg hoch zur Festung wurde bei bestem Wetter und guter Laune gemeistert. Eine kleine Bar durften uns auf dem Hin- und Rückweg als Gäste begrüßen. Verstärkung bekamen wir noch von einem Streuner. Der kleine Vierbeiner blieb die ganze Zeit treu an unserer Seite und ich machte meinen Namen als der Hundeflüsterer wieder alle Ehre. Tiere merken halt, wenn jemand ein gutes Herz hat. An der Festung von Prizren, ihr albanischer Name lautet -Kalaja e Prizrenit- angekommen stromerten wir ein wenig durch die Anlage. Viel war hier aber nicht zu erkunden. Dafür konnte die Aussicht begeistern. Auch die heutige Spielstätte wurde lokalisiert. Was so langsam bedeutete, den Rückweg anzutreten. Ich muss sagen, wenn man, so wie wir, nicht die Obsession hat ständig von einem Ground zum Nächsten zu hetzen, kann man in Prizren locker 2-3 Tage gemütlich verbringen. So ging es also wieder bergab Richtung Altstadt und zum Apartment. Man wechselte teilweise zum kurzen Beinkleid, es wurde das nächste Bier aus dem Kühlschrank gefischt bzw. halt beides zusammen. Ab zum Stadiumi Përparim Thaçi. Kurz davor wurde noch in einer Bar eingekehrt, in welche auf einmal immer mehr Polizisten zum Kaffeetrinken kamen. War also nicht unsere Bar. Wir betraten im Kosovo fußballerisches Neuland. Doch da wir schon einige Spiele auf dem Balkan in der Liste haben und wissen es gibt teilweise nichts zu trinken oder zu essen, wurde sich vorsorglich mit Pivo eingedeckt, um dann vor der großen Haupttribüne beobachten zu können, dass die Ordner akribisch in alle Rucksäcke schauten. Also einfach weiter zu der halbfertigen Gegengerade ohne Dach. Blöd nur, dass es dort keinen ersichtlichen Einlass gab. Alles verrammelt. Nur der offizielle Spielereingang war hier verortet. So standen wir erstmal beisammen und beratschlagten, wie wir es am besten anstellen könnten auf dieser Seite ins Stadion zu kommen. Denn Zuschauer waren definitiv hier. Nach einer Weile sprach uns ein Mann auf Deutsch an, ob er uns helfen könnte. Konnte er natürlich. Er brachte die Bande hinten an die halbfertige Tribüne zu einem verschlossenen Stahltor, klopfte lautstark an, erklärte den Ordnern unser Anliegen und die Sache ging klar. Da mir nachgesagt wird, ich hätte eine soziale Ader, erklärte ich dem netten Herrn noch, ich bezahle hier mein Ticket. Er lächelte mich freundlich an, meinte er denke dies sei hier nicht vonnöten und wünschte mir viel Spaß. So läuft Interaktion. Als wir mit dem Herrn über die Baustelle liefen erklärte er uns kurz, dass er am Stadion in einer Deutschschule arbeitet, welche Kosovo-Albanern dabei hilft nach Deutschland zu kommen, um dort arbeiten zu können. Bei einer Jugendarbeitslosenquote von 19,5 %, also 4 Mal höher als in Deutschland ist dies verständlich und ich denke er hat genug zu tun. Drin angekommen suchten wir uns ein Plätzchen, wo wir etwas Schatten erhaschen konnten und mit kalten Bierchen konnte der Länderpunkt, wie sagt man, gemacht werden. Dass der Jungspund morgen erst dran ist, ließ die Runde nur noch zufriedener grinsen. Cool durch unsere Tribünenwahl hatten wir beste Sicht auf den Fanblock der Arpagjik’t Prizren. Auf der langgezogenen Tribüne standen sie oben links unter dem Dach. Zwei Fahnen wurden das gesamte Spiel über in den Händen gehalten. Einmal die albanische Nationalflagge, mit dem bekannten Doppelkopfadler und eine Gruppenfahne auf welcher das Logo der Arpagjik’t Prizren hälftig zu sehen war. Uns wurde erklärt, dass der Name Arpagjik’t von den Gersten-Pflanzen, die hier in Prizren gepflanzt werden, stammt. Und tatsächlich die Form des Gesichtes, welches als Gruppenlogo dient, sieht aus wie eine Gerste. Wirkt trotzdem etwas ulkig. Gegründet 1999 unterstützen sie auch ihre Basketballabteilung und wir konnten einige rote Schals des KB Bashkimi erkennen. Gästefans waren keine anwesend. Im Kosovo muss der Gastverein 48 Stunden vor dem Spiel beim Heimverein anfragen, ob seine Anhänger anreisen dürfen. Dann entscheidet der Fußballverband, die Polizei und der Gastgeber, ob dies erlaubt ist. Bei unserem Spiel hatte der KF Trepça nicht mal die Anfrage zwei Tage im Voraus gestellt. So konnte die Torcida 1984 nicht anreisen. Schon ein sinnloses System. Vor dem Spiel sang der Heimblock die albanische Nationalhymne, worauf sich beide Mannschaften inklusive des Schiedsrichtergespann Richtung Fanblock drehten und das Stadion danach applaudierte. Gleich beim ersten Spiel verstanden wir also, dass sich viele Kosovo-Albaner eher ihren Nachbarn zugehörig fühlen, anstatt ihren 2008 gegründeten Staat. So hängt auch die albanische Nationalflagge, wie eben auch heute, in den Fanblöcken anstatt die blaue Fahne der Republik Kosovo. Wir genossen den Panoramablick im Hintergrund des Stadions und die Biervorräte waren gut gewählt. Die Arpagjik’t machten ihr Ding mit vielleicht 40 Mann. In der ersten Halbzeit, so verraten es mir meine Notizen, sangen sie drei Lieder sehr ausdauernd und allgemein legten sie einen strukturierten Auftritt hin. Das restliche Publikum war auch bei der Sache und das Siegtor in Hälfte zwei wurde dementsprechend von Spielern und Stadion gefeiert. Wir waren uns alle einig, ein gelungener Start in die Tour. Nach Abpfiff sind der Südbrandenburger und ich noch schnell auf den Rasen. Ich um Fotos zu machen und mein Kompagnon um einen Liria-Schal abzustauben. Lustigerweise posierte das Team direkt vor dem Fanblock. Gefühlt jedes Kind im Stadion kam ebenfalls dazu und wenn ich schon mal da bin, dachte ich mir, mache ich gleich ein paar Bilder. Der Südbrandenburger bekam sogar  noch einen Gruppenschal geschenkt, welchen er gar nicht annehmen wollte aber am Ende keine Wahl hatte. Als wir gefragt wurden, woher wir denn kommen, kam uns erstmal ein holpriges von Dresden bis zum Kosovo entgegen. Putzig. Wir machten dann zurück zu den Anderen, welche vorm Spielereingang in der Sonne an einen Tisch saßen. Es gab fünf Espressi für 2,50 €, also für alle zusammen. Im Kosovo sind die Preise für uns deutsche mehr als günstig und so konnten wir es uns in den Restaurants gut gehen lassen. Rückzu in die Altstadt schlawenzelten wir gemütlich am Lumbardhi entlang. Ein traditionelles albanisches Wirtshaus durfte uns als seine Gäste begrüßen und so wurde die große Grillplatte bestellt. Als Abschluss des gelungenen Tages kehrten wir erneut in die gestrige Raucherkneipe Baraca ein. Dort kamen wir mit einem Diplomatenehepaar ins Gespräch. Sie stammt aus Prizren und er war aus München. Sie arbeiten für die UN bzw. das WHO. Der ehemalige Chef der kosovarischen Staatsbank, so wurde er uns jedenfalls vorgestellt, kam auch noch dazu und eine illustre Fragerunde konnte starten. Wir wollten gern wissen, wie sie zu einer Vereinigung zwischen dem Kosovo und Albanien stehen. Ihre Antwort verwunderte uns ein wenig, denn sie meinten so wichtig wie wir es vermuten, ist dieses Thema hier nicht. Über den Kosovokrieg oder über Serbien wollten sie nicht so richtig sprechen, aber ich denke dies ist normal. Ich finde es immer gut mehrere Meinungen zu gewissen Themen zu hören, aber unsere Wahrnehmung auf der Tour zu diesen Themen war eine Andere. Auf alle Fälle ist es ein interessantes Gespräch gewesen, da man im normalen Leben wohl nicht zusammen kommen würde. (Der Kulturbeauftragte)


Sinan-Pascha-Moschee

Ura e gurit

der Hundeflüsterer

Festung von Prizren - Kalaja e Prizrenit



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