KB Trepça – KB Prishtina
Mitrovica, Salla e Sporteve "Minatori"
1. Liga (Superliga-Playoffa, Basketball) – 2500 Zs. – 67:61
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| Anzahl Spiele 1. Männerteam KB Trepça | 1 |
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| Anzahl Spiele 1. Männerteam KB Prishtina | 1 |
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| Kapazität: 2.500 | Auslastung bei diesem Spiel: ausverkauft |
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An der Halle wurden wir ein paar Leuten der Torcida Bair vorgestellt. Diese sind eine Sektion der Hauptgruppe, wie es oft auf dem Balkan gehandhabt wird. Die Jungs wussten natürlich von unserer Anwesenheit. Uns kam es auch so vor, dass viele Kenntnisse hatten, dass acht Touristen aus Deutschland heute hier sein werden. Es waren noch 35 Minuten bis zum Anwurf, also wurde erstmal ganz entspannt über die Brücke in den Nordteil der geteilten Stadt in den serbischen Teil gelaufen, um Bier zu trinken. Vorbei an italienischen Polizisten, welche die „Grenze“, der Fluss Ibër, bewachten. Und wie immer, wenn man die ethnische Seite wechselt, wechselt auch die Bierauswahl. Es gab wieder serbisches Jelen zu kaufen, doch da wir uns auskennen entschieden wir uns für ein Niksicko, vom Dr. Duvel liebevoll Nikki genannt. Natürlich holten die Jungs der Torcida Bair zu viel und wir mussten kämpfen, dass alles getrunken wird, bevor es in die Halle ging. Selbst der stille Teilhaber kam an seine Grenze. Die reservierten Plätze waren direkt am Spielfeld, sogar mit Namensschildern versehen und unser Kontakt verbrachte das Spiel mit uns gemeinsam. Wir hatten beste Sicht auf den Torcida-Sektor. Welcher klasse aussah. Die große Hauptfahne am zentralen Platz, darüber die Gruppenfahnen, wie Green Elite, Bair (gegr. 2016), Garda, NFT (North Front Torcida, gegr. 2008) Miners Boys (gegr. 2011), TCT (Tavnik City Torcida). An der Rückwand eine große T1984 Fahne und darüber noch der Spruch -DY ZEMRA TI KISHA PAS --- DYJAT TI KISHA FAL - Hätte ich zwei Herzen--- Ich würde sie dir geben- Dies ist ein Teil eines Fanliedes der Torcida. Am Capo-Podest hing noch eine ANTI-Smurfs-Fahne, welche an die Gäste aus Prishtina gerichtet war.
Na dann wollen wir mal. Wie erwähnt perfekte Plätze, ein wichtiges Spiel, Halbfinale Playoff und eine Halle die Bock hat. Krass, wie hier alle mitzogen. Im Kosovo ist Basketball generell beliebt und viele Fan- und Ultragruppen unterstützten ihre Basketballabteilungen. Teilweise gibt es dadurch Gästeverbote, da die rivalisierenden Fans und Ultras, bei den Spielen natürlich die Konfrontation suchen und in den Hallen die Sicherheitsvorkehrungen nicht gut ausgestattet sind und es keine Gästesektoren oder -einlässe gibt. Im Buch Navijači erfuhr ich, dass eine der wichtigsten Begegnungen im Land die zwischen Trepça gegen Prishtina sei und dass die Hauptstädter nicht beliebt sind, merkten wir sofort. Wir hätten auch den kleinen Jungen fragen können, welcher während des Spieles einen Gästespieler anspuckte und seine Familie es als das Normalste der Welt hinnahmen. Oder die Männer, welche hinter der Ersatzbank der Gäste saßen und sie die kompletten vier Viertel belöffelten. Zu Beginn gab es eine Choreo. Auf dieser war, wie im Flamurtari-Bericht erwähnt, der Sportpalast zu sehen. Drei Fans von Plisat, (die Ultragruppe der Gäste, sie hatten heute natürlich ein Anreiseverbot) malten davor das Spruchband Për 48 orë, was übersetzt 48 Stunden lang bedeutet. Daneben war auf der Blockfahne die gezogene Fahne der Blue Warriors Plisat aufgemalt. Diese wurde 2010 bei einem Spiel in Mitrovicë geholt. In der Choreo wird auf ein Match in besagten Jugend- und Sportpalast in Prishtina vor zwei Jahren eingegangen. Die Torcida hatten für dieses Auswärtsspiel wieder ein Auswärtsfahrverbot und organisierte ein Public Viewing in ihrer Basketballhalle. Die Fans von Trepça erhielten die Information, dass die Plisat ein Spruchband zeigen werden, mit dem Wortlaut -Wir haben euch 48 Stunden lang viermal geschlagen, wir machen nun nichts mehr mit euch- Was sich auf die Basketballspiele und deren Randerscheinungen bezog. So konnte die Torcida ihre Antwort im selben Moment in ihrer Halle in Mitrovicë zeigen, als der Spruch in Prishtina gezeigt wurde. Ihre Antwort -Wir haben euch 48 Stunden lang so oft geschlagen. Wie sollen wir mit euch umgehen, wenn ihr Spitzel in den eigenen Reihen habt?-. Das Spruchband -Të rroni, e ti kujtoni. – schloss die Choreografie dann ab. Es bedeutet in etwa -Lebt und erinnert euch daran- . Unten am Platz wurde uns noch aus etwas Entfernung ein älterer Fan gezeigt, welcher einer der Mitgründer der Gruppe Torcida war. Er war als Soldat in Split stationiert. Als Fußballfan schaute er natürlich auch bei Hajduk vorbei und war von der dortigen Torcida so beeindruckt, dass er, als er wieder in Mitrovicë war, mit Freunden eine Fangruppe mit demselben Namen gründen wollte und dies 1984 auch tat. Der Typ stand tatsächlich 41 Jahre später da und supportet immer noch seinen Club. Das Leben für den Verein oder die Gruppe ist für ihn kein pathetischer Spruch. Utopisch und beeindruckend zugleich!
Die Torcida Mitrovica liegt seit Jahren mit ihren Präsidenten im Clinch und da sie im Moment kein Stadion haben, dementsprechend die Fußballspiele fehlen, sind die Basketballspiele das Einzige, wo sie als Gruppe zusammen kommen können. Sie gehen sogar weiter und erklären, nur durch die Basketballspiele würde die Gruppe als solche überleben. Ich komme später auf die Stadionproblematik und den Zwist mit dem Präsidenten zurück.
Sie definieren sich aber als Fussball-Ultras und so leiden sie unter dieser Situation enorm. Heute lieferte die Kurve aller Probleme zum Trotz ein top Auftritt ab. Eine irre Lautstärke und teilweise drehte die Halle komplett durch. Top, wir waren schwer begeistert. Und da wir so nah am Spielfeld saßen, konnten wir die Intensität der Zweikämpfe gut beobachten. Da waren in beiden Teams aber ordentliche Kaventsmänner dabei und die schenkten sich hier nichts. Man sagt ja das Basketball ein kontaktloser Sport wäre, aber hier krachten die Spieler stellenweise übelst gegeneinander. Trepça konnte das Spiel nach langer Führung der Gäste noch drehen und es ging die Post ab. Inklusive Pyro zum Schluss. Schön das wir dies in einer Halle auch mal erleben durften. Aktuell hat die Torcida acht Untergruppen, Torcida Bair, Green Elite, Garda, North Front Torcida, Miners Boys, Tavnik City Torcida, Mitro Boys und Torcida Vaganica. Eine Hauptgruppe gibt es nicht. Ein Mix aus Führungsleuten der Gruppen kümmert sich um die Ausrichtung der Torcida.
Eine offizielle Delegation der Gäste saß links von uns ebenfalls unten am Spielfeld. Ich glaube, sie würden das Erlebte nicht so abfeiern wie wir. Ok, sie waren selbstverständlich oft Ziel minutenlanger Pöbelattacken der hinter und neben ihn stehenden Fans. Ich konnte unser Torcida-Mitglied auch öfters beobachten, wie er die Gäste-Delegation lange musterte, ob diese eine Reaktion auf das hier alles zeigte. Doch die Gäste sahen dem Match nur stoisch zu.
Während des Spieles lachte unser Kontakt aber auf einmal herzhaft auf und wir meinten, was denn los wäre. Er zeigte auf den stillen Teilhaber, wie er hier unten am Spielfeldrand seine reingeschmuggelte Bierdose naschte. Ich meinte nur „Yes, it’s no joke, he really is a beer monster“ und der Sportliche erklärte, manche schmuggeln Pyrotechnik ins Stadion, der stille Teilhaber schmuggelt Bier ins Stadion. Wir hatten also alle was zu lachen. Nach dem Spiel blieben wir und ein paar Jungs der Torcida Bair in der Nähe der Halle und gingen in ein Restaurant. Wir saßen zusammen und tauschten uns gegenseitig aus. Der stille Teilhaber meckerte kurz, dass es kein gezapftes Peja gab und die Story von dem geschmuggelten Bier machte noch einmal die Runde. Auch der Kellner bemerkte, dass er hier einen ganz besonderen Gast aus Dresden sitzen hat und lockerte die Miene unseres Bier-Athleten damit auf, als er den Raki auf den Tisch stellte und meinte „draft Raki“ mit der entsprechenden Handbewegung. Die Torcida Bair wurde am 04.09.2016 gegründet und zählte damals 10-20 Mitglieder. Diese müssen alle aus dem gleichnamigen Stadtteil kommen. Aktuell zählt die Gruppe 30-35 Leute. Die Jungs kümmern sich aktiv um die Streetart. Sie bessern diese aus oder sind für neue Bilder verantwortlich. Außerdem sind sie bekannt dafür, neue Lieder in die Kurve einzuführen.
Wir erklärten den Jungs, dass es für uns interessant zu sehen war, dass in der Halle gezündet wurde. Da wir denken, es ist für die Sportler an sich nicht förderlich. Die Jungs der Torcida sahen darin selbstverständlich kein Problem und erklärten weiter, dass sich früher neue Spieler beschwerten, da in der Halle geraucht wurde. Ok, da war natürlich Gelächter am Tisch. Allgemein raucht im Kosovo gefühlt einfach jede oder jeder. Unsere Klamotten stanken die ganze Zeit und wir versuchten abends irgendwie den Mief aus den Sachen zu bekommen und hängten sie, wenn möglich an die frische Luft. Wir verabredeten uns für morgen nochmal mit den Jungs. Sie wollten uns unbedingt noch etwas zeigen. Wir werteten den ganzen Tag noch einmal im Apartment aus und waren froh der Einladung von der Torcida Bair gefolgt zu sein. Für mich war klar, hier muss ich nicht nur unsere persönlichen Erlebnisse wiedergeben, hier werde ich Informationen aus erster Hand einer kleinen, gestandenen Fanszene erhalten und da unser Kontaktmann diese sehr gern für uns gab, würden nach der Reise die Fragen in den Kosovo nach Mitrovicë geschickt werden. Schon einmal im Voraus vielen Dank für die Geduld und Zeit! (Der Kulturbeauftragte)



