In aller Herrgottsfrühe klingelte unser Wecker, damit wir unseren Flug am Kansai Airport in unser nächstes Land erwischen. Wir mussten den Chek-In sogar vor Ort durchführen, da es online gar nicht möglich war. Als wir später dann so langsam in den Landeanflug übergingen, bekamen wir die ersten Auswirkungen der Industrienation zu Gesicht - Hunderte, wenn nicht gar Tausende Containerschiffe, waren auf dem Ozean unterwegs. Das Wasser? Eine einzige braune Soße, vom schönen blauen Meer keine Spur mehr. Made in China eben! Und damit wären wir in Shanghai gelandet. Mit 24 Millionen Einwohnern ist sie die größte Stadt der Volksrepublik China und aus wirtschaftlicher Sicht auch die Wichtigste. Der Handelshafen ist der größte weltweit, die Stadt gilt als Finanzzentrum des Landes und viele internationale Firmen haben hier ihre Zentrale. Wir hatten entgegen unserer Erwartungen keine Probleme bei der Einreise und konnten eine Metro in Richtung Zentrum nehmen. Vom Preis für die Tickets waren wir dann doch sehr überrascht, knapp über 3€ mussten wir für eine Stunde Fahrzeit blechen. Wohlgemerkt, für uns vier zusammen! Wir hatten uns kein großes Programm vorgenommen, da wir nicht so ganz wussten, was uns erwartet. Man liest und hört im Vorhinein vieles, was einem das Leben als Tourist erschweren kann, weshalb wir uns langsam herantasten wollten. Doch für alles gab es eine Lösung. Kein Google, WhatsApp und co.? Ja, wenn man sich über das heimische Wlan anmeldet, funktionieren die Apps nicht - Aber mit unserer E-Sim von Roamic hat alles problemlos geklappt. Keine Kreditkarte? Ja auch die funktioniert nicht, aber mit AliPay kann man überall bezahlen, in jedem noch so kleinem Kiosk. Selbst die Obdachlosen, die nach Geld betteln, haben zum Teil ein Schild mit dem QR Code für ihren AliPay Account aufgestellt. Um von A nach B zu gelangen nutzten wir nach der Metro Fahrt nur noch die Didi App, mit der man Taxen zuverlässig bestellen kann, die einen dann für 'nen Appel und 'n Ei überall hinkutschieren wo man möchte. Das einzige, wo das ein oder andere Missverständnis auftritt, ist die Verständigung. In dem Land können gerade mal 5-10% englisch sprechen, was wir oft zu spüren bekamen. Es fand sich aber immer eine Lösung, sei es mit einer Übersetzer App oder einfach nur mit wildem herum Gestikulieren. Unser erstes Mahl war direkt ein Erlebnis für sich. Wir hatten Knast und suchten auf dem Fußmarsch durch das Zentrum in Richtung unserer Unterkunft noch eine geeignete, landestypische Lokalität. Die meisten schönen Schuppen waren voll und hatten keine Plätze mehr für vier Kartoffeln, bis wir uns einfach das Nächstbeste gepickt haben. Es wurde sich für Speisen entschieden, die vom Aussehen her noch gut verträglich wirkten, Hühnerfüße oder eine Suppe mit Gehirn wären auch auf der Karte gewesen. Letzteres Gericht hätte dem stillen Teilhaber wohl nicht geschadet, aber gut, das ist ein anderes Thema. Die Gewürze in dem Essen waren wirklich undefinierbar, das waren Geschmäcker, die wir noch nie zuvor probiert haben. Teilweise hat das unseren Mundraum betäubt und der ein oder andere sollte auch noch Stunden später mit dem Essen zu kämpfen haben. In der Unterkunft teilte sich unsere Gruppe in die Sektion Schlaf nachholen und in die Sektion Suff. Letztere bestand aus, wer hätte es gedacht, dem stillen Teilhaber, und mir. Durch Zufall stolperten wir in einen Laden, der eine 90-minütige Flatrate für gerade mal 7€ mit allerlei Bier und Mischgetränken angeboten hat. Halleluja, in Germany we call it "Schön zurecht gemacht". Dennoch wurde nochmal der Rest eingesammelt und das Zentrum rund um die Skyline besucht. Die Fahrt auf den Shanghai Tower, der mit 632 Metern als dritthöchstes Gebäude der Welt zählt, war dabei ein echtes Highlight. Der Blick über die ganze Stadt bei Nacht, phänomenal! Was allerdings nicht empfehlenswert ist, sich ein Ticket für 10€ mehr bis zum obersten Stock zu holen - Dort kann man nämlich gar nicht hinausschauen, sondern nur eine Lichtershow rund um eine vulvaförmige Skulptur begutachten. Dazu kommt, dass ich als Einziger die günstige Variante im Vorfeld gekauft hatte und auf meinem Weg von der eigentlichen Aussichtsplattform nach unten plötzlich auch im Fahrstuhl nach oben stand. Hat niemanden interessiert, also durfte ich die Show dennoch genießen. Das hat mein knausriges Herz natürlich umso mehr gefreut! Mit der Fähre ging es dann noch auf die andere Seite des Flusses, diese hätte uns pro Person auch nur 25 Cent gekostet, aber das war der einzige Ort an dem das Alipay nicht funktioniert hat. So winkten uns die freundlichen Chinesen kurz vor Abfahrt einfach durch, heute waren wir wahrhaftige Sparfüchse! Die Aussicht auf die bunt beleuchtete Skyline war ein echter Leckerbissen, Shanghai ist schon eine sehenswerte Stadt!
Unseren zweiten Tag ließen wir ebenfalls ganz entspannt angehen, vormittags wurde ein kurzer Abstecher an den Yu Yuan Garten unternommen. Die kleinen Paläste in dem Areal sind im traditionell chinesischem Stil erbaut. Im 15. Jahrhundert wurde die Anlage errichet und erst in den letzten 2 Jahren nochmal groß renoviert, um mehr Touristen in die Stadt zu locken. Die Qibao Ancient Town wurde als zweite Sehenswürdigkeit angesteuert, zum einen, um die buddhistischen Tempel mit goldener Fassade zu erkunden, zum anderen, um etwas Essbares in einem der zahlreichen Restaurants in der Gegend zu finden. Wir gaben der chinesischen Küche nach dem gestrigen Fiasko nochmal eine Chance und was soll man sagen, ein voller Erfolg! Es gab Xiao Long Bao, kleine Dumplings mit Fleisch oder Krabben gefüllt, und auch chinesische Nudelsuppen wurden verköstigt. Ein echter Glücksgriff, das Essen hat uns richtig gemundet und nicht das Gefühl vermittelt, dass wir es im Nachgang bereuen werden. Durch und durch zufrieden ging es nochmal in die Unterkunft, um Wäsche zu waschen, zu duschen, und was man halt sonst noch im alltäglichen Leben erledigen muss. Abends stand nämlich unser Länderpunkt bevor und wir waren gespannt, wie wir diesen meistern werden. Karten hatten wir noch keine, diese kann man im Vorfeld nur über eine App holen, die wir nicht downloaden konnten, weder über unsere Apple noch Samsung Geräte. Auch als wir in China direkt waren, hat das nicht funktioniert. Also hofften wir auf einen Ticketschalter vor Ort, vergeblich. Nachdem wir ein paar Einheimische anquatschten, konnte nach einiger Zeit endlich jemand auf englisch mit uns kommunizieren und wir fragten ihn, ob er Tickets für uns kaufen kann, wir würden ihm das Geld dann per Alipay überweisen. Der gute Mann willigte hilfsbereit ein, hatte aber ebenfalls mit der App für die Karten zu kämpfen. Hier und da hat etwas nicht funktioniert, dann ist er wieder ganz rausgeflogen, dann konnte er nur zwei Karten gleichzeitig holen. Um Himmels Willen, das war ein Krampf. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis wir endlich die Karten hatten und das Stadion betreten konnten. Dann konnten wir ihm plötzlich nicht das Geld senden, weil diese Art der Transaktion für Ausländer nicht freigeschaltet ist. Probleme über Probleme, Geld gewechselt hatten wir auch nicht. Also mussten wir unserem Retter in der Not das Geld in Euro geben, dafür rundeten wir aber auch großzügig auf. Nach dieser gefühlt ewig andauernden Prozedur betraten wir das große Rund und konnten uns das Stadion anschauen. Eine riesige Schüssel, 56.000 Zuschauer würden hier hineinpassen. Wie man auf den Bildern erkennen kann, wurde die Auslastung allerdings knapp nicht erreicht. Im Gästeblock fanden sich genau 14 Anhänger, die die 13-stündige Anreise auf sich nahmen, bewacht von 24 Ordnern. Im Heimbereich fanden sich dafür einige aktive Supporter, allerdings sehr komisch angeordnet. Es gab mehrere Gruppen, verteilt auf verschiedene Standorte im Ober- und Unterrang auf der Tribüne hinter dem Tor, die größte Gruppe, die den Namen "The Intrepid" (Die Furchtlosen) trägt, sammelte sich allerdings auf der Gegentribüne. Ein seltsames Bild, besonders dubios wurde es dann, als die diversen Anhängerschaften oft zwei oder gar mehr verschiedene Lieder gleichzeitig anstimmten. Zwei unterschiedliche Fangruppen in entgegengesetzten Blöcken kennt man ja aus Metz, Lüttich und co., aber das Szenario wie in Shanghai war für uns auch ein Novum. Ein ziemliches Durcheinander, aber wir ließen die Atmosphäre auf uns wirken und genossen den Kick. Der Gastgeber war klar dominant und spielte den Hakka FC regelrecht an die Wand. Eine Bude nach der anderen, 6 Stück an der Zahl fielen. Die Gäste haben kurz vor Schluss noch zur Ergebniskosmetik einen Ehrentreffer erzielt. Somit ließen wir unsere beiden Tage in Shanghai noch bei einem weiteren Tischgrill-Abendmahl ausklingen und blicken auf spannende Eindrücke aus der Volksrepublik China zurück. Am Ende waren wir allerdings noch nicht, ein weiteres Land sollte am nächsten Tag bereits folgen!
(Der Jungspund)
Shanghai
Ausblick vom Shanghai Tower
Shanghai bei Nacht
Yu Yuan Garten
Qibao Ancient Town
Abendessen mit Tischgrill