Kopane.de 2025 27.04.25 KF Dukagjini Klinë – KF Feronikeli 74
27.04.2025, 15:00Uhr
KF Dukagjini Klinë – KF Feronikeli 74
Klinë, Stadiumi 18. Qershori
1. Liga (Superliga) – 500 Zs. – 2:1

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Anzahl Spiele 1. Männerteam KF Feronikeli 74 1
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Früh am Morgen machte ich mich für eine Stunde alleine los. Ich wollte nochmals an die Minatori-Sporthalle und dort eine Graffiti-Runde drehen. Da diese sich direkt an den Fluss Ibër, die Grenze zum Norden befindet bin ich nochmal an die Mitrovica-Brücke, auch bekannt als Neue bzw. Austerlitz-Brücke gelaufen. Heute patrouillierten bulgarische KFOR-Soldaten, gestern Abend waren es ja italienische Carabinieri. Seit 2012 sind hier internationale Einheiten stationiert, um die Stabilität in der Region aufrechtzuerhalten. Seit dem Kosovokrieg 1999 kann man Mitrovicë eine geteilte Stadt nennen. Im Süden leben mehrheitlich Albaner, im Norden wohnen überwiegend Serben. Der Ibër ist die Grenze. Seit 2011 ist die Brücke für Fahrzeuge gesperrt, im Jahr 2024 kündigte der kosovarische Ministerpräsident Albin Kurti an, sie für Fahrzeuge wieder freizugeben. Dies rief aber Proteste der serbischen Minderheit im Norden hervor. Teilweise wurde die Überführung mit Fahrzeugen blockiert. Die serbischen Behörden verurteilten den Vorschlag, die Brücke zu öffnen, als Versuch des Kosovo, „einen Konflikt zu provozieren“. Für die ethnischen Serben bedeutet die Sperrung für Autos einen Schutz vor Vertreibung. Erst nach Gesprächen zwischen der serbischen Gemeinde der Stadt und einem Treffen mit CIA-Direktor William Burns, der extra in den Kosovo reiste, wurde der Plan der Öffnung wieder verworfen. Dass es weiter Spannungen zwischen den Ethnien gibt, liegt leider nach dem Kosovokrieg (1998-1999) auf der Hand. Ein sehr brisanter Vorfall ereignete sich am 24. September 2023 in dem Dorf Banjska, unweit von Mitrovicë. Dort wurden kosovarische Polizisten in einen Hinterhalt serbischer Terroristen gelockt. Ein Kosovo-Albaner wurde dabei getötet und mehre verletzt. Die Terroristen verschanzten sich danach im Kloster Banjska. Bei den späteren Kämpfen starben drei Terroristen, sechs Stück konnten verhaftet werden und mehrere flüchteten über den Nordkosovo nach Serbien. Man kann wirklich nur hoffen, dass es weiter friedlich bleibt. Harter Themenwechsel,
gut dass die Mietwagenfirma zu uns meinte, dass wir mit dem Auto nicht Offroad fahren dürfen. Nur was sollen wir machen, wenn man zu den Mirusha-Wasserfällen möchte, welche schön versteckt in einer Schlucht liegen. Also doch Offroad. Der Sportliche steuerte unseren Neunsitzer sicher zum Naturhotspot. Auf dem Weg dorthin wurden mehre Stopps eingelegt, die Meute lüsterte nach kaltem Pivo. Bei einem dieser Spots hat der stille Teilhaber einen selbst gebrannten Raki geholt. Für 5 €. Was sich irgendwie kultig anhört, war in Wahrheit bei jeden Schluck eine Überwindung. So ein Gelumpe. Irgendwann mixte er das Feuerwasser mit Säften. Damit war es einigermaßen trinkbar. Die Flasche wurde letztendlich erst am Ende der Tour geleert. Die Wasserfälle sind schön in einer Schlucht gelegen. Zwei kleine Cafés sind dort angelegt. Viel war nicht los, wir machten einige Bilder und genossen die Aussicht. Der Sportliche und Kièls ließen es sich nicht nehmen und sprangen die 8 m hinunter. Nur kaputte. Das ist absolut nichts für mich. So ging es dann weiter zum Superliga-Spiel zwischen KF Dukagjini- KF Feronikeli 74. Die Sonne war herrlich, das mitgebrachte Bier kalt, die gekauften Erdbeeren lecker und das Spiel langweilig. Zum Glück hat einer von uns das freie WLAN bemerkt. Valmir war unser Hotspot für die erste Halbzeit. Solltet ihr mal bei KF Dukagjini sein, das Password ist 12345678, übrigens wie fast jedes Password in den Restaurants des Kosovos. Also nichts Spektakuläres hier. Zwei Tribünen und Langeweile. Von den Hithat, der lokalen Fangruppe, war leider außer ein Stencil und einer Schmiererei auf der Tribüne, nichts zu sehen. Laut Facebook waren sie im letzten Jahr aber noch aktiv im Stadion. Wir sammelten uns zum Pausentee in einen Café hinter der Gegengerade. Natürlich wurde der Anpfiff zur zweiten Halbzeit im Biergarten vernommen und kleckerweise trafen wir uns alle im Stadion wieder. Auf dem Weg zurück nach Mitrovicë konnte ich einen einheimischen Rotwein in einen kleinen Kiosk erwerben. Dieser war im Gegensatz zum selbst gebrannten Raki um Welten besser und war nach zwei Runden im Auto Geschichte. Ich komme noch einmal zurück zur Torcida Mitrovica. Im Bericht vom KB Trepça erwähnte ich schon die Probleme mit dem Präsidenten der Fußball-Abteilung Nexhmedin Haxhiu. Dieser ist seit 2000 im Verein tätig und die Probleme begannen vor ca. zehn Jahren. Kosovarischer Meister wurde man zum letzten Mal 2010 (insgesamt konnte der Titel 7x in den Norden des Kosovo geholt werden, einmal der Pokal). Die Führungsriege zerstritt sich in dieser Zeit immer mehr. Einige verließen daraufhin den Verein. Nexhmedin Haxhiu blieb. Der Club stieg ab, der Umbau des Adem-Jashari-Stadion begann und der Klubi Futbollistik Trepça Mitrovicë stagnierte im Unterhaus. Die Torcida meint, es sei kein Problem, dass der Verein abgestiegen sei dies kann natürlich mal passieren, wenn man die Lehren daraus ziehen würde. Aber das man über zehn Jahre keine Selbstreflexion hinbekommt und sich an seinen Posten klammert, bringt niemanden etwas. Der Verein ist im kosovarischen Fußball eine Größe, mit Tradition und Geschichte. Der Club bedeutet den Menschen viel. Nun spielt man seit Jahren in einer Bauernliga. Das Adem-Jashari-Stadion war früher voll. Mein Gesprächspartner schickte mir alte Bilder mit pickepackevollen Tribünen. Fackeln, Fahnen, Rauch alles was dazugehört. Jetzt kommen maximal 100 bis 200 Zuschauer auf den Sportplatz neben der großen Baustelle des Stadions. Vor der letzten Saison kam nun Nexhmedin Haxhiu auf die Torcida zu und bat sie den Boykott der Spiele zu beenden. Es gäbe einen neuen lokalen Sponsor, welcher der Fangruppe auch bekannt ist und es würde jetzt alles besser werden. Sie gingen also zu den Spielen. Aber nicht aktiv, es wurde erst einmal keine Stimmung gemacht und die Situation beobachtet. Schnell bemerkten man, dass sich nichts ändern wird. Der Protest wurde drastischer. Die Spiele wurden durch Fackelwürfe auf den Rasen unterbrochen. Ein Punkt das sich Haxhiu so lange im Sattel hält ist seine Vernetzung, die bis zum kosovarischen Fußballverband reicht. Ein weiterer und vielleicht der wichtigste Punkt ist aber, dass die Fans in Mitrovicë lethargisch geworden sind. Das Interesse am Fußball ist über die erfolglosen Jahre eingeschlafen und das man auf dem Sportplatz neben dem großen Adem-Jashari-Stadion spielt, hilft auch nicht. Fast niemand anderes außer der Torcida geht zu den Spielen. An den Protesten beteiligen sich im Durchschnitt 100 Fans. Es müsste aber mit den anderen Anhängern Druck aufgebaut werden, damit der Protest wirkt und sich Haxhiu nicht mehr wohlfühlt. So hatte die Torcida begonnen den Kampf öffentlicher zu machen und hang Spruchbänder in der Stadt auf. Einige sahen wir auch bei unserem Aufenthalt. In der Sommerpause begannen sie Graffiti zu malen, die den Protest als Thema haben. Meine Frage, ob der KB Trepça, also der Basketballverein den KF Trepça Zuschauer kosten würde, wurde verneint. Die Fußballspiele finden meistens unter der Woche am Nachmittag statt. Auf den erwähnten Sportplatz neben der Baustelle des Adem-Jashari-Stadion. Mir wurde erklärt, wenn der KF Trepça irgendwann mal wieder erfolgreich dem runden Leder hinterherjagen würde, würden die Zuschauerzahlen wieder steigen und vielleicht wäre dann das Adem-Jashari-Stadion, welches seit 2019 umgebaut wird, fertig. Der Fertigstellungstermin ist schon für 2026 festgesetzt. Nach unserer Rückkehr aus Klinë, vom Spiel des KF Dukagjini wollten wir uns selbst ein Bild des Status quo machen und schauten mal auf der Baustelle des Adem-Jashari-Stadion vorbei. Also wir müssen sagen, 2026 ist mehr als sportlich. Hier muss noch einiges getan werden und damit wir dabei nicht die Bauarbeiten stören, kam ein Security und scheuchte uns von der Baustelle. Die Torcida hat den Glauben, den Kampf um einen neuen Präsidenten zu gewinnen. Damit der Verein endlich wieder strukturierter geführt wird und er seiner großen Geschichte im kosovarischen Fußball gerecht wird. Nach der Baustelle ging es für uns schnell ins Apartment zum Umziehen, um dann in ein lokales Restaurant einzukehren. Am Abend hatten die Jungs um die Torcida Bair noch etwas mit uns geplant. Auf unseren Weg zum Abendessen liefen wir an der großen Isa Beg Moschee vorbei. Direkt daneben befindet sich das Monument für Shemsi Ahmet. Für ihn gab es bei dem gestrigen Spiel ein Spruchband -Shemsi Ahmeti flakadan i lirisë---Shemsi Ahmeti, die Fackel der Freiheit-. Er war ein Soldat aus Mitrovicë welcher im Kosovokrieg gefallen ist und gestern am Spieltag war sein Todestag. Im albanischen Wirtshaus gab es für mich ein Tavë Elbasani. Ein Auflauf mit Lammfleisch. Ohne Ahnung zu haben, kann ich behaupten die Pfanne war zu lange im Ofen. Das war alles ganz gut trocken. Zum Glück konnte ich mich mit einem guten Rotwein trösten. Gestern nach dem Basketballspiel verabredeten wir uns, wie geschrieben, mit ein paar Jungs der Torcida Bair. Wir fuhren zusammen zum Adem-Jashari-Gedenkkomplex. Dieses Memorial liegt 24 km südlich von Mitrovicë, in dem Dorf Prekaz. Dort wurde im März 1998 das Grundstück der Familie Jashari durch serbische Sicherheitskräfte angegriffen. Die Serben versuchten bei der Aktion Adem Jashari festzunehmen. Jashari war ein Mitbegründer der UÇK, der Befreiungsarmee des Kosovo. Er war dabei in Gefechte mit serbischen Sicherheitsorganen beteiligt. Zu dieser Zeit steigerten sich die Spannungen zwischen den Kosovo-Albanern und den Serben mehr und mehr. Der Kosovokrieg nahm seinen Lauf. Die serbischen Polizeieinheiten hatten schon einmal versucht Adem Jashari festzunehmen, doch die komplette Familie und Einheiten der UÇK wehrten den Versuch ab. Bei dem Angriff vom 5. bis zum 7. März 1998 wurde dann schwere Artillerie und Panzer eingesetzt. Wahrscheinlich war die Aktion nicht darauf ausgerichtet den UÇK-Kommandanten zu verhaften, sondern ihn zu töten. Die Serben gingen mit äußerster Härten vor und löschten so fast die komplette Familie aus. Nur zwei Kinder überlebten. Auf dem Grundstück und im Haus wurden unter anderem die Eltern, die Brüder und deren Kinder getötet. Unter den 58 Opfern waren 10 Kinder unter 16 Jahren. Man kann wohl behaupten, dass dieses Massaker ein Auslöser für den Beginn des Krieges darstellte. Die UÇK bekam nun immer mehr Zulauf und die Kämpfe nahmen an Brutalität zu, wenn sie dies nicht schon längst getan haben. Die Jungs zeigten uns das alte komplett zerschossene und zerstörte Haus. Für die Gedenkstätte wurde es überdacht, um es so vor der Witterung zu schützen. Es wurden uns die Gräber gezeigt und erklärt, dass es noch ein Museum gibt, aber um diese Uhrzeit war es natürlich geschlossen. Immerhin war es schon gegen 22:00Uhr. Die Mitglieder der Torcida Bair erklärten, das viele kosovo-albanische Ultra-Gruppen hier herkommen und Gedenkaktionen durchführen. Uns wurde erläutert, warum es ihnen so wichtig ist, uns dies hier alles zu zeigen. Einerseits wollen sie damit die Geschichte ihres kleinen Landes erklären und andererseits, darf der Kosovkrieg nicht in vergessen geraten, denn sonst wird sich die Geschichte wiederholen. Als sie uns erklärten, dass von einem der Jungs der Vater im Krieg gefallen ist, standen wir nur da und keiner konnte etwas sagen. Den Torcida-Jungs war es wichtig sich viel Zeit zu lassen, um uns alles haargenau zu erklären, wir stellten auch unserseits einige Fragen. Natürlich wissen wir um den Nationalstolz, welcher auf dem Balkan herrscht und welcher auch erst diese ganzen Kriege ermöglichte. Es war jedenfalls eine beklemmende Stimmung. Als wir wieder in Mitrovicë waren und die Grafitti-Runde begann, lockerte sich die Stimmung aber schnell wieder auf. Gestartet sind wir in ihren Viertel Bair. Es wurde uns einige balkantypische Wandbilder gezeigt und erklärt. Auch ging es nochmal an die Minatori-Basketballhalle, dort drehten wir eine Runde und wir sprachen über die Handballabteilung, welche die Torcida in einer schwierigen, finanziellen Situation unterstützte und nun sogar ein Torcida-Mitglied Präsident der Abteilung ist. Die Situation mit den serbischen Nachbarn hinter dem Fluss Ibër wurde erläutert, um dann mit einer Stadtrunde inklusive Graffiti-Besichtigung, den Abend an unserem Apartment zu beenden. Wir können nur vielen Dank für die Geduld und Zeit, welche sich die Jungs für uns genommen haben, sagen. Ein persönlicher Dank von mir an unseren Kontaktmann, dass ich, auch wenn ich oft Dinge nicht einordnen konnte mehrfach nachfragen musste, dies immer kein Problem war. Wir hoffen das ihr, die Torcida Mitrovica, euren Weg weiter geht, der Kampf gegen den Präsidenten zu euren Gunsten endet, das euer Stadion bald fertig wird und ihr euren Verein, den KF Trepça, darin unterstützen könnt. Es war ein mehr als respektvoller Umgang. Faleminderit an die drei Mitglieder der Torcida Bair! (Der Kulturbeauftragte)


ein kosovo-albanisches Frühstück

Mirusha-Wasserfälle

Adem-Jashari-Stadion

Spruchband gegen den Präsidenten

Shtrengoni tojat edhe ikni - Schnürsenkel schnüren und abhauen

Isa Beg Moschee

Shemsi Ahmet

Tavë Elbasani

Adem-Jashari-Gedenkkomplex



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