[DOKU] Rebellen am Ball – Fußball Dokumentation

Für die Fußball-Fans des FC Chelsea ist Didier Drogba ein Star, für die Menschen der Elfenbeinküste ist er ein Held. Seinem Verein brachte er im Champions-League-Finale gegen den FC Bayern München einen der wichtigsten Titel der Welt. Das merken sich Menschen. Seinem Land brachte er Frieden. Das vergessen sie nicht. Drogba ist einer von fünf Kickern, deren Geschichten der frühere Manchester-United-Profi und Schauspieler Eric Cantona als «Rebellen am Ball» erzählt. Neben dem Ivorer ist das auch der Chilene Carlos Caszely, der sich 1973 gegen das Pinochet-Regime stellte oder der Brasilianer Soctrates, der sich Anfang der 1980er während der brasilianischen Militärdiktatur für Demokratie einsetzte. In der 90-minütigen französischen Dokumentation geht Cantona am Sonntag (22.40 Uhr) auf Arte der Frage nach: Kann der Fußball die Welt verändern? Drogba konnte. Im Oktober 2005 war seine Elfenbeinküste in Nord und Süd gespalten und steckte mitten im Bürgerkrieg. Ivorer brachten sich gegenseitig um, während Drogba mit der Nationalmannschaft erstmals die Qualifikation für die Weltmeisterschaft schaffte. Da nahm sich der Kapitän nach dem entscheidenden Match im Sudan ein Mikrofon, fiel auf die Knie und flehte seine Landsleute live im Fernsehen an: «Vergebt einander. Vergebt einander.» Das Land dürfe nicht im Krieg versinken. «Bitte legt die Waffen nieder.» Doch Frieden kommt nicht nach einer Rede. Drogba musste einen weiten Weg gehen, bis in den Präsidentenpalast. Mit dem Goldenen Ball, der Auszeichnung für den besten Fußballer Afrikas, stand er im März 2007 vor Präsident Gbagbo und bat ihn, seine Trophäe auch in die Rebellenhochburg Bouaké tragen zu dürfen. Aus der Hauptstadt Abidjan flog er in den Norden, gegen den das Gbagbo-Regime Krieg führte. Die Menschen von Bouaké waren außer sich und feierten ihren Helden, Drogba zeigte sich als einer von ihnen. Nur drei Monate später kehrte er mit der Nationalmannschaft zurück, und absolvierte in dem bis dahin verlassenen Stadion ein Länderspiel, das die verfeindeten Volksstämme wieder zueinander brachte. Neben Cantona und seinen fünf «Rebellen am Ball» lassen die Regisseure Gilles Perez und Gilles Rof Wegbegleiter und Zeitzeugen zu Wort kommen und zeigen Szenen auf und neben dem Fußballplatz. Es wird klar: Mit ihrer Medienpräsenz und ihrer Stellung als sportliche Idole können Fußballer in der Not Erstaunliches bewegen. Aber nur wenige erkennen die Bedrohungen ihrer Zeit und haben den Mut, sich gegen die Politik zu erheben.

Ahoj, du hast das Wort.

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