Rotärschereport Nr. 1,2 und 3

Rotärschereport Nr. 1,2 und 3 – B-Block Würzburg – FC Kickers Würzburg

„Auch an uns geht die Entwicklung von „Kulturen“ wie den Ultras natürlich nicht vorbei, aber auch hier sind Kickers weiterhin „anders“, sind soweit Ultra wie wir es wollen und so wenig Ultra, wie wir uns eben nicht in eine Schublade stecken lassen wollen.Nur – wen Ultra das ist, was es eigentlich sein soll – ein Leben mit und für den Verein – dann braucht sich unsere Szene sicher nicht verstecken!“ – Auszug aus Rotärschereport Nr. 1

Kaum zu glauben aber war: beim FC Kickers Würzburg in der Landesliga Nord (sechste Liga in Bayern) gibt es eine kleine aktive Fanszene: den B-Block Würzburg. Ein Zusammenschluss aus den Gruppen Dallenberg Street Elite, Natural Born Kickers, Linie 5 und Fettschmelzenmongos.
Und diese kleine Szene gibt auch ein eigenes Fanzine heraus: den Rotärschereport. Schon im Jahr 1998 gab es ein Fanzine Names Ultramtiv in Würzburg. Im Jahr 2010 wurde dann wieder das Schreiben aufgenommen um alle die es wollen an den Erlebnissen, Ereignissen und Geschichten rund um die Kickers Würzburg teilhaben zu lassen.

Großartige Berichte über bis ins Detail geplante Choreos und Gesänge braucht man nicht erwarten. In diesem Heft wird man klar mit der Landesligarealität konfrontiert. Um dies zu verarbeiten, sind die die B-Blocker wohl alle zu Alkoholikern geworden. Anders kann ich mir die von Suffgeschichten geschwängerten Berichte nicht erklären, die sich rund um die Spiele in der Landesliga Nord, Pokal und Stadtmeisterschaft drehen. Zwar nicht so mein Fall, aber es werden auch ernste Themen in den drei Ausgaben aufgegriffen: Pyrokampagne (bei der die Würzburger federführend sind, die Lage des Vereins, ein Treffen mit dem BFV, Rückblicke wie man zu den Kickers kam usw.). Für richtige „Ultras“ sind diese Hefte wohl nichts. Ein Fanzinesammler sollte sich den Rotärschereport aber unbedingt zulegen. Denn trotz der Suffeskapaden kommt das Heft sehr sympathisch und vor allem authentisch daher. Von daher schließe ich mit einem weiteren Auszug aus dem Rotärschereport ab. Diesmal aus der Nr. 3 aus der Rubrik „Was is das eigentlich – Trinken und Stinken?“. (goju)

Die „Was ist das eigentlich?“-Rubrik erklärt nach „Landesliga“ und „B-Block“ in ihrem 3. Teil einen kleinen Schlachtruf und damit eine im Block typische Einstellung zum Thema Support.

„Trinken und Stinken“ hat sich irgendwie zu einem der jüngsten Schlachtrufe des Blockes entwickelt.
„Warum“ braucht man da kaum zu fragen. Bier wurde von uns schließlich zum Lebensinhalt nach unseren Rothosen auserkoren. Tja, da sind wir also, ein saufender, pöbelnder, stinkender Haufen Asoziale? Oder nicht? Nö, sorry, so einfach is es nicht.
Irgendwie drückt dieser Ruf nur aus, dass es uns relativ am Arsch vorbeigeht, was andere von uns denken. Schlagen wir bei einem Spiel als feiernder Partypöbel ein, wissen wir bei „großen Spielen“ durchaus mit Choreos, geilen Gesängen und geschlossenen Block zu überzeugen. Und stehen beim nächsten Spiel möglicherweise scheinbar desinteressiert am Spielfeldrand und lassen nur 2-3 Schlachtrufe ertönen. Uns juckt dieses durchgeplante Supporten bei 0815-LaLi-Kicks einfach nicht, das ist alles.
Muss es Ultra sein, wenn man eine Szene sein will? Wir sagen nö, und bekennen uns zum Klassiker: Fußball, Ficken,Alkohol und gerne etwas Remmidemmi außenrum. Bisschen Proll, bisschen Pöbel, bisschen Schickimicki Würzburg.
Nix gegen die geilen brachialen Ultragruppen und Kurven, die man in deutschen Landen ja durchaus findet. Wer würde da nicht gerne hinkommen?
Aber in anderen Gruppen hat man manchmal das Gefühl, dass alles nach Belieben austauschbar ist. Setzt ne andere Stadt und Verein in die Gesänge und tauscht die Farben aus. Wo bleibt da Identität?
Wir haben auch diese geschwollenen Begriffe wie „Stolz“, „Liebe“ und „Leidenschaft“ in unseren Sogs, das ist ja auch das, was man fühlt, wenn man durch und durch eine Rothose ist. Aber verarscht man sich nicht irgendwann mit diesen manchmal hohl erscheinenden Phrasen selbst, wenn sie wieder und wieder nur um des Singens willen gesungen werden?
Soll jeder halten und machen wie er will, keine Frage, aber unseres isses halt nicht.
Mir tut’s leid um die Werte, das Denken und den Lebensweg vieler Ultras, dass das Wort Ultra bei uns oft belächelt wird. Denn ich bewundere die, die ihr Ding durchziehen und ihr Leben tatsächlich ihrem Verein unterordnen – und nicht das Ultrasein dem Verein überordnen, wie es so oft geschieht.
Man werfe einen Blick über den Tellerrand in die guten Szenen oder in andere Länder und sieht, was Ultra wirklich bedeuten kann und sollte!
Jeder von uns ist 24/7 Kickers, egal was er sich auf die Fahne schreibt. Vermutlich hüpfen hier mehr Menschen rum, denen man einen „Ultra“-Stempel geben könnte, wenn man an den Werten misst, die wirklich wichtig sind, als es manchen dieser „Jugendkultur“ bewusst ist. Hier ist immer jeder für den Verein und jeder für den Anderen da! Das macht die Gruppe aus, und keine Uniformierung, Standardisierung und kopierte Rituale.
Scheinbar geht es vielen Szenen primär um ihr Selbst- und Außendarstellung. Dies ist uns auch wichtig, keine Frage, alles andere wäre gelogen. Aber an erster Stelle steht nur eins: Die Kickers! Was jeder von uns, manche auch schmerzlich erfahren müssen, ist, dass man sein Ego, seine Ansprüche an die Szene und seine eigene Vorstellung immer einem unterzuordnen hat: Dem Fußballclub, den man liebt.“

Rotärschereport Nr. 1

Preis: 4,00 Euro
Seiten: 68

Rotärschereport Nr. 2

Preis: 3,00 Euro
Seiten: 72

Rotärschereport Nr. 3

Preis: 2,00 Euro
Seiten: 48
Kontakt: www.b-block-wuerzburg.de – rotarsch(at)b-block-wuerzburg.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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