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01.05.2017, 16:30 Uhr
Wiener Sportklub – First Vienna FC 1894
Wien, Sportclub-Platz
Regionalliga Ost – 7.812 Zs. – 1:0

Der Abschied aus Graz fiel doch etwas schwer. Doch der Flixxer wollte sicherlich nicht auf mich warten und mein Geld wollte ich auch nicht verbrennen. Und das kleine Derby in Wien, das „Derby of love“, zwischen dem WSK und der Vienna ist ja nicht der schlimmste Grund um nach Wien zu fahren. Und auch hatte ich es ja schon mal in der Hohen Warte gesehen. Zeit für den Besuch auf dem Sportclub-Platz wurde es nun nach fast neun Jahren. Damals war es Pokal, an diesem Tag Liga.

Wien, eine Stadt, zu welcher ich doch ein ambivalentes Verhältnis habe. Auf der einen Seite sagt mir der viele Prunk und das Gemache rund um die Kaiserzeit nicht zu. Auf der anderen Seite finde ich die Wiener Gelassenheit doch sehr ansprechend. Und natürlich den Dialekt. Wenn dann so ein sportliches Modul auf dich zukommt, wie BicMäc erwähnte, und dann den Mund aufmacht, da kannst du den echt nicht ernst nehmen. Auch damals beim großen Wiener Derby, als sich ein Grüner und ein Lila-Weißer verbal duellierten, kam ich aus dem Lachen absolut nicht mehr raus. Einfach zu köstlich. Aber wie der Kostverächter in der Nachbetrachtung zur Tour eine Woche später anmerkte, geht es einem Westdeutschen, welcher nach Sachsen kommt und verbal bedroht wird, sicherlich auch nicht anders. Und auch der Ruhrpottdialekt hat ja für mich als Dresdner so einen besonderen Reiz: „Höma, Gelsenkirchen, dat is dat Perle unter die Städte.“ Dialekte sind einfach wunderbar. Also bis auf die Aneinanderreihung von Lauten aus dem Erzgebirge, genauer ASZ. Das geht überhaupt nicht.

Doch ich schweife ab. Das „Derby of love“ bekam seinen Namen, weil es entgegengesetzt zum großen Derby ein doch eher sehr friedliches und wenig bis gar nicht ultralastiges seiner Art ist. So bekamen sogar die Mannschaften nach dem Abpfiff von den jeweiligen anderen Fans ihren Applaus, als sie die Fanblöcke passierten. Das hatte ich bisher nur bei Dynamo gegen Zwickau erlebt. Auf Fanebene ist nicht davon zu sprechen, dass zwischen beiden Fanlagern die große Freundschaft und Liebe existiert, doch beide Seiten kennen und achten sich halt gegenseitig. Und in der Regionalliga Ost gibt es dann auch nicht so viele Vereine mit ähnlichen Fanszenen. Und politisch haben beide Lager auch die gleichen Ansichten. So ein wenig links von der Mitte weg.

Der Support gestaltete sich wenig organisiert und eher spontan. Wobei die Vienna hierbei eine englische Schiene fuhr. Nach dem 1:0 für den WSK wachte auch die Friedhofstribüne (heißt so, weil hinter dem Stadion der Dornbacher Friedhof ist) etwas mehr auf, was seitens der Blau-Gelben mit „You only sing when you winning!“ quittiert wurde. Dennoch war hier eine wunderbare Fußballatmosphäre, welche durch das spannende Spiel gut gefördert wurde. Auch wenn dies bis zur 80. Minute nach einem mageren 0:0 aussah. Bemerkenswert fand ich auch, das direkt neben und hinter mir die Zuschauer ihr eigenes Bier in Dosen oder Flaschen mit ins Stadion brachten. „So was gibt es ja in Deutschland gar nicht mehr!“ Und weil die Atmosphäre hier noch nicht entspannt genug war, gingen nach dem Abpfiff die Tore von den Tribünen zum Spielfeld auf und Hinz und Kunz spazierten und die Kinder tollten über den Platz. Komplett andere Fußballwelt hier. Und merke: ein anderer Fußball ist möglich. Und weil ich noch immer nicht fertig mit dem Loben bin, erwähne ich noch die Zuschauerzahl von über 7.000. Damit hätte ich am Wenigsten gerechnet, dass die Leute dem WSK die Bude einrennen. Doch Feiertag und Anstoßzeit machten es möglich. Oder die Aufsicht darauf, dass die Vienna zwar Tabellenführer ist, aber auf Grund finanzieller Engpässe wohl den Gang mindestens eine Liga antreten wird und dieses Derby wohl das letzte auf lange Zeit war. Denn der Verband darf entscheiden, in welche Liga er die Vienna versetzt. Also von der Vierten an abwärts. Bleibt der Vienna nur zu wünschen, dass sie alsbald wieder in die dritte Liga aufsteigen und die finanzielle Schieflage beheben. Und dem WSK, dass er sich sportlich auch mal wieder nach oben orientiert. Ein sehr guter Abschluss des langen Wochenendes und als ich am späten Abend im Bus nach Dresden saß, sträubte sich in mir alles. Denn lieber wäre ich noch weiter gen Süden gefahren und hätte ein paar mehr Kilometer Distanz zwischen mir und der Heimat aufgebaut. Doch auch in Dresden wartete eine gute Nachricht auf mich. Denn die Krankenkasse schickte mir endlich den Brief, mit welchem sie mir mitteilte, dass sie die 135€ vom Bonusprogramm überweist. Yeah, die Tour zu mehr als der Hälfte refinanziert. Läuft! (goju)






Weitere Begegnungen zwischen diesen zwei Mannschaften:

Ahoj, du hast das Wort.

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