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08.02.2020, 14:00 Uhr
SV Blau-Weiß Lindenau 1949 e.V. – SV Aufbau Oppelhain e.V.
Lindenau,Sportareal Blau Weiß Platz 2
Südbrandenburgliga – 40 zs. – 6:4

„Wo bleibt der Bericht? Was ist mit dem Bericht zu Lindenau? Die Sportplatzbilder sind schon veröffentlicht? Bericht? Hallo, wann kommt mal der Bericht? OB DU ENDLICH MAL IN DIE TASTEN HAUST, HATTE ICH DICH GEFRAGT!“

All das schickte mir der Kulturbeauftragte mehrmals stündlich am Tag. Und das nur, weil ich ihm ein Video mit dem Satz „Dort waren wir heute.“ schickte. Und da konnte er es freudig erregt kaum mehr erwarten, wann ich fertig bin mit schreiben. Doch zugeben muss ich, dass mich mich noch nie um einen Spielbericht so herumgedrückt habe, wie es bei diesem der Fall war. Und weil ich auch noch ein Mensch bin, welcher alles streng nach seiner inneren gedanklichen Liste erledigt, war hier bei der Schnecke jetzt auch wieder längere Zeit Ruhe. Denn einen geeigenten Anfang für diesen Spielbesuch zu finden, fiel mir schwer. Zunächst wollte ich sogar nur ein Suchsel als Text anbieten. Da hättet ihr mal endlich mal für eure grauen Gehirnzellen zu tun gehabt. Doch jetzt, jetzt waren die Gedanken halbwegs geordnet und naja….lest selbst:

Zunächst begann der Morgen für mich mit dem Gedanken „Mi ne dormas multe.“ Die Nacht zu kurz, die Arbeitswoche wie immer zu lang, doch die Aussicht auf die Rückkehr in die Heimat Südbrandenburg weckte die Lebensgeister in mir. Ähhh….was….?...Heimat??? Moment!: Natürlich ist Südbrandenburg nicht die Heimat und wird es auch nicht werden. Dann doch lieber das Saarland.

Nach wie immer ereignisloser Fahrt sahen wir im Vorbeifahren das Lindenauer Schloss und als der Kostverächter das Auto abparkte sagte er so ganz nebenbei:

„Das ist übrigens ein Naziverein.“

„Was?“

„Na hier hat irgend so ein Typ mit sehr rechten Tendenzen das Sagen. Da war sogar in der Fuppes-WA-Gruppe ein Video zu drin.

„Hatte ich nicht gesehen.“

„Schick ich dir mal.“

„Und wie sind jetzt hier die Verhaltensregeln? Muss ich bei jedem Ballkontakt abhetlern und drei Ecken sind ein Hakenkreuz? Oder wie? Oder was?“

„Keine Ahnung. Wir werden sehn.“

„¯\_()_/¯.“

Wer sich jetzt brennend dafür interessiert, um welches Video es sich handelt, schaue unter diesem Satz:

Tja...und bis auf das „Parkelf erwache.“ war es hier dann doch eine recht normale Veranstaltung. Ob hier ein Bezug zum „Deutschland erwache“ aus dem „Sturmlied“ von Dietrich Eckhart gegeben ist, muss wohl jeder für sich selbst einschätzen. Einzig das „OFC“ in den Rückennummern des Heimteams brachte uns ein wenig zum Grübeln. Könnte dieses Kürzel für den Ortrander FC stehen? Wurde es aus Solidarität zum OFC aufgeflockt, oder wurden einfach nur die Trikots vom OFC als Kleiderspende an Lindenau überreicht?

Das doch torreiche Spiel (und an diesem Tag eines der wenigen Pflichtspiele) bot teilweise sportlich gute Unterhaltung. Zwar wieder ordentlicher Knochenbrecherfußball, aber das ist uns doch egal. Und jeder Nebenplatz ist ein guter Nebenplatz, werter Kulturbeauftragter.

Doch jetzt, so am vermeintlichen Ende des Textes, frage ich mich doch, ob das alles sein soll. In Zeiten von aufkommenden Nationalismus, einem sich selber einschließen in den eigenen Landesgrenzen. Was soll es bringen? Der Mensch zählt per eigener Definition als das intelligenteste Wesen auf diesen unseren Planeten Mutter Erde. Und leider ist er auch das einzige Wesen auf der Erdoberfläche, welcher es schafft, den Planeten zu zerstören. Kein anderes Tier käme überhaupt auf die Idee, seine Lebensgrundlage zu zerstören. Aber die Menschheit, irgendwo zwischen Pavianfelsen und Tempo 200 durch die Innenstadt, bekommt sich seit ihrer Existenz irgendwie nicht auf die Reihe. Allzu oft wird gesagt, wir müssen aus der Geschichte lernen. Und prompt wiederholt sich das, was in den Geschichtsbüchern steht, aufs neue. Marie von Ebner-Eschenbach sagte es einst:

„Der Klügere gibt nach! Eine traurige Wahrheit, sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit.“

Die Dummen schreien laut. Und leider bekommen die, die schreien recht. Wieso? Schaffen es die Klügeren nicht „Halt die Fresse!“ zu sagen? Können die klügeren Menschen das Geschrei nicht aushalten und sagen sich dann „Ja dann gib ihm doch sein Spielzeug, das Sturmgewehr.“ Da brauchen wir uns dann doch nicht wundern, wenn die Trumps, die Putins, die Erdogans, die Assads und eine Nummer kleiner die Gaulands, Höckes usw. Aufwind bekommen, weil sie agieren können. Missgunst und Hass unentwegt aussähen, Menschen am Nasenring durch die Mangege führen und Minderheiten gegeneinander ausspielen. Wir als Menschen haben bis jetzt und auf Weiteres nur diesen einen verdammten Planeten zum Leben. Aus welchen Grund machen wir oder lassen wir es zu, dass uns a) die Erde und b) das Zusammenleben zur Sau gemacht wird. Der Großteil der Menschheit will doch einfach nur in Ruhe leben und sein Tagwerk verrichten. Und dann kommt so ein kleiner Teil und hetzt gegeneinander auf und reicht die Waffen zum Kampf. Die im Kopf kaputten Menschen, egal welcher Nation, religöser Ansicht oder anderen Welt- und Lebensanschauung sind doch in der Minderheit…..aber leider bewaffnet. Und hier stelle ich mir immer die Frage: Wie feige muss Mensch sein, um mit Waffen zu morden? Ist er so wenig sicher in seiner selbst, dass er andere Menschen töten muss, weil diese etwas anders denken oder leben? Und auch frage ich mich, wie feige oder einfach gestrickt Menschen sein müssen, dass sie dies nicht merken und für solche Menschen ebenso zur Waffe greifen.

Es ist schlimm, wie sich vor Jahren noch unsagbares mitten in den Alltag manövriert hat. Es ist aber auch ein Zeichen dafür, dass dieses Unsagbare nie weg war. Das Naziregime wurde besiegt, eine Entnazifizierung wurde in Gang gesetzt und dennoch lebt dessen Idee weiter. Der Islamische Staat wurde besiegt, doch dennoch lebt seine Idee weiter. Sollten wir alle in uns gehen und uns selber fragen, ob wir selber Ideen haben, oder Ideen uns haben? Sollten wir mehr Verantwortung für uns selbst und andere übernehmen? Mehr Empathie wagen? Den Regierenden den Finger zeigen und wenn ein Staatsoberhaupt zum Krieg aufruft ihn mit „Mach doch deinen Dreck alleene!“ anschreien? Sollten Mütter entscheiden, ob ihre Kinder zu einer Armee gehen und in den Krieg ziehen können? Sollte Humanismus ein Unterrichtsfach, neben "Lernen lernen" und Lebensgrundlagen wie "Das Mieten einer Wohnung", oder "Verträge lesen", für die Schulen werden? Vielleicht ist es auch notwendig, dass die Menschheit die Wirtschaft wieder zurückfährt und sich auf notwendige Dinge konzentriert. Denn ein unendliches Wachstum kann es auf einem endlichen Planeten nicht geben und geht, wenn der Gedanke weiter verfolgt wird, nur auf Kosten von der Menschheit, der Umwelt, des Planeten, kurz: uns allen.

Oder wir bereiten dem Schrecken endlich ein Ende, legen noch mal Feuer im Amazonasgebiet und in Sibirien, starten noch mal alle das Auto und drücken das Gaspedal durch, lassen die letzten sauberen Gewässer umkippen, drehen an den Schlüsseln für die Atombomben, schauen uns die letzten Blitze an und fassen, während uns der Wind und der Dreck der Atomexplosion durch das Haar fährt, den letzten Gedanken: „Scheiße, was waren wir dumm.“ Für mich als Misantroph natürlich die bessere Variante. Die Menschheit hat es in der Hand. Jeder Regen beginnt mit einem Tropfen. Jede Veränderung beginnt mit einem Schritt. Nur leider scheint die Menschheit zu faul zu sein, diesen einen Schritt zu machen. Selbst wenn der Fuß in einem Haufen Scheiße steht. Menschheit, ich mache mir mit dir nicht mehr allzu viel Hoffnung. Sauft euch zu, kifft euch zu, beamt euch das Hirn mit irgendwelchen anderen Drogen weg: es macht es scheinbar leichter, diesen ganzen Wahnsinn zu ertragen. Denn auch ich weiß, dass gleich wieder irgendwelche Menschen mit „Ja aber…“ und „Die Flüchtlinge...Danke Merkel“, oder „Die da oben machen doch eh was sie wollen.“ um die Ecke biegen. Ebenso weiß ich, dass leider zu viele verstrahlte durchs Land laufen. Das merke ich allein täglich auf dem Fahrrad im Straßenverkehr.

Bis die Enterprise, laut Jahreszahl im Drehbuch, auf Reisen geschickt werden soll, haben wir nicht mehr viel Zeit. Packen wir es an. (goju)






Weitere Begegnungen zwischen diesen zwei Mannschaften:

Ahoj, du hast das Wort.

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