Kongress „Feindbilder ins Abseits“ am 12.01.2011 in Frankfurt/Main

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kongress „Feindbilder ins Abseits“ am 12.01.2011 in Frankfurt/Main

Am 12.01.2011 fand in Frankfurt am Main ein Kongress zum Thema „Feindbilder ins Abseits“ statt. Federführend durch die Gewerkschaft der Polizei organisiert, lud sie in in Verbindung mit dem DFB und der DFL zu diesem ganztägigen Kongress. Als offizielle Vertreter der SG Dynamo Dresden waren Fanbeauftragter Jan Männig und Sicherheitsbeauftragter Sören Klar anwesend. Als Vertreter des Fanprjektes Dresden Christian Kabs und Korinna Dittrich. Dazu noch ein Vertreter der Fanszene Dresden.

Der Kongress begann mit drei Grundsatzstatements der Herren Witthaut, Zwanziger und Strutz. Im Anschluss daran waren die Kurzreferate der jeweiligen Vertreter der Polizei, Fanprojekte, Fanbeauftragte und an der Reihe. Abschließend ging es nach einer Pause in die Podiumsdiskussion über.

Grundsatzstatements

Votrag Herr Witthaut – GdP Bundesvorsitzender

Die Pole Position bei den Kurzreferaten hatte Bernhard Witthaut inne. Seines Zeichen GdP Bundesvorsitzender. In seiner Rede, die auch als Pressemeldung auslag, der in seiner Rede auf die bekannte Problematik der zu vielen Einsatzstunden von Polizisten bei Fußballspielen einging. Er führte an, dass auf dem Symposium „Fußball und Gewalt“ der GdP im Olympiastadion Berlin am 15. Mai 2009 Experten und Praktiker ein realitätsnahes und daher eindrucksvolles Bild der polizeilichen Anforderungen und den physischen und psychischen Belastungen vermitteln konnten, die Fußballeinsätze mit sich bringen. In der Saison 2008/2009 hätte die Einsatzbelastung der Polizeien der Länder und des Bundes einen Rekordwert von über 1,5 Millionen Einsatzstunden erreicht, was der Jahresarbeitszeit von 1.174 Polizisten entspreche. Allein in den letzten neun Jahren gab es im Rahmen von Fußballspielen einen Anstieg von rund 600.000 Arbeitsstunden. Des weiteren führte er an, dass in der Saison 2008/2009 im Vergleich zur Saison 2000/2001 460 Polizisten mehr eingesetzt worden, die rein statistisch nichts anderes machen würden, als problematische Fangruppen von morgens bis abends das ganze Jahr über zu begleiten.

Seiner Rede ist auch zu entnehmen, dass bei 306 Spielen in der Bundesliga in der Saison 2008/09 537.000 und in der darauf folgenden Saison 2009/10 574.000 Einsatzstunden zu erbringen waren. In der 2. Bundesliga hat sich im gleichen Zeitraum die Zahl der Einsatzstunden von 292.000 auf 409.000 erhöht. Nicht unwesentlich dazu beigetragen hat der Aufstieg von Fortuna Düsseldorf in die 2. Bundesliga, da Düsseldorf mit seinem Ambiente und seiner Kneipendichte ein beliebtes Reiseziel für Gästefans sein soll. Demgegenüber sank die Zahl der Einsatzstunden in der 3. Liga bei 380 Spielen im selben Zeitraum von 336.000 Arbeitsstunden auf 259.000.

Sehr früh kommt Herr Witthaut in seiner Rede zum springenden Punkt, der da ist, dass in den einzelnen Bundesländern neue Pläne für einen weiteren Stellenabbau, auf Grund der Haushaltslage der Länder, bei der Polizei bereitliegen. Man muss her Witthaut hier zu Gute halten, dass er als Vorsitzender der GdP sich für seine Kollegen und Kolleginnen einsetzt und ihre Arbeitsplätze erhalten will. Ob jedoch dieser Kampf, der durch Sparzwänge ausgelöst wurde, die Politiker beschließen, auf dem Rücken der Fußballfans ausgetragen werden muss ist fraglich. Denn durch unsachliche teils falsche Argumente die Herr Witthaut verbreitet schürt er eher neue Ressentiments. Er führt das Land Brandenburg als negatives Beispiel an, dass seine Polizeikräfte immer weiter reduziert, aber die Fußballszene um ein paar besonders prekäre Vereine bereichert hat, weswegen immer wieder Einsatzkräfte aus Nordrhein-Westfalen in Brandenburg Unterstützung leisten müssen. Wer sich nun aber in der Fußballszene auskennt, weiß das es in Brandenburg so viele Vereine mit größeren und vor allem problematischen Fanpotenzial nicht gibt. In der 2. Bundesliga gibt es Energie Cottbus, die bis auf die Spiele gegen Herta BSC Berlin, Union Berlin, Erzgebirge Aue und mit Abstrichen noch den Karlsruher Sportclub, auf Grund der Fanfreundschaft zu Hertha BSC, keine weiteren Hochsicherheitsspiele haben (wenn man diese überhaupt schon als solche werten kann). In welche Kategorie die Spiele generell eingestuft werden, entscheidet immer noch der zuständige Einsatzleiter. Und das diese oft daneben liegen ist bekannt. In der 3. Liga gibt es nur den SV Babelsberg, dessen Anhängerschaft sich im beschaulichen Rahmen hält und in der Mehrzahl von Gewalt distanziert. In der Regionalliga Nord gibt es nur die zweite Mannschaft von Energie Cottbus. So sind im Land Brandenburg in den ersten vier Ligen drei Mannschaften aus Brandenburg vertreten. In der darauffolgenden Ebene der Oberliga sind es ein paar mehr, doch ist deren Zuschauerpotenzial als gering einzuschätzen und die meiste Panik bei den Einsatzleitern entsteht aus den Fans des BFC Dynamo, die über brandenburgische Dörfer tingeln. Wo, Herr Witthaut frag ich sie, wo sind die von ihnen angeführten prekären Vereine?

Ein weiterer Punkt, den die Gdp immer wieder gefordert hat ist, dass sich Fußballvereine an den Polizeieinsetzen beteiligen sollen. Diesem wird jetzt durch Herrn Witthaut aber widersprochen, da diese Forderung seiner Meinung nach politisch unsinnig und juristisch falsch ist, denn dann müssten auch unter dem Gesichtspunkt der Gleichbehandlung auch andere Veranstalter (zum Beispiel von Weinfesten, Bürgerfesten usw.) zur Kasse gebeten werden. Denn es wurde erkannt, dass die Gewaltentwicklung nicht ein Problem des Fußballs alleine ist, sondern die Gewaltentwicklung in der Gesellschaft zu lange ignoriert und verharmlost wurde. Wobei er im Nachsatz sagt, dass es falsch wäre, die seit den 60er Jahren berühmt gewordenen „gesamtgesellschaftlichen Ursachen“ verantwortlich zu machen und sich zurückzulehnen.

Der Einschätzung der Gewerkschaft der Polizei nach ist das Fußballgeschehen nicht die Ursache, aber es kristallisiert diese gesellschaftlichen Erscheinungen, die sich natürlich auch an den 1,7 Millionen Fußballspielen jährlich festmachen und uns alle zu Konsequenzen zwingen sollen. In den Augen von Herrn Witthaut ist es eine Zumutung, den normalen Bürger, der mit seinen Steuern die Polizei bezahlt und der ein Recht auf innere Sicherheit hat, weiterhin jährlich 1,5 Millionen Einsatzstunden „seiner“ Polizei vorzuenthalten.

Die Forderungen der GdP sind deshalb:

  • Entzerrung der Spielpläne durch Rücksichtnahme auf feststehende und flexible Termine und Reaktion auf kurzfristig auftretenden Situationen/Terminkollisonen – notfalls bis zur Spielabsage
  • Konsequente Durchsetzung der Sicherheitsvorschriften aus den Sicherheitsrichtlinien auch bei unteren Ligen (4. +5.)
  • Stadionverbote müssen einheitlich gehandhabt werden – auch in klassentieferen Ligen. Stadionverbote sollten verstärkt zu Transportverboten der Deutschen Bahn führen.
  • Ausbau der Fanbetreuung auch bei Vereinen in niedrigeren Ligen – auch mittels finanzieller Unterstützung DFB (oder DFL – da Vereine der 1., 2. und auch 3. Liga Interesse daran haben müssen, dass Fußball kein negatives Image erhält)
  • Vereine müssen animiert werden, entschiedener gegen Gewalttäter vorzugehen
  • Zuverlässigkeit der Ordnungsdienste in unteren Ligen sicherstellen
  • Einwirken auf Politiker, dass genügend qualifiziertes Personal vorgehalten wird, um Einsatzgeschehen inklusive Fußballeinsätze sicherzustellen
  • Einwirken auf die Justizminister der Länder, ausreichend Personal bereitzustellen, um Problemspiele zu begleiten und eine schnelle Reaktion auf Straftaten (Haftbefehle) sicherzustellen
  • Das Nationale Konzept Sport und Sicherheit muss häufiger mit den polizeilichen Gefahrenprognosen abgeglichen werden.

Im letzten Abschnitt seiner Rede fordert Herr Witthaut, dass ausschließlich Kombitickets für den Stadionbesuch und die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ausgegeben werden sollten. Diese Vorgehensweise soll verhindern, dass statt eingesetzter Sonderzüge mittels Sonderangeboten der Deutschen Bahn (zum Beispiel Wochenendticket) die Regelzüge genutzt werden. Auch ein generelles Alkoholverbot in Zügen oder bei Sportveranstaltungen zieht er in Betracht, da die meisten Gewalttaten mit Alkohol- und Rauschgiftkonsum in Verbindung stehen.

Als Fazit bleibt, dass die GdP in Person von Herrn Witthaut wiederholt nur populistische Forderungen aufstellt. Am besten alles verbieten und auffällig gewordene Personen einsperren oder von gesellschaftlichen Veranstaltungen aussperren. Eine zweite Chance soll es wohl für diese Personen nicht geben. Wenn eine Person dieser Rede beigewohnt hätte, die noch nie ein Fußballspiel besucht hatte, wäre diese Person unweigerlich zum Schluß gekommen, dass es beim Fußball von den Senioren bis hin zu den Jugendmannschaften jedes Wochenende ohne unterlas knallt und die Stadtteile um die Sportplätze und Stadien immer wieder aufs neue in Schutt und Asche gelegt werden.

In Zeiten einer immer mehr verrohenden Gesellschaft lesen sich diese Forderungen und Ansichten zwar gut, da sie ein konsequentes Handeln der Entscheidungsträger befürworten, doch sollte man doch eher auf die Gründe der immer mehr verrohenden Gesellschaft eingehen. Der Frust der Menschen der sich zum Teil beim Fußball entlädt hat nicht nur mit Spaß an der Freude zu tun. Nein, dieser Frust entsteht auch aus Perspektivlosigkeit, einer Ellenbogengesellschaft in der man schon als Kind zu Leistung und den Blick auf sich selbst und sein eigenes Wohlergehen getrimmt wird und aus einer Ohnmacht eben gegenüber den handelnden Entscheidungsträgern. Gerade beim Fußball ist man öfters willkürlichen Handlungen seitens der Polizei und auch arroganten Auftreten eingesetzter Beamter ausgesetzt. In Zeiten in denen immer mehr Sozialprojekte abgebaut werden, Geld für Schulen und soziale Einrichtungen eingespart wird und teilweise auch Eltern an der Erziehung ihrer Kinder scheitern, sollte man lieber den Eingeschlagenen Weg verlassen und Sozialprojekte verstärkt fördern. Den Verbote und Regulierungswut fördern nur den Frust, der sich wo und wie auch immer seinen Weg nach außen sucht. Und eine frage hätte ich noch an Herrn Witthaut: Was sind normale Bürger? Sind sie schon so verbohrt, dass sie Fußballfans als abnormal abstempeln? Und wenn schon ein Alkoholverbot beim Fußball, warum nicht gleich ein Alkoholverbot für die kompletten öffentlichen Bereiche?

Vortrag Herr Zwanziger – Präsident des DFB

Die Rede von Herrn Zwanziger begann sogleich mit einer wichtigen Aussage: Fußball ist Freiheit. Fußball lebt von Emotionen.

Er ging auch direkt auf die aufgestellten Thesen des Herrn Witthaut ein. So zeigte er auf, dass jedes Wochenende 80.000 Fußballspiele in Deutschland stattfinden. Das mal zwei multipliziert sind 160.000 Mannschaften. Wenn man das noch auf elf Spieler pro Mannschaft, drei Schiedsrichter und die anwesenden Zuschauer hochrechnet, hat man die Gesamtzahl an Menschen allein in Deutschland die der Fußball jedes Wochenende bindet. Da sind seiner Meinung nach Emotionen normal und gehören auch dazu.

Der Fußball ist der Auffassung Herrn Zwanziger nur der Gesellschaftsspiegel, denn Kriminalität gibt es auch in der Schule, im Kindergarten, bei Staatsanwälten und auch bei Richtern.

Weiter führte er aus, dass „Fußball für Integration steht“. Jeder kann einem Verein betreten und sich engagieren. Es gibt Mannschaften mit Spielern aus mehreren Ländern, aber auch Mannschaften mit Spielern aus nur einem Land in Deutschland. Doch sie alle verbindet ein und die selbe Sache: der Fußball!

Herr Zwanziger meint weiter, dass der Fußball ohne Fans nicht überlebensfähig ist. Denn nur wenn die Stadien voll sind, wird über Fußball berichtet. Fans und Fußball gehören einfach zusammen.

Fanprojekte sollen erhalten werden, denn sie sind wichtige sozialpädagogische Einrichtungen. Doch kürzt ja wie bekannt die Politik ganz gern mal im sozialen Feld. Zwar können der DFB und die Fanprojekte soziale Probleme nicht beheben, können aber an ihrer Lösung mitwirken, in dem sie eben Menschen auch eine Perspektive geben.

Mit seinen abschließenden Worten richtete sich Herr Zwanziger noch einmal an Herr Witthaut: „Wir sind nicht die Einzigen, die die Polizei in Anspruch nehmen. Ein knapper Prozent der Einsatzstunden entfällt auf den Fußball. Und man sollte auch Fans im Auge behalten, die durch ein ungerechtes Stadionverbot betroffen sind.“

Vortrag Herr Strutz – Präsident des FSV Mainz 05 und Vize-Ligapräsident

Herr Strutz sprach in seinem Vortrag davon, dass man sich auch mit der Legislative, den Gesetzgebern und Entscheidungsträgern, in einem Forum an den Tisch setzten muss. Denn die Legislative legt auch den Handlungsspielraum von Polizisten fest. Er forderte eine bessere Kommunikation zwischen Vereinen, Fans und Polizei und diesen Dialog kontinuierlich voranzutreiben und verwies auch darauf, dass es keine rechtliche Grundlage für die Kostenerstattung der Polizei bei Fußballspielen gibt, denn das Gewaltmonopol liegt beim Staat und dieser ist eben auch für die Ausrüstung und Ausbildung von Polizisten zuständig. Als Weiteres erwähnte er, dass Fußballvereine auch Steuerzahler sind und nicht gerade wenig deren zahlen. Auch verwies er darauf, dass sich Vereine an Vorbesprechungen zu Fußballspielen beteiligen und ihre Erfahrungen mit einbringen. Ob sie dann immer gehört werden wird wohl die andere Sache sein. Eben falls sind bei solchen Sicherheitsberatungen auch die Fanprojekte mit involviert und geben ihre Sichtweise wieder.

Etwas, das es in den Augen von Herr Strutz überhaupt nicht geben sollte, sind populistische Sprüche von Polizisten und Politikern um Stimmungsmache zu betreiben. Denn damit wird nur auf Kosten anderer von der eigentlichen Ursache abgelenkt.

Kurzreferate

Vortrag Prof. Dr. Pilz – Fanforscher

Herr Pilz ist ein bekannter Fanforscher und gilt als die Ikone auf diesem Gebiet in Deutschland. Ein wichtiger Satz aus seinem Vortrag ist: „Das Handeln des Menschen ist nicht von ihrer Situation, sondern von der Definition der Situation bestimmt.“

Er mahnte die Fußballfans an selbstkritisch mit ihren Handeln umzugehen und stellte die Frage: Wohin geht die Reise der deutschen Fans? Hin zur Eskalation oder zur Deeskalation? Er nahm aber auch die Polizei und die Entscheidungsträger in die Pflicht, denn er ist der Meinung, dass nicht mehr Polizei und schärfere Gesetzte zur Lösung des Problems beitragen, sondern mehr Kommunikation und Transparenz.

Federführend war Herr Pilz in Zusammenarbeit mit der Daniel-Nivel-Stiftung an einem Forum beteiligt, bei dem sich Sozialarbeiter der Fanprojekte, Polizisten und Fans/Ultras zusammenfanden und sich gegenseitig austauschten und ihr Handeln erläuterten. Alle beteiligten Parteien waren von diesem Forum hellauf begeistert, denn sie wussten nun mehr von ihrem Gegenüber und entwickelten eine andere Sicht auf die Dinge rund um den Fußball. Nun muss man allerdings aus meiner Sicht berechtigt fragen, warum dieses Forum nur eine einmalige Veranstaltung war, wenn es doch so erfolgreich war.

Lobend erwähnte Herr Pilz das Konzept der Polizei Hannover, die offen organisierte Fangruppen der Gastvereine anspricht und ihnen den Tagesablauf schon im Vorfeld darlegt und des Weiteren Ansprechpartner bei der Polizei benennt. So zitierte er aus der Internetumfrage der Polizei, die den organisierten Fangruppen im Nachgang zum Spiel einen Fragebogen zukommen lässt.

Als Fazit bleibt, dass Herr Pilz das gleiche wie alle anderen Fordert: mehr Kommunikation und sich nicht verschließen.

Vortag Herr Kusch – GdP-Mitglied; Bundespolizei Blumberg

Die Bundespolizeihundertschaften aus Blumberg sind unter Fußballfans als „leicht“ radikal bekannt und gelten neben dem USK in Bayern mit als die Härtesten die es unter den Bundespolizeihundertschaften gibt. So überraschte auch Her Kusch nicht mit einem weiten Blickwinkeln, sondern wies eher nur einen Tunnelblick auf, der sich nur auf die Situation in seinem direkten Arbeitsumfeld beschränkt. Er bemängelte, dass sich Fußballfans immer mehr zurückziehen, die Kommunikation/Kooperation einstellen, alternative Anreisewege zu Auswärtsspielen nutzen und es auch vermehrt auf den Anreisewegen zum Einsatz von Pyrotechnik kommt. Aber auch Kritik an den einzelnen Bundesländern/dem Gesetzgeber brachte er an, denn seiner Meinung nach gibt es viel zu viel unterschiedliche Regeln für Polizeieinsätze aufgrund Länderkompetenzen. Als Quintessenz forderte er, dass einheitliche Regeln für den Bund und die Länder aufgestellt werden sollen. Weiter gab er an, dass Auswärtsfahrer auf Zugfahrten an den Ländergrenzen an die Polizei des jeweiligen Bundesland übergeben werden und so sich auf Auswärtsfahrten immer wieder das Polizeikonzept allein für die Zugfahrt ändern soll. Das dem nicht so ist, zeigt ja allein schon, dass Herr Kusch als Beamter der Bundespolizei die Züge begleitet. Und diese eingesetzten Beamten fahren am Startbahnhof mit los und übergeben die Fußballfans erst am Zielbahnhof an die zuständige Länderpolizei. Auch war er sehr nah bei Herr Witthaut und empfahl, dass wer auf An- und Abreise zu einem Fußballspiel Straftaten begeht zukünftig mit einem Beförderungsverbot belegt werden soll. Als weiterer Sicherheitsgarant soll auf Auswärtsfahrten mit dem Zug ein generelles Alkohol-und Glasflaschenverbot ausgesprochen und Bahnhöfe zu gefährdeten Orten erklärt werden. Als I-Tüpfelchen forderte er den Ausbau der Fähigkeit zu Massenidentifikationen. Als Argument dafür erwähnte er das Spiel der Braunschweiger Eintracht in Rostock im Jahr 2009 und die per Sonderzug angereisten Braunschweiger, die in Stendal und Bad Kleinen Pyrotechnik aus dem Zug heraus auf dem Bahnsteig abbrannten und kurz vor der Einfahrt des Zuges in den Rostocker Hauptbahnhof die Notbremse zogen, den Zug über die Gleise verließen und sich mit Steinen bewaffneten. Um Strattaten auf An- und Abreise und in Stadien zu verhindern plädiert er ebenfalls für das Kombiticket bei Risikospielen. Dies bedeutet, dass eine Eintrittskarte an ein Zugticket gebunden und personalisiert ist.

Seine Erwartungen an Fans sind folgende, dass Sicherheit als Teil der Fankultur verstanden werden und man nicht wegsieht, wenn etwas passiert. Des Weiteren sollten Fans mehr Eigenverantwortung übernehmen und einen Ehrenkodex im Umgang mit der Polizei festlegen an den sich alle halten.

Es ist zwar schön und gut, dass Herr Kusch eine stärkere Eigenverantwortung der Fußballfans auch durch Selbstreflexion fordert, doch sollte er dann auch die andere Seite, die der Polizei, beleuchten und das eigene Handeln hinterfragen. „Wir sind die guten Polizisten – ihr die bösen Fans!“ ist schlicht zu einfach gedacht.

Vortrag Herr Beckmann – Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Fanprojekte / Fanprojekt Mainz

Thomas Beckmann korrigierte erst einmal die in den Raum gestellte Anzahl der Fanprojekte auf 50 nach oben. Er sprach zu Herr Kusch und seiner Kritik der langen Einsatzseiten im Rahmen von Fußballspielen und verwies darauf, dass die Fanprojektmitarbeiter teilweise 24 Stunden die Fans begleiten und diese nicht an Ländergrenzen übergeben. Er beschwerte sich darüber, dass bei sichAls anbahnenden Konflikten zwischen Fans und der Polizei oftmals erst der Einsatzleiter erfragt werden muss und man dann von diesem eben genauso oft nicht angehört bzw. ernstgenommen wird.

Auch auf Herr Witthaut und seine Forderung des kompletten Alkoholverbots ging er mit folgenden Satz ein: „Wenn sie Alkoholverbot bei Auswärtsfahrten fordern, sollten Fans erst einmal die Möglichkeit besitzen sich mit Getränken zu versorgen. Denn oft sind die Läden versperrt und auhc der Gang zur Toilette wird verwehrt.“

Als Leiter des Fanprojektes in Mainz verwies er auch auf zwei Derbys des FSV Mainz 05 gegen den 1. FC Kaiserslautern. In einer Saison wurde auf die Empfehlungen des Fanprojektes gehört, die Lauterer wurden von unbehelmten Polizisten am Hauptbahnhof Mainz i Empfang genommen und die Polizei hielt sich im Hintergrund. Eines der friedlichsten Derbys die es gab. In der Saison darauf wurde ein anderer Einsatzplan verfolgt und es war eben das ganze Gegenteil vom Derby der Saison zuvor.

Er kritisierte an der Polizei, dass Fanbetreuer von Polizisten nicht ernstgenommen werden, dass Polizisten Fans schubsen und duzen und bei Straftaten nicht identifiziert werden können. Aus diesem Zusammenhang forderte Herr Beckmann eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten, da sie seiner Meinung nach eine Rechts- und Verhaltenssicherheit von Polizisten fördern, die Selbstdissziplin erhöhen und mehr Bürgernähe symbolisieren würde.

Im weiteren Verlauf seines Vortrages prangerte er an, dass Fußballfans bei Polizisten keinen Vertrauensvorschuss besitzen und führte weiter aus, wenn Polizisten nicht unter Generalverdacht stehen sollen/dürfen, dies bei Fußballfans auch nicht der Fall sein sollte. Von einer Kennzeichnung von Polizisten verspricht er sich auch mehr Austausch auf Augenhöhe zwischen Fanprojektmitarbeitern und Polizisten.

Seine abschließenden Worte waren, dass die Sachlichkeit beim Dialog über Fußballfans gewahrt bleiben sollte.

Vortag Frau Smisek – BFE Frankfurt und Ex-Nationalspielerin

In knappen 5 Minuten sagte sie mit vielen Worten einfach nur, dass sie den Kongress gut findet und so den Fußballfans gegenübertritt wie sie sich es von diesen wünscht: ruhig und besonnen.

Vortrag Herr Strutz – Präsident FSV Mainz 05 und Vizepräsident des Ligaverbandes

Der er wenig Zeit hatte und noch zu einem anderen Termin musste, holte er nicht großartig aus in seinem Vortrag. Er verwies auf das Kruvengespräch in Mainz, dass zusätzlich zur Sicherheitsberatung 45 Minuten vor Anpfiff stattfindet und an dem Vertreter der Fanszene, des Vereins und der Polizei teilnehmen.

Zur Stadionverbotsproblematik legte er die Handhabungsweise in Mainz da:

  • der Betroffene wird gehört bevor das SV ausgesprochen wird
  • durch Sozialstunden können Stadionverbote verkürzt oder ausgesetzt werden, was aber auch immer abhängig von der schwere des Deliktes abhängig ist, das zu einem Stadionverbot führte

Herr Strutz schlug abschließend noch eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte auf Probe vor um daraus Erfahrungswerte zu sammeln und dann über die Einführung derer zu entschieden.

Vortrag Herr Liebenau – Mitglied Chosen Few Hamburg

Johannes Liebenau versuchte den Anwesenden die Materie Ultra näher zu bringen. Er verwies darauf, dass Ultragruppen keine homogene Gruppe sind und die „A – B – C“-Kategoriesierung der Polizei bei Ultras nicht greift, da sie verschwimmt. Er verwies darauf, dass entgegen der allgemeinen Auffassung Ultras eben keine Selbstdarsteller sind, denen es im Stadion nur um sich selbst geht. Der Verein und das Spiel sind nach wie vor sehr wichtig für Ultras. Des Weiteren ist den Ultras aber auch das Gemeinschaftsgefühl/das Gruppenleben wichtig, dass eben einen sehr hohen Stellenwert einnimmt, und das Ausleben von Emotionen.

Er verschwieg nicht, dass es ein Kräftemessen zwischen den verschiedenen Ultragruppen gibt, der Ultras von anderen Stadionbesuchern unterscheidet. Dies geschieht teils über Gewalt, aber auch durch Choreographien, Spruchbänder, Gesänge und Reviermarkierungen wie Aufkleber und Graffiti.

 

Als Probleme der Ultras/Fans führte er an:

  • kurzfristige Spieltagsansetzungen
  • Eintrittspreise
  • enge, fanunfreundliche Gästeblöcke
  • Materialverbot (als Beispiel zeigte er zwei PVC-Stangen die für Doppelhalter verwendet werden. Eine kurze, dafür aber dickere Stange und eine lange, dafür aber dünnere Stange. Fährt man auswärts, schilderte er, ist das eine Jahr diese kurze, dafür aber dickere Stange erlaubt, da sie nicht zu lang ist. Und fährt man in der Saison darauf zum selben Verein, ist plötzlich die längere, dafür aber dünnere Stange erlaubt weil sie jetzt auf einmal dnn genug ist.)

Des Weiteren fragte er noch beispielhaft, was an PVC-Stangen sicherheitsrelevant ist?

Johannes Liebenau verwies auch auf Rituale der Ultras. So ist zum Beispiel das eigene Material sehr extrem wichtig und da wird eben die Zaunfahne und anderes Material in der Gruppen zum Fahnenauto gebracht. Dies stellt aber für die Polizei oftmals ein Problem dar.

Auch der Kodex „Wir reden nicht mit der Polizei“ wurde angesprochen. Aus seiner Sicht resultiert der Kodex daraus, dass die Polizei oft unkoordiniert/unprofessionell wirkt, sich sehr oft nicht an Absprachen hält und das Projekt der Szenekundigen Beamten gescheitert ist, da diese von den Einsatzleitern auch nicht ernst genommen werden.

Zum Abschluss seines Vortrages kam er mit dem Hinweis auf die Fandemo und die Pyrotechnikkampange, bei der Ultras verschiedener Vereine zusammenarbeiten und legte einen weiteren Punkt dar, der Ultras neben dem eigenen Verein, dem Spiel und der Gruppe auch überaus wichtig ist: ein Freiraum zum entfalten.

Vortrag Herr Lennartz – Hundertschaftsführer Mönchengladbach

Als fast wöchentlich Betroffener der vielen Einsatzstunden schilderte Herr Lennartz seine Erfahrungen. Auch er erwähnte die Kapazitätsgrenze, die die Polizei erreicht hat. Seine größte Sorge sind aber die fehlenden/verloren gegangen sozialen Kontakte von Polizisten außerhalb der Kollegen auf Grund der vielen Einsatzstunden. Als Beispiel führte er an, dass allein bei Borussia Mönchengladbach die Zahl der zu absolvierenden Stunden in zehn Jahren um 400% gestiegen ist. Deswegen forderte er vernünftige Infrastrukturen bei Stadien und Anreisewegen. Als auch wichtigen Punkt sprach er auch an, dass es keinen Zuwachs von Straftaten im Fußballumfeld gibt. Es werden nur mehr durch die Polizei ermittelt/aufgeklärt und somit in die Statistik eingehen. Die drei am häufigsten vorkommenden Straftaten sind an erster Stelle Körperverletzung, zweitens Landfriedensbruch und als drittes Handlungen gegen Polizeibeamte. Im Gegensatz zu Herrn Witthaut setzt er sich für keine kurzfristige Ansetzung von Fußballspielen ein, da die zuständige Polizei so einen größeren Zeitraum zur Vorbereitung auf das Fußballspiel hat.

 

Vortrag Herr Ruf – Freier Journalist (Magazin „Rund“)

„Eine Abrüstung im Fußballumfeld ist wichtig. Sowohl bei der Polizei, als auch bei den Fans“. Eine sehr prägnante Aussage. Weiter ging es bei ihm mit einem anderen Spannungsfeld, dass sich letztes Jahr über Wochen der Bundesrepublik präsentierte: die Demonstration rund um Stuttgart 21. Hier bezog er sich auf ein Bild in den Medien, auf dem ein Polizist zu sehen war, der sichtbar Spaß an der Gewalt hatte und unentwegt auf Demonstranten einprügelte. Dieser Polizist wurde aber nicht belangt. Er wandte sich aber auch an die Ultras, die nicht mehr als paramilitärische Einheiten auftreten (schwarz gekleidet,, Sonnenbrille auch bei Bewölkung und Schal im Gesicht) und den Kodex von Uli Hoeneß unterstützen sollen, der da ist: „Es ist mir völlig egal, ob eine Schwenkfahne einen halben Meter zu lang oder zu kurz ist. Hautsache man schwört der Gewalt ab!“.

Einen wichtigen Hinweis gab er der Polizei auch noch: wenn es beim Fußball ruhig bleibt wegen der Zahl der eingesetzten Beamten und wenn es nicht friedlich bleibt trotz der Zahl der eingesetzten Beamten. Auch erwähnte der eine Folge der Serie „Die Simpsons“, in der ein Bär in Springfield auftaucht und sich sofort eine Antibärenwehr bildet. Diese loben sich dann dafür, dass nach dem ersten Bärenbesuch und ihrer Gründung mehrere Monate kein Bär mehr in Springfield zu sehen ist und vergessen dabei aber, dass es die ganzen Jahre vor dem ersten Bärenbesuch und ihrer Antibärenwehr genauso war. Als Höhepunkt präsentiert Lisa Homer dann noch einen Stein und meint, dass dieser Tiger vertreiben kann, da ja noch nie ein freier Tiger in Springfield gesichtet wurde. Homer ist hellauf begeistert und kauft ihr diesen Stein ab.

Sein letztes Statement war dieses: „Hochgerechnet auf die Besucherzahl sind Fußballspiele im Vergleich mit dem Münchner Oktoberfest reine Pazifistentreffen.

Vortrag Herr Volke – Fanbeauftragter Borussia Dortmund; Mitinitiator schwatzgelb.de

Sein Vortrag wirkte leicht zerstreut, was er aber damit begründete, dass er ihn wegen der Vorträge umschrieb, da er auf das bisher Gehörte eingehen wollte. Kurz erklärte er die Arbeit von Fanbeauftragten und auch die neue UEFA-Richtlinie die besagt, dass Vereine/Kapitalgesellschaften die ab 2013 am Europapokal teilnehmen einen hauptamtlichen Fanbeauftragten beschäftigen müssen. Für ihn sind die Fanbeauftragten die Dolmetscher zwischen Fans und Polizei.

Aus seiner Sicht kann eine Selbstreinigung der Fanszene nur funktionieren, wenn Personen, dies dieses anstreben, bekannt sind und unterstützt werden.

Mit Zitaten aus dem Buch „Ultras“ verwies er auch darauf, das Ultras auch Sozial- und Jugendarbeiter sind und vieles leisten, was die Gesellschaft heutzutage teilweise nicht mehr schafft: eine Bildung einer Gemeinschaft mit festen Normen und Werten. Auch sein zweites Zitat aus dem Buch „Tifare Contro“(?), ließ zwar nur schwer vermuten, warum man das alles so liebt, wenn man zum Beispiel gejagt, verprügelt und letztendlich auch sanktioniert wird. Aber der Zusammenhalt, das Gemeinschaftsgefühl, vieles über einen langen Zeitraum mit Personen zu erleben, die sich zu echten Freunden entwickeln, all das macht Ultra aus. Ein Gemeinschaftsgefühl, dass man Außenstehenden nur schwer beschreiben kann, aber für Ultras eminent wichtig ist.

An die verantwortlichen Entscheidungsträger richtete er die Forderung das Model der Szenekundigen Beamten zu stärken, fördern und fordern.

Reine Sitzplatzstadien sind seiner Auffassung nach keine Lösung für das Gewaltproblem. Ebenso sind geringe Gästekartenkontigente kaum durchsetzbar, da sie umgangen werden und stellte die Frage, was der Nutzen von personalisierten Eintrittskarten ist. Auch eine Fankarte, Verweis auf die Tesera del Tifosi in Italien, sei keine Lösung, da in Italien zwar nur Teserati ihre Mannschfat offiziell Auswärts unterstützen und den Gästeblock betreten dürfen, es aber dazu führte, dass die Gästeblöcke leer und die Nebenblöcke voll sind.

Organisierte Anreise der Gästefans hält er auch für wenig praktikabel, denn zum Beispiel ist es für BVB-Fans die in Hamburg wohnen mehr als nur eine Zumutung am Spieltag nach Dortmund zu fahren, dort an der organisierten Anreise teil zu nehmen und schlimmstenfalls nach Abpfiff nach Dortmund zu fahren um dann den Heimweg nach Hamburg anzutreten. Dies mag zwar hahnebüschen klingen, wird aber in den Niederlanden so praktiziert. Deswegen erklärte Herr Volke das Model der organisierten Anreise bei Ajax Amsterdam, dass genauso aussieht, wie eben beschrieben. Ein Ajaxfan aus Enschede muss, wenn er das Spiel von Ajax bei Twente Enschede aus dem Gästeblock verfolgen will, erst nach Amsterdam fahren unddort den Zug nach Enschede betreten in dem es nichts zu trinken gibt und die Heizung auf die maximale Leistung gestellt wird (Hitze soll angeblich die Aggression verringern). In Enschede wird er dann in den hermatisch abgeriegelten Gästeblock entlassen, aus dem es nach dem Spiel nur den Weg zurück in den Zug gibt. Somit muss er wieder nach Amsterdam und kann anschließend wieder nach Enschede fahren.

Einer Studie zufolge, die er ansprach und die sich mit der WM06, EM08 und WM10 beschäftigt, gibt bei weniger Polizei um die Stadien auch weniger Probleme. Diese Studie von Prof. Clifford Stolt und der Universität Liverpool kann man auch m Fanprojekt Dresden einsehen.

Podiumsdiskussion unter Einbeziehung des Publikums

Die Podiumsdiskussion kann schnell zusammengefasst werden, war sie doch eine Fortsetzung der einzelnen Redebeiträge. Als positiver Aspekt bleibt, dass während der Diskussion die Arbeitsgemeinschaft „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ ihr Konzept, durch die Vertreterin Anke Wiedenroth, dem DFB-Sicherheitsbeauftragten Spahn symbolisch übergeben konnte (die Rede von Anke Wiedenroth findet ihr >>HIER<< bzw. unten) . Im großen und ganzen war die Diskussion von gegenseitigen Respekt geprägt und erreichte auch ein gutes Niveau. Doch kurz vor Ende der Podiumsdiskussion kippte die Stimmung im Saal, als der Fokus wieder auf die Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamten gelenkt wurde. Hier behaarte Herr Witthaut weiterhin auf seinen Standpunkt und wiegelte sachlich vorgetragene Argumente ab. Der Höhepunkt war dann seinen Aussage, dass wenn es eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte gibt, es auch eine solche für Fußballfans geben sollte. Er begründete sein vehementes argumentieren dagegen auch damit, dass dann Polizisten im Privatleben übergriffen ausgesetzt sind. Denn wenn sie ihren Namen preisgeben müssen, sei es für motivierte Personen ein leichtes diese vor der Haustür aufzusuchen. Wenn man aber ehrlich ist, muss man sich eingestehen, dass in der Zeit von Google, Facebook, StudiVZ und anderen sozialen Netzwerken ein paar Mausklicks genügen um mehr über eine Person zu erfahren, als das eine Kennzeichnung preisgibt. Personen im öffentlichen Dienst sind dazu angehalten Namensschilder zu tragen. Warum dann nicht auch geschlossene Polizeieinheiten?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fazit zum Kongress

Mein Fazit fällt sehr kurz aus. Denn der Kongress war nur ein erster Meinungsaustausch, bei dem alle Seiten ihren Standpunkt dargelegt, Positives und Negatives angesprochen und das gegenüber auf Fehler im Umgang miteinander hingewiesen haben. Was und o etwas daraus gemacht wird, hängt von vielen anderen Faktoren ab. Vor allem aber vom Interesse jeder jeder Seite, die viel beschworene Kommunikation auszubauen und aufrecht zu erhalten.


Rede Anke Wiedenroth

DFB-Kongress – Rede unserer Vertreterin

Wir haben heute festgestellt, dass wir uns in einer Spirale befinden. Es gibt Verbote, wird sich an diese nicht gehalten, folgen Strafen und weitere Verbote und daraus wächst Widerstand, was in noch härteren Strafen mündet.
Wir haben auch gehört, dass die Lösung aus dieser Spirale aus Repression und Gegenwehr herauszukommen, Gesprächsbereitschaft wäre.
Mit Verlaub – das glaube ich nicht!
Wäre Gesprächsbereitschaft die Lösung, dann würden wir nicht seit vielen Jahren mit den Fanrechten auf der Stelle treten!
Was wir brauchen, ist nicht nur die Bereitschaft, Gespräche zu führen, sondern das, was wir hier heute teils schon getan haben, nämlich wirklich miteinander zu reden und sich auf Augenhöhe zu begegnen und auszutauschen. Was wir brauchen sind Ideen, Visionen und Konzepte, die man dann auch umsetzt!
Handeln statt reden!
Ich freue mich, dass wir Ultragruppen diesen ersten Schritt gemacht haben! Dass wir mit der Kampagne „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ ehrliche Gesprächsbereitschaft anbieten und auf konstruktive Gespräche mit dem DFB setzen. Und ich bin mir auch sicher, dass der DFB sein Angebot, sich mit uns an einen Tisch zu setzen, ernst gemeint hat und dem auch nachkommen wird.
Doch wir sind noch weiter gegangen. Wir haben ein praktikables Konzept zur Legalisierung von Pyrotechnik in Fußballstadien erarbeitet.
Dieses Konzept ist anwaltlich geprüft, es hat eine Rechtsgrundlage gemäß dem Sprengstoffgesetz und der Versammlungsstättenverordnungen – es hat Hand und Fuß!
Es wird nicht nur unterstützt von einem Zusammenschluss von Ultragruppen, unterstützt von BAG und einigen Vereinen, sondern auch von Fanorganisationen wie BAFF, Pro Fans und Unsere Kurve, zudem will auch die KOS vermitteln und unterstützen.
Ich glaube, so ein breiter Konsens über eine Problemlösung – das ist bisher einmalig und darauf können wir aktiven Fußballfans wirklich stolz sein!
Bevor ich nun dieses Konzept übergebe, möchte ich, wenn ich schon das Mikro in der Hand habe, kurz die Möglichkeit nutzen und ein paar Worte an die anwesenden Vertreter der Polizei richten:
Gespräche, praktikable Konzepte und neue Wege sind der Ausweg aus der genannten Spirale, bevor sich diese immer weiter zuspitzt. Wenn ich heute so manchen Redebeitrag gehört habe, bin ich mir nicht sicher, ob Sie das wirklich alle verstanden haben!
Sie sprachen von noch schärferen Strafen, Auflagen und Verboten, um uns unter Kontrolle zu bringen. Das wird so nicht funktionieren!
Ich würde mir wünschen, dass Sie mal in sich gehen und überlegen, ob das wirklich die Lösung sein kann?
Ich denke, jeder hier in diesem Raum kennt die Antwort!
Ich weiß aber auch, dass es bei der Polizei Befürworter von legaler Pyrotechnik in Stadien gibt und ich würde mich freuen, wenn sich diese trauen, das Wort zu erheben und dazu zu stehen.

Und nun, Herr Spahn, würde ich Ihnen das Konzept gerne überreichen!

von Anke Wiedenroth auf dem Kongress “Feindbilder ins Abseits” am 12.01.2011 in Frankfurt/M.

Quelle: Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respelktieren!

Ahoj, du hast das Wort.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.