20.03.2010 SK Sturm Graz – SK Rapid Wien

20.03.2010, 18:00 Uhr
SK Sturm Graz – SK Rapid Wien
Graz, Stadion Liebenau
1. Liga – 15.342 Zs. – 1:1

Nachdem sich am Freitag vor der Abfahrt, noch zwei kulturelle Highlights ereigneten, ein kotzender Fullinger vorm Dresdner Rathhaus, welcher nach ausführen seines Aktes direkt ins Brötchen biss um dann wieder seinen Magen zu entleeren, und danach ab ins Theater, wo mich die hübsche Schauspielerin Jasmin verzauberte, ging es zum Auto, denn am Samstag sollte Frank und mich das Topspiel in Österreich in seinen Bann ziehen. So ging es ohne eine Mütze Schlaf, mit dem Auto in die Stadt der Moderne (immer wieder ein Brüller) um um 4 in den Zug gen Zwickau und so weiter zu steigen. Nachdem man die Chemnitzer Disko-Jugend näher betrachtete, wurden wir sogar direkt angesprochen nach einigen Minuten Fahrt gefragt, ob dies den der Zug nach Mittweida sei? Dies wurde verneint, womit den beiden einfiel, den selben Fehler schon zu Silvester einmal begangen zu haben, köstlich.
Im Zug dann geistreiche Konversation vom allerfeinsten über das horizontale Gewerbe und Schweinewürfeln extreme. So wurde die von traumhafter alpiner Landschaft begleitete Route, doch recht angenehm gestaltet und man erreichte die Hauptstadt der Steiermark mit feinstem Sonnenschein im Gepäck und die Vorfreude stieg ins unermessliche. Ab in die Straßenbahn, vorbei am Rathhaus und allerlei hübscher Menschen (Frank bildet sich heute noch ein, von 2 Frauen angelächelt wurden zu sein) zum Stadion Liebenau. Die nicht vorhandenen Einlasskontrollen überwunden und hinein ins Vergnügen. Beide Kurven eine halbe Stunde vorm Spiel gut am einsingen, was doch einiges erhoffen ließ. Vor allem das von beiden Seiten, emotionale “Pyrotechnik ist kein Verbrechen”, wusste zu gefallen. Die Spieler von Rapid schlossen sich optisch an, so erwärmten sie sich mit weißen T-Shirts, welche diese unmissverständliche Message trugen. Die Meinung bezüglich Pyro, offenbarte sich auch beim Einlauf der Spieler, als Rapid eine transparente Blockfahne “Pyro is leiwand“ hoch zog und Unmengen von Bengalen entflammte. Doch Graz stand dem in nix nach und zeigte zwei Zigarettenschachteln der Marken Bengauloises und Marlpyro und das Konterfei der Innenministerien Maria Fekter, welche für das ganze Unheil verantwortlich ist und allerlei Rauch in allen Farben, die ich kenne. Pervers! Wir auf der Tribüne fast nen Herzkasper vor Freude bekommen, einfach utopisch wie sich dieser feine Geruch in der Nase ausbreitete und auch meine Tribünennachbarn am feiern. Nach kurzer Unterbrechung des Spiels, da man nicht mehr die Hand vor Augen sah, war die Stimmung auf den Rängen prächtig. Auf Heimseite, sehr melodisch und die ganze Kurve ließ sich mitreisen. Bei den Rapidlern ebenfalls der ganze Block am abgehen. ULTRAS eben.
Graz gefiel mir aber etwas besser, wegen den teilweise utopischen Gesängen und selbstinterpretierten Klassikern. So überzeugte mich “Auf geht’s schwoaze schießt ein Tor” oder ein Lied auf die Melodie von “Nippel durch die Lasche ziehen”. Eieiei das hat aber zu gefallen gewusst.
Spielerisch Sturm in einer von Fehlpässen begleiteten Partie zu Beginn besser, doch ohne zwingende Chancen und mit zunehmender Dauer des Spiels verlor man etwas den Faden, was die beiden Kurven eher weniger störte. Leider kam der Pausentee viel zu schnell, mein Pausenhighlight war aber schnell gefunden. Als Rapid die weiße Pyrotechnikfahne auspackte, fragt ein kleiner Bub seinen Begleiter was Pyrotechnik denn eigentlich sei und er antwortet: “Da is sowas wie die roten Fackeln am Anfang. Das soll jetzt aber verboten werden, gehört aber eigentlich mit dazu!” Hooldad of the year. In anderen Ländern eine normale Ansicht, aber bei uns in Deutschland schwer vorstellbar. Die zweite Halbzeit begannen beide Kurven mittels Spruchbändern um auf die Sinnlosigkeit des Pyrotechnikgesetzes aufmerksam zu machen. Graz “Wer Stadien nur von außen kennt, und weg schaut wenn die Kurve “brennt”, wer unbescholtne Bürger quält!” und Rapid: “…Der hat die Position verfehlt! Drum sagen
wir es kurz und knapp. Frau Fekter bitte dankens ab.”
Auf der grünen Wiese brachte der Unparteiische die Grazer zur Verzweiflung, mit diversen strittigen Entscheidungen, was vermehrt Becher-, Wurst- und Popcornwürfe zur Folge hatte. Als er auch noch einen Elfmeter verweigerte waren alle am ausrasten und der Stadionsprecher ermahnte die Fans in autoritärer Manier: „Ich bitte sie freundlich, das Becher werfen, bitte zu unterlassen“, in Deutschland wären die Wörter leicht hysterischer gewesen hehehe. Die Balljungen wird’s gefreut haben, so gingen diese mit einem guten Nebenverdienst in der Tasche nach Hause.
Doch Graz bekam in der 67 Minute einen Elfmeter zugesprochen und ein alter Bekannter mit Namen Klemen Lavric netzte gekonnt ein, nun natürlich alles am frei drehen, unglaublich! Sturm am abgehen, doch man soll sich nicht zu früh freuen, denn ein jeder weiß was in den letzten 15min noch passieren kann, vor allem in der Rapidviertelstunde. Als das Spiel die 75min erreichte, begann Rapid mit fleißigen rumbengalen und feierte die letzten 15min in denen Rapid schon viele Spiele gedreht hat und natürlich machen sie kurz vor Schluss noch eine Bude und dass per Kopf! Graz natürlich geschockt und Rapid lege noch eine Schippe drauf, auf das bisher gebotene, wo vor allem “Die ganze West singt mit…” hervor stach.
Dann ertönte leider der Abpfiff und es blieb beim Leistungsgerechten Remis. Voller Freude von dem gesehenen, so hegte man schon hohe Erwartungen, welche auch glücklicherweise nicht enttäuscht wurden, ging es raus aus dem Stadion, wo man aber keine weiteren Vorfälle mitbekam. Jetzt konnte die zehnstündige Gammelzeit zum Sightseeing genutzt werden. Schlenderten wir erst durch die Altstadt und die Prachtstraßen, führte uns dann der Weg ins von uns deklarierte “Szeneviertel” und nachdem sich mit was essbaren gestärkt wurde, wagten wir einen Aufstieg auf das Wahrzeichen der Stadt den Uhrturm, welcher sich auf einem Berg befindet.
Nachdem auch das erledigt wurde, ging es in ein Wettcafe am Bahnhof, wo noch ein Bier genascht wurde, aber ohne Ante S. oder Hoyzer, aber dafür mit feinstem Pennertum. Ein Selbstgesprächsführender Spielsüchtling, ein Inder, der einfach immer hin und her lief und ein vom Stuhl fallender Rapidanhänger. Also richtig dekadente Gesellschaft.
Irgendwann fuhr dann der Zug Richtung Deutschland wieder ab und es hieß auf Wiederschaun Österreich, bis bald. (snider)

 

Ahoj, du hast das Wort.

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